Aufgeblättert

Von Hochstaplern und Reisenden in Sibirien

Foto: Imago; Montage: HA

Das Debüt des Hamburger Erzählers Sascha Preiß versammelt konzentrierte Beobachtungen vom kalten Ende der Welt.

Hamburg.  Unter den Verbrechern darf der Typus des Hochstaplers sicher weitaus mehr als andere einen gewissen Sympathiefaktor beanspruchen. Man hört, liest und schaut seit jeher so gerne, wie sich blendende junge Männer nach oben lügen und viele von den Großkopfeten an der Nase herumführen. Für Thomas Manns Picaro Felix Krull gab es ein Vorbild: Es war dies der Rumäne Georges Manolescu (1871–1908), der als Fürst Lahovary mit Chuzpe, Charme und Crime die mitteleuropäischen, feinen Kreise eroberte. Im auf Klassiker spezialisierten Manesse-Verlag erscheinen nun in einer Neuausgabe Manolescus Bestsellerbekenntnisse aus dem Jahr 2005. „Fürst Lahovary. Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler“ (24 Euro) ist eine hochamüsante Angelegenheit.


Das trifft eher selten auf „Sibirische Geschichten“ (Nox Verlag, 18 Euro, www.nox-literatur.de) zu, das Debüt des Hamburger Erzählers Sascha Preiß. Der schmale Erzählungsband versammelt konzentrierte Beobachtungen und Momentaufnahmen vom kalten Ende der Welt. In vorzüglicher Prosa erzählt Preiß, der 1976 in Erfurt geboren wurde und mehrere Jahre in Irkutsk lebte, von solch herausragend russischen Tätigkeiten wie dem Eis-Angeln, dem Wodka-Trinken, dem Benutzen der Transsib und dem Ausweiden eines Schafs. Man liest die tragische Geschichte eines Mädchens, das unabsichtlich seine Familie auslöscht und von der Lesereise eines deutschen Schriftstellers namens Alexander Preiß. Und am Ende weiß man, dass in dieser kargen Landschaft Menschen leben.

Sibirische Augenblicke, 20 Grad unter null und geschliffen wie Eis.