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Netflix-Serie "Barbaren": Römer, geht nach Hause!

Die von Gaumont produzierte deutsche Netflix-Serie "Barbaren" startet am 24. Oktober

Die von Gaumont produzierte deutsche Netflix-Serie "Barbaren" startet am 24. Oktober

Foto: Gaumont

Die deutsche Netflix-Serie „Barbaren“ will die Schlacht im Teutoburger Wald aus Sicht der Germanen erzählen.

„Mitten auf dem Felde lagen bleichende Knochen, zerstreut oder in Haufen, je nachdem ob sie von Flüchtigen oder von einer noch Widerstand leistenden Truppe stammten. Daneben lagen zerbrochene Waffen und Pferdegerippe, an Baumstämmen waren Schädel befestigt. In Hainen in der Nähe standen die Altäre der Barbaren, an denen sie die Tribunen und Zenturionen ersten Ranges geschlachtet hatten.“

So beschrieb der römische Historiker Tacitus in seinen Annalen eine der furchtbarsten Katastrophen des römischen Imperiums: Im Jahre 9 n. Chr. kehrten drei Legionen unter der Führung des Feldherrn Publius Quinctilius Varus mit mehr als 15.000 Mann nicht mehr aus dem Teutoburger Wald zurück – verraten und in die Falle gelockt vom in römischen Diensten stehenden Cheruskerfürsten Arminius, meuternden Hilfstruppen und mehreren Germanenstämmen. „Varus, gib mir die Legionen zurück“, klagte Kaiser Augustus.

„Mich reizte das David-gegen-Goliath-Prinzip und der Konflikt der Kulturen"

Seit 2000 Jahren versuchen Historiker und Literaten, angefangen bei Ovid, Sueton, Cassius Dio und Tacitus, das Geschehen in den düsteren, unwegsamen und verregneten Wäldern zu erklären. Jetzt erzählt die von Gaumont produzierte deutsche Serie „Barbaren“ auf Netflix in sechs Folgen die Schlacht im Teutoburger Wald und ihre Vorgeschichte vornehmlich aus germanischer Sicht. Da zuckt man erst mal zusammen. Man liest ja viel über den Germanenkult bei jungen Identitären, alten SS-Ehrendolch-Besitzern und neu-heidnischen Alternativmedizinern.

„Man darf den Rechten keinen Raum geben. Dazu gehört ihnen nicht zu erlauben, sich fremde Geschichte, Kultur oder Religion anzueignen. Ach ja und … die können mich mal“, erzählt David Schütter, derzeit bei Dreharbeiten in Krakau, am Telefon. Der 1991 in Hamburg geborene und in Berlin lebende Enkel von Friedrich Schütter spielt in „Barbaren“ als kämpferisch-sensibler Cherusker Folkwin eine der Hauptrollen. „Mich reizte das David-gegen-Goliath-Prinzip und der Konflikt der Kulturen, der sich auf die heutige Zeit übertragen lässt: Das gegenseitige Abwerten des Fremden und Überhöhen der eigenen Kultur, um es im Machtstreben auszunutzen.“

Schütter spielt wie in zahlreichen TV-Serien und mit viel Esprit

Schütter spielt wie in zahlreichen TV-Serien und Filmen („4 Blocks“, „Unsere wunderbaren Jahre“) mit viel Esprit. Abgesehen von der Terra-X-Doku „Alexander der Große“ ist es Schütters erste historische Rolle. Da galt es, nicht nur Speerkampf und Reiten zu lernen, sondern auch die Crew und die Technik um ihn herum auszublenden. „Ich hab schnell darauf verzichtet, mich von Filmen wie ,Gladiator‘ leiten zu lassen, und versucht, den Menschen Folkwin unvoreingenommen vom Filmgenre zu zeigen.“ Sein Cherusker denkt, lacht und weint sehr viel und ist bei allem Mut „ungermanischer“ als seine Geliebte Thusnelda, die von Jeanne Goursaud verkörpert wird. Die historische Thusnelda, Gemahlin des Arminius und in Heinrich von Kleists Drama „Die Hermannsschlacht“ als dümmliche Tussi versinnbildlicht, ist in „Barbaren“ eine unbeugsame, sehr schlagfertige Frau.

Was die – nicht eindeutig belegbaren – historischen Abläufe und Motive von Persönlichkeiten wie Thusnelda, Arminius (Laurence Rupp) oder Varus (Gaetano Aronica) betrifft, nehmen sich Regie und Drehbuch Freiheiten. Leider wissen Handlung, Musik, Dialoge und einige CGI-Effekte aber nicht so zu fesseln wie beispielsweise im HBO-Klassiker „Rom“.

Sichtbare Bemühung um ein authentisches Gesamtbild

Was „Barbaren“ aber trotzdem sehenswert macht, ist die sichtbare Bemühung um ein authentisches Gesamtbild. Die Römer sprechen ausnahmslos Latein, und Kleidung, Farben, Handwerk, Gebäude, Lebensweise, Sitten und Gebräuche einer längst vergangenen Zeit werden insgesamt deutlich plausibler und authentischer interpretiert als in den lächerlichen Netflix-Bikertreffen „Vikings“ oder „The Last Kingdom“.

Nach Varus’ Niederlage schickte Augustus übrigens seinen Großneffen Germanicus in den Norden. Es gäbe viel zu erzählen in einer zweiten Staffel.