Elbphilharmonie

Mozart ist schon schwer, Schubert ist sogar noch schwerer

Eric Lu gewann 2018 den Klavierwettbewerb in Leeds

Eric Lu gewann 2018 den Klavierwettbewerb in Leeds

Foto: Ben Ealovega

Klavierabend "Talente entdecken" ging mit einem kurzen Recital von Eric Lu im Kleinen Saal der Elbphilharmonie in die nächsten Runde.

Hamburg. Das Signal, aufstrebenden, ausgebremsten Künstlern gerade jetzt so viele Chancen und Bühnen zu geben wie nur möglich, ist löblich und wichtig; die Klavierabend-Reihe „Talente entdecken“ als Gemeinschaftsprojekt von ProArte und Steinway ging nun mit einem kurzen, aber erkenntnisintensiven Recital des Amerikaners Eric Lu in die nächste Runde, bei dem sich auch zeigte, wie hundsgemein schwer Klavier spielen nun mal wird, wenn es ums Spielen geht, um das Wagenwollen und Scheiternkönnen, und nicht nur ums bloße Notenabliefern.

Vor rund 135 erlaubten, doch nicht komplett besetzten Plätzen im Kleinen Saal der Elbphilharmonie wagte – dieses Verb muss wohl leider sein – Lu sich an Mozarts B-Dur-Sonate KV 333 und Schuberts A-Dur-Sonate D 959. Warum, blieb über weite Strecken eher unklar. Denn Lu nutzte seine unüberhörbar großen pianistischen Talente kaum dazu, um spielerisch in diese Musik vorzudringen, sie zuerst für sich und dann dem Publikum zu öffnen. Er bewältigte vor allem, was da war.

Der Abend erklärte sich letztlich von hinten, denn erst im letzten Satz der Schubert-Sonate, dieser tiefen, episch sich aussingenden Verbeugung vor Beethovens Größe, begann Lu musikalisch-gestalterisch einzulösen, was er zuvor sechs Sätze lang versucht hatte.

Viel Schönes, aber nicht genug herzerwärmend Überzeugendes

Eine Mozart-Sonate wie KV 333 müsste locker, frech und funkelnd beginnen, im langsamen Satz in ein tiefes Loch, randvoll mit leise seufzender Melancholie, stürzen und abschließend wieder die Alles-halb-so-schlimm-Spieluhr-Fröhlichkeit anwerfen. Lu nahm und spielte all das jedoch weder an noch aus; sein Ton war zu groß, seine Gestaltung trotz nachdrücklich platzierter Rubato-Zwischenstopps zu statisch.

Ungleich größer und elementarer die Herausforderungen beim Schubert: Lu ließ zu viel eindeutiges Licht in die wundersamen, nach Verzweiflung und Trostsuche klingenden Grauzonen des Andantino-Satzes fallen. Es war viel Schönes dabei. Doch – noch? – nicht genug herzerwärmend Überzeugendes.