Aufgeblättert

Zweimal Donald Trump: Analytisch und auf dem Golfplatz

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Foto: Imago; Montage: HA

Er lebt nach eigenen Gesetzen. Zwei Bücher zeichnen das Bild eines Mannes, dessen persönlicher Erfolg für ihn über allem steht.

Hamburg. Am amtierenden US-Präsidenten ist im Jahr der Wahl erst recht kein Vorbeikommen. Einen Anlass für eine Trump-bezogene Buchveröffentlichung gibt es durch den Charakter des Nie-dagewesen-Seins dieser Präsidentschaft aber sowieso jederzeit. Eines der unterhaltsamsten hat der amerikanische Sportjournalist und Bestsellerautor Rick Reilly geschrieben. Er ist Golfer. Wie „The Donald“. Und er hat mit dem Milliardär, der auszog, Amerika und die Welt das Fürchten zu lehren, schon vor Jahrzehnten Golf gespielt. In seinem Buch „Der Mann, der nicht verlieren kann. Warum man Trump erst versteht, wenn man mit ihm golfen geht“ (Hoffmann und Campe,

18 Euro) resümiert Reilly bissig seine Erfahrungen mit Trump. Wenig überraschende und doch wieder auch sprachlos machende Hauptfeststellung: Trump bescheißt auch auf dem Golfplatz, wo er nur kann. Reillys Recherchen, in diesem Falle also Gespräche mit vielen, die auf dem Golfplatz Trumps Weg gekreuzt haben ergeben ein süffisant aufgeschriebenes Zeugnis des Aberwitzes. Das Bramarbasieren, Lügen und der Kampfmodus, in dem sich Trump immer befindet, spiegeln sich in seinem Golf-Ehrgeiz, und es fällt schwer, den Besitzer von 14 Golfplätzen für überhaupt irgendwas nur ansatzweise zu mögen. Trump lebt nach eigenen Gesetzen, und laut denen muss sein Erfolg über allem stehen. Zuvorderst: dem Anstand. Dabei ist der doch eine der Maximen des Golfsports.


Die Absurdität und gleichzeitige Logik der Person Trumps als mächtigstem Mann der Welt erschließt sich bei der Lektüre von Stephan Bierlings Buch „America First. Donald Trump im Weißen Haus“ (C.H. Beck, 16,95 Euro). In seiner flüssig geschriebenen politischen Analyse vollzieht der Regensburger Politikprofessor den Werdegang des erst spät in die Politik gekommenen Quereinsteigers nach. Samt den Auswirkungen auf Amerika und die Welt. Der fruchtbare Acker, auf den seine populistische Saat fiel, die Entstehung lebenswirklicher Parallelwelten von Demokraten hier und Republikanern da, der Wahlkampf, die Russland-Connection, der Mauerbau zu Mexiko, das Impeachment-Verfahren, Trumps Führungsstil, seine Twitter-Präsidentschaft, seine erratische Außenpolitik, die Anzettelung des Kulturkriegs: Das und manches sattsam Bekannte mehr findet sich in Bierlings Zusammenfassung der Trumpjahre.

Die kluge Analyse endet in der Gegenwart mit Trumps katastrophalem Corona-Management, und dass jene Analyse die Sichtweise des auf Vernunft gebauten althergebrachten seriösen, transatlantischen, demokratischen Standpunkts formuliert, zeigt sich auf jeder Seite, aber auch allein schon in der Überschrift zum Vorwort. „Ein Brandstifter als Präsident“ lautet diese. Die Trump-Heimsuchung ist am Ende, unnötig zu sagen, natürlich alles andere als lustig.

( tha )