Thalia Theater

„Wir sind alle total dankbar, dass es weitergehen kann“

Lisa Hagmeister ist seit der Spielzeit 2006/2007 festes Ensemblemitglied des  Thalia Theaters

Lisa Hagmeister ist seit der Spielzeit 2006/2007 festes Ensemblemitglied des Thalia Theaters

Foto: dpa / Picture-Alliance

Lisa Hagmeister über die anstehende Thalia-Premiere des „Ode an die Freiheit“-Triptychons in der Regie von Antú Romero Nunes.

Hamburg.  Ende März hätte eigentlich das Triptychon „Ode an die Freiheit“ nach Friedrich Schiller in der Regie von Antú Romero Nunes Premiere am Thalia Theater gefeiert. Corona kam dazwischen. Nun wird das Ereignis am 30. August nachgeholt. Mit dabei: Ensemble-Mitglied Lisa Hagmeister.

Nachdem die Premiere von „Ode an die Freiheit“ verschoben werden musste, gab es zur Überbrückung drei aparte Kunstfilme. Unterscheidet sich die Bühnenfassung nun stark davon?

Lisa Hagmeister Ja, schon. In der Kamerasituation standen wir allein auf der Bühne. Dadurch war es fragmenthaft. Wir mussten fast alles als Monolog sprechen. Die Fassung ist jetzt ein bisschen eine andere. Das Ende haben wir auch noch einmal neu erfunden.

Haben Sie an die Arbeit vom Frühjahr anknüpfen können? Wie laufen die Proben nun ab?

Vor den Ferien war alles noch angstvoller. Wir hatten nur Tischproben und saßen weit auseinander im Raum verteilt. Auf der Bühne gibt es jetzt klare Wege. Auch der Austausch in den Pausen ist sehr geordnet und begrenzt. Das Wilde, Ungebremste, die soziale Gruppe, die man normalerweise ist, ist gerade eben leider nicht möglich. Der Rock ’n’ Roll hat ein bisschen gelitten.

Es wird ja derzeit viel über Freiheit und ihre Einschränkung gesprochen und teilweise gestritten. Was erzählt dieser Theaterabend darüber?

Schiller hat einfach tolle Geschichten geschrieben, aus denen wir mit Antú Romero Nunes etwas Eigenständiges geschaffen haben. Wir haben uns schon beim Lesen jeder wild die anderen Figuren des Stücks gegriffen und uns den Stoff zu Eigen gemacht. Schiller ist ja der Apostel der Freiheit, eines Glücksversprechens, bei dem er immer das Gefühl hatte, er könne das nicht erreichen. „Kabale und Liebe“ erzählt davon, Liebe ohne Grenzen leben zu können. Bei uns geht es weniger um eine Grenze durch den Stand, als durch die Eltern, die ihre Zustimmung verweigern.

Darüber drehen alle durch. Bei „Maria Stuart“ ist es so, dass die Königinnen Maria Stuart und Elisabeth nur frei sein können, wenn die jeweils andere nicht da ist, weil sie sonst in ihrem Herrschaftsanspruch bedroht ist. Bei „Wilhelm Tell“ ist der Naturmensch durch die Zivilisation in seiner Freiheit beschränkt. Natürlich haben wir jetzt eine aktuelle Situation auf der Welt, in der wir eigentlich freiwillig auf Freiheit verzichten, damit eventuell doch ein größeres Unheil vermieden werden kann.

Sie spielen die Luise Miller im Teil „Kabale und Liebe“ des Triptychons. Wie erlangt sie persönliche Freiheit in Ihrer Lesart?

Alle zusammen begeben sich auf eine Fantasiereise. Luise steigert sich so in ihren Wunsch und ihre Liebesutopie
hinein, dass sie sich radikalisiert und bis zum Äußersten geht, um der Familie zu entkommen und frei zu sein.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den Herbst und den Spielzeitstart?

Es gibt zwar keinen Raum, sich zu treffen, gemeinsam zu warten, Text zu lernen. Man ist doch sehr vereinzelt. Aber wir sind alle total dankbar, dass es weitergehen kann.

„Ode an die Freiheit“, Premiere So 30.8., 17.00, Thalia Theater,Karten: T. 32 81 44 44