Fernsehen

Dreharbeiten: Hamburg geht in Serie – das wird Folgen haben

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Behrens
Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung, und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) freuen sich über neue Dreharbeiten in Hamburg.

Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung, und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) freuen sich über neue Dreharbeiten in Hamburg.

Foto: Andreas Laible

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein verabschiedete die finanzielle Unterstützung. Gesucht wird noch nach einem Studio.

Hamburg. Der Norden holt auf. Lange Zeit konnten Hamburg und Schleswig-Holstein nur hinterhersehen, wenn in anderen Bundesländern die zurzeit beliebten Serien für Streaming-Portale und Sender gedreht wurden. Das wird jetzt anders. In der vergangenen Woche verabschiedete die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) erstmals die finanzielle Unterstützung von Serien. Unterstützt werden zwei Projekte in der Produktion und vier in der Entwicklung. Und man kann jetzt schon sagen: Das wird Folgen haben – in vielerlei Hinsicht.

Die beiden größten Projekte drehen sich um einen spektakulären Kriminalfall und um ein deutsch-dänisches Familiendrama. „Gefesselt“ lautet der Arbeitstitel der Serie, die in den 1980er- und 90er-Jahren in Hamburg spielt. Damals hatte ein als Biedermann auftretender Kürschner mehrere Frauen gekidnappt, gefangengehalten, sadistisch gequält und ermordet. Anschließend zerstückelte er ihre Leichen und löste sie in mit Salzsäure gefüllten Fässern auf. Die Serie erzählt von einer Opferbetreuerin, die dem Mörder auf die Spur kommt. Zunächst will ihr niemand glauben. Hannu Salonen führt in den sechs Folgen Regie. Die Hauptrollen sind prominent besetzt, die Namen der Schauspieler dürfen leider noch nicht genannt werden.

Neue Serie mit Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler

Diese Serie wird ebenso mit 350.000 Euro gefördert wie auch die Letterbox-Produktion „Tod von Freunden“. Sie erzählt von zwei befreundeten deutsch-dänischen Familien, die durch den Tod des 16 Jahre alten Sohnes einer der Familien bei einem Segeltörn auf eine harte Probe gestellt werden. Regie bei den sieben Folgen führt der Hamburger Regisseur Friedemann Fromm, der auch das Drehbuch mitgeschrieben hat. In den Hauptrollen werden Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler zu sehen sein.

„Das war ein guter Anfang“, sagt FFHSH-Chef Helge Albers. „Es gab viel Interesse von Seiten der Produzenten. Wir können unseren Standort jetzt auch anders zeigen. Darüber bin ich glücklich.“ Es werde aber wohl noch mindestens ein Jahr dauern, bevor man fertige Ergebnisse sehen könne.

Paketpostamt am Kaltenkircher Platz als Studio im Gespräch

Gefördert wurden ausschließlich sogenannte High-End-Serien, also solche, die sich in Erzähltechnik und Ästhetik an Kinoproduktionen orientieren. Solche Serien haben besonders viele Drehtage und brauchen damit auch ein Studio, das länger verfügbar ist. „Da können wir am Standort zurzeit noch kein adäquates Angebot machen“, bedauert Albers.

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Deshalb sieht sich die FFHSH gerade nach einem geeigneten Gebäude um. „Es gilt viele Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wir sind aber erst in der Anfangsphase.“ Eine Immobilie, die in diesem Zusammenhang in den vergangenen Tagen im Gespräch war, ist das Paketpostamt am Kaltenkircher Platz. Albers sagt dazu: „Wir überlegen, ob dieses Objekt überhaupt in Frage käme. Das ginge eh nur im Einklang mit anderen kreativwirtschaftlichen Projekten.“

Fatih Akin würde „Marlene“ gern in Hamburg drehen

Fatih Akin und sein Serienprojekt „Marlene“ kommen nach Rücksprache mit seiner Produktionsfirma für das Paketpostamt zurzeit nicht infrage. Der mehrteilige Film über die Dietrich ist wie seine Titelfigur: ein bisschen kompliziert. Der Hamburger Regisseur und Autor würde zwar gern zumindest einen Teil des Geschehens, wie schon in seinen vorherigen Filmen, gern in der Hansestadt drehen. Aber die Finanzierung für „Marlene“ ist noch nicht abgeschlossen. Außerdem arbeitet er parallel auch noch an anderen Projekten.

Vier weitere Projekte bekommen Entwicklungs- bzw. Drehbuchförderung. Das Projekt „Schneekönig“ erhält 40.000 Euro und erzählt vom Hamburger Drogenbaron Ronald „Blacky“ Mehling. Autoren sind Katja Eichinger und Stephan Wagner, der auch Regie führen soll. Die gleiche Summe geht an „Zwei Minuten“. Darin geht es um blitzartige Raubüberfälle, die junge Räuber im Auftrag einer geheimnisvollen Organisation ausüben. Autor und Regisseur ist Florian Dietrich.

Auch eine Kinderserie ist in Planung

„Die beste Welt“ von der Hamburger Produktionsfirma Riva Film erzählt von zwei Kerlen, die ihren Restaurant-Club zu weit mehr als zum besten Laden in der Stadt machen wollen. Regie soll Sebastian Ludwig führen. Und auch an die Kinder hat man gedacht. Zwischen sechs und zwölf Jahren alt ist die Zielgruppe für „Johnny Sinclair: Geisterjäger“. Es geht um Gespenster und die, die ihnen auf der Spur sind. Nikolaus von Uthmann schreibt die Bücher nach den Erfolgsromanen von Sabine Städing.