Trauer

Der bedeutendste deutsche Silberschmied seiner Generation

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Lutz Wendler
Der Silberschmied Wilfried Moll hat noch eine aktuelle Ausstellung in Flensburg.

Der Silberschmied Wilfried Moll hat noch eine aktuelle Ausstellung in Flensburg.

Foto: Andreas Laible

Der Hamburger Künstler Wilfried Moll ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine Arbeiten finden sich auch im New Yorker MoMA.

Hamburg.  Im Februar feierte er seinen 80. Geburtstag, doch an Alter und Abschluss konnte man bei einem so vitalen, anregenden und geistig beweglichen Mann wie dem Silberschmied Wilfried Moll nicht denken, zumal er immer noch produktiv und experimentierfreudig war und stets neue Werke schuf, die jedes für sich zeitlos erscheinen. Umso größer ist das Erschrecken, von seinem unerwarteten Tod zu hören. Wilfried Moll ist am 9. Juni in Lübeck gestorben.

Der Hamburger, der zuletzt überwiegend in Travemünde gelebt und gearbeitet hatte, war der bedeutendste deutsche Silberschmied seiner Generation, ausgezeichnet unter anderem mit dem Justus-Brinckmann-Preis, dem des Landes Bayern und dem Karl Gustav Hansen Preis des Museums Koldinghus – insbesondere letztere Auszeichnung im Silberschmiede-Land Dänemark steht für den internationalen Rang Molls. Mit seinen Arbeiten ist er in allen wichtigen deutschen Museen für angewandte Kunst vertreten und darüber hinaus in internationalen Häusern wie dem Victoria & Albert Museum in London sowie dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York.

Wilfried Moll, Sohn eines in Hamburg lebenden Dänen, war ein angewandter Künstler, der unterschiedliche Temperamente in seinen Arbeiten vereinte. Ausgebildet in Hamburg und Kopenhagen durchlief er an der Akademie in Nürnberg die für Formstrenge und perfekte Verarbeitung bekannte harte Ausbildung als Meisterschüler von An­dreas Moritz, dessen Ideal Vollkommenheit war. Diesen sehr deutschen Perfektionsanspruch empfand Moll schon damals als unmenschlich: „Dänemark hat mich vermutlich dagegen imprägniert.“ Er hielt es lieber mit Karl Gustav Hansen, der ihm sagte: „Mach es so gut, wie es dir möglich ist. Das ist schon schwierig genug.“

Wilfried Moll hinterlässt ein großes Werk

Wilfried Moll hinterlässt ein unübersehbar großes Werk. Er hat in allen drei Disziplinen seines Handwerks Stücke von höchster Qualität gefertigt: Korpussilber wie etwa Teekannen, aber auch sakrales Gerät, mit Hämmern, Formholz und Eisen aufgezogen oder durch Löten montiert; anspruchsvolle Flachsilberarbeiten wie große geschmiedete Ta­bletts oder Teller; und die drei von ihm für die serielle Fertigung in der Silbermanufaktur Robbe & Berking entworfenen Besteckserien Alta, Riva und Sphinx.

Kurz vor seinem Tod hat er noch gemeinsam mit seiner Frau, der Goldschmiedin Gerda Moll, für die Ausstellung „Kunst schaffen“ in der Robbe & Berking Werft in Flensburg (bis Sonntag, 21.6., 11–18 Uhr, Eintritt frei) eine exponierte voluminöse Vitrine bestückt. Werke von ihm liegen dort großzügig hinter Glas auf einer Tischplatte, die auf einem historischen Rettungsboot ruht. Fast schon ein Sinnbild dafür, dass seine Arbeiten über die geliebte Ostsee in die Welt hinausgetragen und noch lange von den handwerklichen Fertigkeiten, dem gestalterischen Genius und nicht zuletzt von den humanistischen Idealen ihres Schöpfers erzählen werden.