Corona-Folgen für Kultur

Nach drei Monaten Shutdown: Endlich wieder Schmidt!

| Lesedauer: 5 Minuten
Vera Fengler
Voll motiviert (v. l.): Martin Lingnau, David Harrington, Corny Littmann, Carolin Fortenbacher, Nik Breidenbach und Tessa Aust vor dem Schmidts Tivoli auf dem Spielbudenplatz.

Voll motiviert (v. l.): Martin Lingnau, David Harrington, Corny Littmann, Carolin Fortenbacher, Nik Breidenbach und Tessa Aust vor dem Schmidts Tivoli auf dem Spielbudenplatz.

Foto: Morris Mac Matzen / Tivoli

Als erste Hamburger Bühne eröffnet das Tivoli auf dem Spielbudenplatz mit der Comedy-Show „Paradiso“. Premiere am 2. Juli.

Hamburg.  „Spannender als dein Hemd am Bauch“, „Abgefahrener als dein Karrierezug“ oder, auch schön: „Taktloser als dein Discofox“. Ab Juli wird’s wieder etwas bunter, schräger und, ja, auch etwas schamloser auf dem Kiez. Denn das Schmidt ist wieder da! Als erste Hamburger Bühne. Corny Littmann war deutlich anzusehen, wie sehr er sich darüber freut, dass das Theater nach drei Monaten Shutdown wieder losgeht. Allerdings ganz anders als sonst natürlich. „Wir wären nicht das Schmidt, wenn wir nicht aus der Not eine kreative Tugend machen würden.“

Gekleidet in ein Caprihemd, die Füße ungeduldig wippend, erzählte er den Journalisten im Schmidt Theater von einer „in Deutschland einmaligen Großinstallation“: Am 2. Juli wird „Paradiso“, die Show-Oase im Saal des Tivoli, Premiere feiern. „Die Zuschauer werden von kleinen Inseln aus das Geschehen auf der Bühne verfolgen, die von wechselnden Künstlerinnen und Künstlern bespielt wird“, so der Schmidt-Chef, der als Conférencier höchstpersönlich durch den 75-minütigen Show-Mix aus Gesang, Comedy, Magie und Artistik führen wird – ohne Pause. „,Paradiso‘ ist eigens für diese besondere Zeit konzipiert und wird auch nur so lange laufen, bis die coronabedingten Beschränkungen bestehen.“

Hygiene-Plan soll Theaterbesuch ermöglichen

„Ich bin sehr froh, dass der Theaterbetrieb nun allmählich wieder anläuft und Künstler und Kollegen ihre Arbeit aufnehmen können“, sagte Geschäftsführerin Tessa Aust. Die Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln sei oberstes Gebot, ebenso der Schutz der Mitarbeiter auf und hinter der Bühne. Zusammen mit Fachleuten hat das Team einen Plan erarbeitet, der den Theaterbesuch ermöglichen, dabei aber so dezent wie möglich darin integriert werden soll. „Die Besucher werden in zwei Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten ins Theater gelassen und individuell platziert“, so Aust. Die Belüftungsanlage garantiere, dass die Luft während eines Abends einmal komplett ausgetauscht werden kann. Alle Kollegen würden vor der Premiere auf Covid-19 getestet. Statt der sonst 630 Besucher haben aktuell nur 255 Gäste Platz.

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Aber leere Saalreihen? Undenkbar! Darum wurde der Saal komplett umgebaut, freie Sitzplätze mit allerlei Grünzeug und Dekoartikeln wie etwa einem Orchideentopf mit eingebauter LED-Leuchte aufgefüllt. Dafür ist Corny Littmann durch diverse Sonderpostengeschäfte in Norddeutschland getingelt. Einen besonderen Gartenzwerg habe er dabei auch gefunden; und das, obwohl derlei kleinbürgerliche Accessoires eigentlich ein absolutes No-Go im Schmidt’schen Bühnenimperium sind. Er verspricht: „Sie werden das Tivoli nicht wiedererkennen!“

Mit Neugierde und Spaß durch die Corona-Krise

Aber im Moment ist ja sowieso alles etwas anders. Und schließlich lautete das Motivationsmantra: „Bloß nicht in Depressionen verfallen, vielmehr mit Neugierde und Spaß an der Sache durch eine schwere, sehr unschöne Zeit gehen“, so Hauskomponist Martin Lingnau. Für die Gäste beginnt der Spaß übrigens schon beim Einlass: Bevor es auf der Bühne losgeht, wird Henning Mehrtens als vorlauter Paradiesvogel zur Musik vom Pianisten David Harrington unterhalten. Getränke und Snacks werden wie gewohnt am Tisch serviert. Die Eintrittspreise sind mit rund 27 Euro an Wochentagen und 35 Euro an Wochenenden etwas günstiger als die regulären Tickets. Der Vorverkauf startet heute.

Das „Paradiso“-Programm soll alle vier Wochen wechseln. Die ersten Shows im Juli bestreiten Carolin Fortenbacher und Nik Breidenbach (beide bekannt aus der Schmidt-Produktion „Oh Alpenglühhn!“) sowie die Berliner Zauberkünstler Siegfried & Joy und die Artistin Sina Brunner. Und auch an den anderen Produktionen wird schon fleißig weitergearbeitet. So soll alsbald möglich die Fortsetzung „Die Königs schenken nach“ und eine Weihnachtsversion der „Heißen Ecke“ zur Aufführung kommen.

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Ob die Pandemie die Schmidt-Theater sehr hart getroffen habe? „Wir hatten doppelt Glück im Unglück“, antwortet Corny Littmann. „2019 war mit 450.000 Besuchern das bislang erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Schmidt-Theater. Außerdem können wir uns auf die Unterstützung eines sehr engagierten und durchsetzungsstarken Kultur­senators freuen.“ Carsten Brosda habe deutlich gemacht, dass die Theater wichtig für die Stadt sind. Damit Kultur wieder mehr Fahrt aufnimmt, müsse man nicht den notwendigen Stillstand, sondern innovative Projekte finanzieren. So wie eben das „Paradiso“.

„Paradiso“ – Die Show-Oase im Schmidts Tivoli Spielbudenplatz 27–28, Premiere am 2.7. um 20.00, weitere Vorstellungen ab 3.7., Di–So 20.00, Karten ab 27,30