Hamburg

Corona-Krise: Jetzt hilft die Kultur den Pflegekräften

Johannes Oerding macht mit bei „Einer kommt, ...“ in der Elbphilharmonie und spielt für 2500 Pflegekräfte in Ausbildung.

Johannes Oerding macht mit bei „Einer kommt, ...“ in der Elbphilharmonie und spielt für 2500 Pflegekräfte in Ausbildung.

Foto: Michael Rauhe

Für die Benefiz-Streaming-Gala „Einer kommt, alle machen mit“ singen und lesen Hamburger Persönlichkeiten in der leeren Elbphilharmonie.

Hamburg.  Als Anna Depenbusch vor zwei Jahren ihr Debüt in der Elbphilharmonie gab, spielte die Hamburger Sängerin vor vollen Rängen. Jetzt sitzt sie wieder am Klavier, aber die Sitzreihen sind leer bei der Aufzeichnung der Benefiz­gala „Einer kommt, alle machen mit“, die in der nächsten Woche als Stream im Internet zu erleben ist.

Im Frühjahr hatte das fiktive Festival „Keiner kommt, alle machen mit“ von MenscHHamburg e.V. 444.444 Euro für die Unterstützung der Hamburger Musik- und Kulturszene gesammelt. Die Anschluss-Initiative „Einer kommt“ hingegen widmet sich den 2500 Hamburger Pflegekräften in Ausbildung.

Festival-Ticket für den Stream kostet 25 Euro

Unterstützer können sich für 25 Euro ein Ticket für den Gala-Stream kaufen, in Zusammenarbeit mit RockCity Hamburg e.V. und der Clubstiftung wird die Online-Karte in Veranstaltungsgutscheine für Pflegende umgewandelt: „Die Kultur leidet wie kaum eine andere Branche unter der Krise, gleichzeitig bekommen Krankenpflegende und Helfende im medizinischen Bereich noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die sie zweifelsohne verdienen. Durch die Show möchten wir nun beide miteinander verbinden und allen ein buntes Dankeschön senden, das lange nachhallt. Ganz nach dem Motto ,Klatschen allein genügt nicht‘ gebührt den Heldinnen und Helden der Krise mehr Aufmerksamkeit und das auch über die Krise hinaus“, so die Organisatoren der Benefiz-Show.

Und im Gegensatz zur ersten Aktion treten die Künstlerinnen und Künstler aus Musik, Literatur und Unterhaltung dieses Mal wirklich auf: Johannes Oerding, Stefan Gwildis, Kirsten Boie, Simone Buchholz, Bosse, Salut Salon, Bernd Begemann, Peter Lohmeyer, Tonband­gerät, Enno Bunger, Rolf Zuckowski und viele weitere kommen zwei Tage lang nacheinander in die Elbphilharmonie, um unter Corona-Auflagen ihre Songs und Beiträge aufzeichnen zu lassen. Moderieren werden Christina Rann und Tobias Schlegl.

Infos und Tickets:

  • Karten für 25 Euro (gilt als Spende), um den Stream der Gala-Show bereits am 16. Juni zu sehen, sind auf www.einerkommt.de erhältlich.
  • Der Stream läuft am 18.6., 20.22 Uhr u. a. auf abendblatt.de
  • Im Autokino Steinwerder läuft die Solidaritätsshow am 18.6. um 19 Uhr, Tickets 15 Euro

Reinhold Beckmann gehört ebenfalls zum Staraufgebot

Viele der Teilnehmenden stehen nach langen Wochen wieder auf einer Bühne, aber „eine echte Bühne hat für mich noch keinen großen Zauber, auch wenn es sich bei der Elbphilharmonie um die schönste Bühne der Welt handelt. Das Publikum, das klatscht, mitsingt und dabei ist, macht die Magie – aber auf das muss ich mich leider noch etwas gedulden. Dann wird es aber so richtig schön“, erzählt Anna Depenbusch vor ihrem Set.

Aber auch vor leerem Haus möchte sie ihre ausgesuchten „Mutmach-Lieder“ unbedingt spielen, in ihrem Umfeld sind Menschen auf Pflege angewiesen, und „der Ernst der Lage – auch über Corona hinaus – und das optimistische Signal, das diese bunte Aktion setzt“, bewogen sie zum Mitmachen.

„Irgendwie liegt in der Elbphilharmonie ja immer ein bisschen Applaus in der Luft“, findet Reinhold Beckmann, der ebenfalls zum Staraufgebot gehört. „Es kann ja nicht sein, dass der Pflegenotstand bei uns in Deutschland Normalzustand ist. Die Menschen in Pflegeberufen brauchen mehr als Applaus und ein Ständchen. Es muss sich politisch endlich etwas bewegen. Das Thema braucht mehr Öffentlichkeit, erst recht auch nach der Corona-Krise“, fordert der TV-Moderator und Sänger, dessen Mutter vor einigen Monaten im Alter von 98 Jahren gestorben ist: „Sie war viele Jahre auf Pflege angewiesen. Unsere Pflegekraft Czeslawa hat in all den Jahren Unglaubliches geleistet. Ich empfinde noch immer große Dankbarkeit dafür.“

Ingo Pohlmann ist auch dabei

Ingo Pohlmann wird sich ebenfalls engagieren. Die Freundin des Sängers arbeitet mit und für Demenzkranke, „viele Pflegende arbeiten schlecht bezahlt und leisten Überstunden, weil sie ein Herz haben. Da muss noch viel geschehen“, schreibt Pohlmann, „ich bin selbst gerade eigentlich ein Pflegefall durch einen Hörsturz, aber ich arbeite mich nach oben.“

Käufer eines Tickets können den Stream bereits am 16. Juni verfolgen, am 18. Juni (20.22 Uhr) ist die Show zudem kostenlos auch auf www.abendblatt.de zu sehen. Auf startnext.com/einerkommt werden ebenfalls Spenden gegen schöne Gegenleistungen von den Gala-Gästen gesammelt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem St.-Pauli-Rundgang für bis zu acht Personen mit Anna Depenbusch gegen eine Spende von 100 Euro? Eine kommt, alle gehen mit.