Hamburg

Diese Stars kommen zum Harbour Front Literaturfestival

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Herta Müller (l.), Sebastian Fitzek und Campino gehören zu den prominenten Gästen des Harbour Front Literaturfestivals.

Herta Müller (l.), Sebastian Fitzek und Campino gehören zu den prominenten Gästen des Harbour Front Literaturfestivals.

Foto: picture alliance/Montage: HA

Probleme bereiten den Veranstaltern aber die Corona-Pandemie und Zuwendungskürzungen durch den Hauptsponsor.

Hamburg. Herta Müller, Saša Stanišić, Colum McCann, Joachim Meyerhoff, Sebastian Fitzek, Campino: Das sind lediglich ein paar Namen, mit denen das Harbour Front Literaturfestival im September und Oktober aufwartet. Auch wenn Hamburgs großes internationales Literaturfest nach der Zuwendungskürzung von Hauptsponsor Klaus-Michael Kühne programmmäßig abgespeckt hat, kann sich seine Veranstaltungsliste immer noch sehen lassen. Das Programm des zwölften Harbour Front Festivals, es läuft vom 9. September bis 18. Oktober, wurde jetzt veröffentlicht. Der Vorverkauf läuft ab sofort.

Und wird, es sind immer noch corona-gestörte Zeiten der Unsicherheit, eine flexible Angelegenheit: Es wird keinen regulären Kartenvorverkauf geben und stattdessen die Möglichkeit, Tickets kostenfrei zu reservieren. Erst wenn feststeht, dass die jeweilige Veranstaltung tatsächlich stattfindet, müssen die Tickets bezahlt werden. Laut aktuellem Stand sollen aufgrund der Abstandsregeln alle Veranstaltungsräume von der Kapazität her nur zu einem Viertel besetzt werden.

Die Veranstalter setzen vor allem auf bekannte Autoren

Dass die Festivalmacher Petra Bamberger, Nikolaus Hansen und Heinz Lehmann nun vor allem auf bekannte Autorinnen und Autoren setzen, um das zur Verfügung stehende Kontingent bestmöglich zu verkaufen, ist einerseits schade. Andererseits ist im Programm viel verbürgte Qualität anzutreffen. Allen voran ist da die ausländische Prominenz zu nennen. Colum McCann (9.9., auf der „Cap San Diego“) hat seinen neuen Roman „Apeirogon“ im Gepäck, dazu kommen auf dem Veranstaltungsplan Autoren wie etwa der Pole Szczepan Twardoch (17.9., „Cap San Diego“) oder der Amerikaner Nana Kwame Adjei-Brenyah (19.9., „Cap San Diego“).

Auch deutschsprachige Autoren mit Rang und Namen sind vertreten: So stellen etwa Bov Bjerg (in St. Katharinen, 17.9.) mit „Serpentinen“ und Leif Randt (im Uebel & Gefährlich, 20.9.) mit „Allegro Pastell“ zu Recht hochgelobte Romane vor. Aus dem Frühjahr wohlgemerkt; wie andere Literaturveranstalter auch bemüht sich das Festival, den in den vergangenen Monaten pandemiegeplagten Autoren eine verspätete Bühne zu geben. Robert Seethaler (27.9., St. Pauli Theater) und Olga Grjasnowa (18.9., „Cap San Diego“) lesen dagegen aus ganz neuen Büchern.

Es wird auch Entdeckungen geben

Aber ganz ohne Entdeckungen muss man als neugierige Leserin oder neugieriger Leser nicht auskommen. Auch diesmal wird der Klaus-Michael-Kühne-Preis für das beste deutschsprachige Debüt vergeben. Auf vier Debütantensalons im Nochtspeicher stellen sich acht Autorinnen und Autoren vor, unter ihnen auch die Hamburger Sebastian Stuertz und Janna Steenfatt.

Ebenfalls wie gehabt im Programm ist die Verleihung des „Tüddelbands“ an einen Kinder- und Jugendbuchautor, wie überhaupt die Kinder- und Jugendliteratur auch mit anderen Veranstaltungen zu ihrem Recht kommt. Die Sektion Krimi gibt es ebenfalls noch, allerdings in kleinerer Form: Sebastian Fitzek kommt mit seiner „Soundtrack-Leseshow“ (14.9.) in die Elbphilharmonie, außerdem lesen Jean-Luc Bannalec (alias Jörg Bong), auch er in der Elbphilharmonie (21.9.), und Ferdinand von Schirach (12.9.) am selben Ort.

Neu ist die Reihe „Harbour Front Sounds“

Eröffnet wird das Harbour Front Festival am 9. September in der Elbphilharmonie übrigens mit Friedenspreisträger Navid Kermani. Herz dieses Festivals ist jedoch das erstmals durchgeführte „Harbour Front Sounds“, eine Kooperation mit dem großen Konzerthaus an der Elbe: In der Elbphilharmonie finden auch alle Veranstaltungen dieser Reihe statt, etwa die mit Saša Stanišić, Elise Schmit, Nora Wagner und dem Jazz-Vibrafonisten Pascal Schumacher (12.9.).

Die Maxime „Schriftsteller treffen auf Musiker“ dürfte als die Künste verbindende Neuerung reizvoll sein und ist auch über „Harbour Front Sounds“ hinaus eine Leitidee des Festivals. Was etwa die Veranstaltung am 18. Oktober in der Elbphilharmonie zeigt, in der Tote-Hosen-Chef Campino seinen englischen Wurzeln mit allerlei Fußball- und Musikbezügen auf den Grund geht. Auch Publikumsmagnet Joachim Meyerhoff kommt ins Konzerthaus (18.10.), Nobelpreisträgerin Herta Müller liest dagegen in St. Katharinen (10.9.), sie teilt sich die Bühne mit der rumänischen Sängerin Ada Milea.

Bürgermeister und Senat über den Corona-Stand in Hamburg:

Bürgermeister und Senat über den Corona-Stand in Hamburg

Festivalstammgast Uwe Timm darf verdientermaßen seinen 80. Geburtstag in Hamburg in der Freien Akademie der Künste (16.9.) nachfeiern. Es wird einen Jörg-Fauser-Abend mit Charlie Hübner und Lina Beckmann geben (1.10., Schauspielhaus) und insgesamt aber deutlich weniger Retro-Literatur. Die letztjährige Nostalgie-Ausgabe mit vielen verstorbenen Autoren gewidmeten Abenden wiederholt sich 2020 also nicht. Was zudem auffällt: Sachbuch-Veranstaltungen gibt es fast gar nicht.

Festival steht in diesem Jahr auf schwankendem Grund

Auch in diesem Bereich wurde Budget-bedingt der Umfang zurückgefahren. Andererseits dürften die Buch-Neuveröffentlichungen im Herbst ohnehin vor allem Corona gewidmet sein; was auch anstrengend hätte sein können im Hinblick auf abendfüllende Veranstaltungen. So sind es nun Kultursenator Carsten Brosda und Publizist Roger de Weck, die beinah allein für das Außerbelletristische stehen: Sie sprechen am 18.9. in der KLU über die Kraft und die Kunst der Demokratie.

Insgesamt steht das Festival in diesem Jahr auf schwankendem Grund. Die Corona-Folgen, also weniger Ticketeinnahmen, sollen deswegen durch eine zusätzliche Finanzspritze aus der Kulturbehörde kompensiert werden. Allerdings sollen gleichzeitig dem Vernehmen nach und im Hinblick auf die großen Planungsunsicherheiten – Veranstaltungsausfälle infolge einer zweiten Infektionswelle oder aufgrund von Reiseproblemen ausländischer Künstler – die treuesten privaten Förderer des Festivals überlegen, bereits zugesagte Förderungen für dieses Jahr zurückzuziehen.

Es war ganz sicher schon einmal leichter, ein Literaturfestival zu veranstalten.

Alle Informationen zum 12. Harbour Front Festival und Karten im Internet unter www.harbourfront-hamburg.com