Aufgeblättert

Basta! Diese beiden Krimis haben Italien-Flair

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Frankreich ist als Ort für Kriminalgeschichten deutscher Autorinnen und Autoren bereits populär. Auch Italien kann spannend sein.

Hamburg. Frankreich als Ort für Kriminalgeschichten deutscher Autorinnen und Autoren ist ja seit Längerem außerordentlich populär. Dafür stehen etwa Sophie Bonnet, Benjamin Cors, Alexander Oetker, Cay Rademacher und nicht zuletzt natürlich Jean-Luc Bannalec mit seinen Bretagne-Krimis. Italien hingegen gilt es kriminalliterarisch noch ein wenig zu entdecken. Andrea Di Stefano hat sich jetzt daran gemacht und mit „Tutto Bene“ (Scherz, 287 Seiten, 14,99 Euro) seinen ersten Lago-Maggiore-Krimi veröffentlicht. Nun ist Di Stefano nicht nur ein Autor, sondern es sind gleich zwei und zudem ist der Name ein Pseudonym. Dahinter verbergen sich die Brüder Andreas und Stephan Lebert, beide renommierte Journalisten etwa für „Der Spiegel“, „Brigitte“ und „Die Zeit“. Pseudonyme sind für das Duo Autorenalltag: Als Max Landorff haben sie bereits Thriller geschrieben, als Anna Friedrich eine Taschenbuchserie. Dass es jetzt der Lago Maggiore als Tatort geworden ist, ist kein Zufall: Dort verbringen die Autoren seit Jahren ein Teil ihrer Freizeit.

In „Tutto Bene“ erzählen sie die Geschichte des Münchner Polizisten Lukas Albano Geier, der sich – überdrüssig des an den Kräften zehrenden Alltags – gen Süden abgesetzt und am Lago Maggiore niedergelassen hat, in einem alten Turm hoch über dem See. Dort lebt es sich kommod, Geier kann seiner großen Leidenschaft, der Musik, nachgehen und landet sogar einen Hit, „Tutto Bene“, das allerdings ist einige Jahre her. Dramatisch wird es für Geier, als in einem noch nicht eröffneten Hotel die Leiche einer Frau gefunden wird. Auf ihrem Arm steht eine Mobilnummer geschrieben: Es ist die von Lukas Albano Geier. Die Tote scheint er nicht zu kennen, doch so sehr er sich auch dagegen wehrt: Er hängt in dem Fall drin – und schaltet widerwillig auf Ermittlermodus um. Was hat der Mord mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun, die bislang niemand in seiner neuen Heimat kennt? Die Brüder Lebert setzen vor allem auf das Atmosphärische des südlichen Lebens, sie sind ganz nah bei ihrer Hauptfigur, ihren alten, ihren neuen Sorgen, ihren Lieben. „Tutto Bene“ ist eine bedächtig erzählte Kriminalgeschichte mit dezent gesetzten Spannungselementen, der ein wenig mehr Tempo nicht geschadet hätte. Fortsetzung folgt? Aber gewiss.

Ein anderes italienisches Urlaubsziel hat sich der Autor Luca Ventura (natürlich ein Pseudonym! Natürlich ein Deutscher!) ausgeschaut: Capri, ein deutscher Sehnsuchtsort spätestens seit Rudi Schurickes 40er-Jahre-Schlager „Capri-Fischer“. „Mitten im August“ (Diogenes, 325 Seiten, 16 Euro) erzählt vom Leben des jungen Inselpolizisten Enrico Rizzi, dessen Alltag nicht die großen Kriminalfälle, sondern bescheidene Diebstahldelikte bestimmen. Da bleibt viel Zeit, um im Gemüsegarten seines Vaters mit Hand anzulegen und die Aussicht über den Golf von Neapel zu genießen.

Mit dem beschaulichen Leben ist es erst einmal vorbei, als im Spätsommer ein Toter in einem Ruderboot an die Küste Capris getrieben wird. Rizzi sieht sich dabei gleich zwei Problemen gegenüber: Er muss den Mordfall lösen (es ist sein erster Fall dieser Art), und er bekommt es mit einer Gesellschaft zu tun, die ihm bislang gänzlich fremd gewesen ist. Der tote Jack Milani entstammt einer schwerreichen Industriellenfamilie. Ventura erzählt seine mäßig spannende Geschichte mit hohem Wohlfühlfaktor, gut geeignet als unterhaltsame Reiselektüre. Und, wenig überraschend: Auch „Mitten im August“ ist wie „Tutto Bene“ der Start einer neuen Serie.