Neue Konzert-Saison

Ensemble Resonanz legt ambitionierten Spielplan vor

| Lesedauer: 5 Minuten
Sie wären dann jetzt soweit: Das Ensemble Resonanz in seinem Resonanzraum. Nur das Publikum fehlt noch. Und das wird dauern.

Sie wären dann jetzt soweit: Das Ensemble Resonanz in seinem Resonanzraum. Nur das Publikum fehlt noch. Und das wird dauern.

Foto: Tobias Schult

Mit dem ersten der sechs Konzept-Pakete soll die Saison im September beginnen. Gespielt werden etwa Wagner, Beethoven und Bach.

Hamburg. Ein leerer Resonanzraum, schalltot gemacht, unfreiwillig und auf noch unbestimmte Zeit. In dieser Leere reden Musikerinnen vom Ensemble Resonanz und dessen Geschäftsführer Tobias Rempe über ihre Pläne, die vor allem Wünsche sind. Für die Video-Vorschau auf die nächste Spielzeit, bei der nicht klar ist, ob, wie, wann oder mit wem sie im September beginnen darf. Pandemie-Alltag, der inzwischen ziemlich normale Wahnsinn in der Kultur.

„Wir haben wirklich Möglichkeiten, bei der Größe und beim Repertoire“, betont Rempe danach im Telefonat, „wir hoffen, dass wir Bedingungen, Formate und Programme finden können.“ Die Ausgangsvoraussetzungen zumindest sind „gut“, um gegebenenfalls die Angebots-Lücken im Hamburger Konzert-Plan ab Herbst schnell und kreativ mit Alternativen zu füllen, sollten Ensembles und Solisten von auswärts nicht kommen und große Besetzungen nicht erlaubt sein.

Ensemble Resonanz: Internationale Gastspiele gestrichen

„Der September wäre voll gewesen, da stehen wir absolut bereit.“ Im Kalender (und in der Kasse) gibt es dort Leerstellen, denn alle internationalen Gastspiele sind inzwischen gestrichen, mit handlichem Repertoire und tapferem Weitermachen selbst am Rande des Absturzes ins Nichts kennt sich dieses freie Ensemble aus. Noch habe es keine konkreten Gespräche gegeben, doch Gedanken wurden sich gemacht.

Die ersten Hamburger Resonanz-Jahre waren fies hart, die nächsten dürften es auch werden. „Bis in den Sommer kommen wir mit einem blauen Auge durch“, dank etlicher Hilfen, staatliche, kulturbehördliche, private, Kurzarbeit, und von hier, da und dort kamen sogar Ausfallhonorare für Abgesagtes. „Die zweite Jahreshälfte wird bestimmt noch mal hart“, ahnt Rempe dennoch.

Aber: Sie wird auch anspruchsvoll und vielfältig. Wie sehr das Saison-Motto „das offene schauen“, ein Verweis auf den Dichter Hölderlin, nun passt, war bei der Auswahl noch nicht abzusehen. Mit einem ambitionierten Programm, dem ersten der sechs Konzept-Pakete, soll die Spielzeit am 8. September beginnen. Prominenter Gast ist der Schauspieler Jens Harzer, die die Stimme für Hans Zenders „Hölderlin lesen I“ zuliefert, kombiniert mit Wagners Siegfried-Idyll und Beethovens Fünfter (beide personell oberhalb der gerade kritischen Masse).

Italienisch barock im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Das zweite Programm collagiert Mitte November Purcells „Dido and Aenas“ und Musik des US-Amerikaners Frederic Rzewski mit Stücken des Gitarristen Kalle Kalima. Italienisch barock wird es am 25. und 26. Januar im Kleinen Saal der Elbphilharmonie, wenn der Geiger Ilya Gringolts das Dutzend Concerti grossi von Corelli im Paket präsentiert, garniert mit Capricen für Violine solo. Im April 2021 vertont das Ensemble den Stummfilm „Orlac’s Hände“ (1924) über die Alpträume eines Pianisten mit frischer Musik von Johannes Kalitzke.

Das könnte Sie auch interessieren:

Im Mai ist die Organistin Iveta Apkalna Gast-Solistin, Poulenc und Milhaud treffen dann auf Bach und Schubert. Die größten Spannungsbogen hat das letzte Konzert, bei dem im Juni 2021 ein Stück für fünf Streicher und künstliche Intelligenz des Hamburgers Alexander Schubert im Mittelpunkt steht, umrahmt von den Barock-Größen Telemann und Bach.

Als nächstes steht Beethoven an

Dirigent des Auftakt-Programms im September wird Riccardo Minasi sein, der dem Ensemble nun noch weiter, bis 2024, als „Artist in Residence“ treu bleiben will. Nach der herausragenden Einspielung der drei letzten Mozart-Sinfonien steht als nächstes Beethoven an, zwei Spezialitäten mit Klavier: eine aus den Archiven ausgegrabene Version des 4. Klavierkonzerts und die Transkription des Violinkonzerts, mit Gianluca Cascioli als Solist. Dazu kommt das Gastspiel in der Staatsoper im Frühjahr 2021, bei Barrie Koskys Inszenierung von Händels „Agrippina“ im Graben mitwirkend.

Digitalisiere in der Zeit, dann hast du in der Not? Mit seinem Web-Portal „resonanz.digital“ hat das Kammerorchester schon vor Monaten an den Start gestellt, was jetzt als virtuelle Nebenbühne gute Verwendung findet. Dort soll es bis in den Sommer weitere Aktivitäten geben. Für Ende Mai ist eine vierstündige „united we stream“-Session geplant. Im Oktober steht eine Tour zur CD mit dem Schauspieler Charly Hübner im Programm, das „Mercy Seat“-Projekt, eine freistilige Kreuzung aus Schuberts „Winterreise“ und Songs von Nick Cave, geht also in die nächste Runde.

Resonanz-Einzelkarten ab Mitte August im Verkauf

Anders als die größeren hiesigen Klassik-Anbieter gibt das Ensemble Resonanz seine Einzelkarten nicht nach dem Prinzip „Buy now, pay later“ heraus, bei dem bis sechs Wochen vor Konzerttermin mit dem Bezahlen abgewartet werden kann, ob das jeweilige Konzert wie angesagt passiert. Mitte August erst gehen die ersten Resonanz-Einzelkarten in den Verkauf. Jeweils vier Wochen vor einem Konzert werden Verkaufs-Informationen auf der Webseite und per Newsletter veröffentlicht. Die programmatischen Weichen für Kurzfristiges wollen Rempe und sein Ensemble in den nächsten Wochen stellen, um auf die Begegnung mit dem Publikum vorbereitet zu sein. „Innerhalb der Möglichkeiten, die es gibt, wollen wir wieder spielen.“

Weitere Infos: www.ensembleresonanz.com

CD-Tipp: Ensemble Resonanz „Mozart Sinfonien Nr. 39, 40, 41“ (Harmonia Mundi, ca. 18 €)