Roman

Wendland-Krimi: Ein Toter im „Kalthaus“

| Lesedauer: 3 Minuten
Rolf Dieckmann im Garten vor seinem Haus im Wendland mit Maylo, einem Schweizer Schäferhund.

Rolf Dieckmann im Garten vor seinem Haus im Wendland mit Maylo, einem Schweizer Schäferhund.

Foto: Jan Haarmeyer

Der Hamburger Autor Rolf Dieckmann lässt seinen zweiten Fall um einen Ex-Kommissar an einem ungewöhnlichen Ort spielen.

Hamburg.  „Als ich das erste Mal eins von diesen Kühlhäusern aus den 1950er-Jahren betrat und die nummerierten Fächer und Abteile sah, in die man ein halbes Schwein oder ein erlegtes Reh hängen konnte, löste das im Kopf sogleich etwas aus“, sagt Rolf Dieckmann. Der Hamburger Autor, der seit einigen Jahren im Wendland lebt und dort nun die sogenannten Kalthäuser entdeckte, hat jetzt seinen zweiten Kriminalroman um den ehemaligen Kriminalkommissar Erik Corvin vorgelegt.

Wie Erik Corvin hat auch Rolf Dieckmann der Großstadt an der Elbe den Rücken gekehrt, um sich Kohlrabi und Kopfsalat zuzuwenden. Nachdem sein erster Wendland-Krimi „Es sind Wölfe im Wald“ aber plötzlich auf der Bestsellerliste des Börsenblattes des Deutschen Buchhandels, Sparte Independent, landete und dort fünf Monate blieb, kam die Frage des Verlegers nicht sehr überraschend: Wann kannst du mit dem zweiten Buch fertig sein?

Ein Fall voller Fragen und Verwicklungen

Also setzte sich Rolf Dieckmann an den Schreibtisch, und schnell steckte Erik Corvin, obwohl er den Polizisten-Beruf aufgegeben hat, in einem Fall voller Fragen und Verwicklungen. Es geht um das spurlose Verschwinden einer Frau aus adligem Haus und um einen abgebrühten Berufskiller, um einen Plastiksack voller Geldscheine und eine widerborstige Punkerin. Bis Corvin die Zusammenhänge erkennt, hockt er bereits selbst mitten drin im Schlamassel, steht bei seinen Nachforschungen einigen Leuten erheblich im Wege und gerät unter Mordverdacht.

„Einfälle zu haben wird einem im Wendland relativ leicht gemacht“, sagt Dieckmann, der lange als Journalist für den „Stern“ gearbeitet hat, Mitinhaber einer Galerie und einer Filmproduktion war und nun Chefredakteur von „Landluft“ ist. Das Wendland-Magazin, das er mit einer Handvoll Autoren und Fotografen herausgibt, erscheint einmal im Jahr. „Da hört man bei den Recherchen natürlich Geschichten ohne Ende. Und wer etwas fantasiebegabt ist, kann sich aus vielen erlauschten Details eine neue Geschichte zusammenbasteln.“

Ungewöhnliche Menschen

Und auch nach ungewöhnlichen Menschen müsse man in diesem Landstrich nicht lange suchen. „Das liegt wohl vor allem daran, dass die Toleranz hier besonders ausgeprägt ist“, sagt der 73-Jährige. „Allein schon das Den-anderen-so-lassen-wie-er-ist ist eine herausragende Tugend, die sich hier ganz von allein entwickelt hat und im gemeinsamen Widerstand gegen das geplante Atommüll-Endlager gewachsen ist.“

Der spannende Regionalkrimi, der mit Witz und unerwarteten Wendungen aufwartet, lebt auch von der Beschreibung der eigenwilligen Bewohner im Wendland. „Sie sind tolerant und exzentrisch, hilfsbereit und trinkfest“, sagt Dieckmann. „Und manchmal etwas zu handfest.“ Ohne diese Haltung aber gäbe es nicht die unzähligen Geschichten von Menschen, „die hier ihr Ding machen, ohne dass sie sich dadurch von ihren Nachbarn abgrenzen“.

Und wer damit nicht klar kommt, so wie das junge Pärchen im Buch, mit den blonden Haaren, den weißen Baumwollhosen, den blauen Sneakers und dem Reklamelächeln, der verschwindet dann auch schnell wieder dahin, woher er gekommen ist – zurück in die Stadt.

( haa )