Ausstellungen

Kolonialismus, Kirche und Kunsthandwerk in Hamburg

Dolce Vita in der Sammlung Jenisch: Franz Xaver Winterhalter malte  „Italienisches Mädchen“.

Dolce Vita in der Sammlung Jenisch: Franz Xaver Winterhalter malte „Italienisches Mädchen“.

Foto: SHMH

Ein Ausblick auf die derzeit geplanten Ausstellungen in den historischen Museen Hamburg und die Ankunft der „Peking“.

Hamburg. Wenn man derzeit schon nicht nach Italien reisen darf, dann doch zumindest in den Jenischpark nach Klein Flottbek, um dort einen Blick auf die Kunst des Südens zu werfen. Mitten im Park ließ der einstige Hamburger Senator Martin Johann Jenisch (1793–1857) eine nach ihm benannte Sommerresidenz im klassizistischen Stil mit Elbblick errichten. Das Jenisch Haus gilt als eines der schönsten Bauwerke der Stadt, ist also rein äußerlich schon ein Gesamtkunstwerk.

Im Inneren wird gerade an einer Auswahl seiner Gemälde, Skulpturen und Grafiken umfassenden Sammlung gearbeitet, mit der der Kaufmann seine repräsentativen Wohnsitze in Hamburg und Bad Oldesloe ausstattete, darunter Werke namhafter Künstler wie Johann Jacob Gensler, Anton Melbye, Franz Ludwig Catel und Franz Xaver Winterhalter. Der Hamburger reiste häufig nach Rom und in andere italienischen Städte, um dort die Maler in ihren Ateliers zu besuchen. Besonders fasziniert war er vom Künstlerleben der sogenannten Deutsch­römer.

Von Hamburg inspiriertes Kunsthandwerk wird gezeigt

Doch nicht nur das Dolce Vita findet sich auf den Gemälden. Auch zwei Themen der Hamburger Geschichte werden anhand der Objekte in den Blick gerückt: die Zeit der französischen Besatzung unter Napoleon Bonaparte von 1806 bis 1814 und der Große Brand im Jahr 1842. Jenischs Stadthaus war davon betroffen; ein Teil seiner Gemäldesammlung konnte ins Jenisch Haus gerettet werden. Als Präses der Baudeputation war er nach dem Brand maßgeblich am Wiederaufbau der beschädigten Stadtviertel beteiligt. Die Ausstellung „Der Traum vom Süden“ startet am 30. März.

Noch bis Mai ist im Museum für Hamburgische Geschichte die Ausstellung „Tattoo-Legenden“ zu sehen. Im Anschluss daran bereitet sich das Haus auf die geplante Modernisierung des Gebäudes und der Dauerausstellung vor. Und es werden Ausstellungsformate mit externen Partnern getestet: Vom 15. Mai bis 13. Juli zeigen im Rahmen von „Reflect­“ Studierende der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ihre Neuinterpretationen historischer Textilien.

Blick auf die hamburgische Stadt- und Industriegeschichte

Ab dem 3. September ist dann die Biennale angewandter Kunst zum ersten Mal zu Besuch am Holstenwall: Über 60 professionelle, vielfach ausgezeichnete Kunsthandwerker präsentieren Arbeiten aus Glas, Holz, Keramik, Papier und Stoff. Sie sind organisiert in der seit 1956 tätigen „Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg“ (AdK) und der Gedok, der 1926 gegründeten „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“. Vom berühmten „Pfeffersack“ bis zu den markanten Silhouetten von Michel, Chilehaus und Deichtorhallen, die sich in den kunstvollen Objekten spiegeln, ist die Ausstellung „Inspiration Hamburg“ eine Liebeserklärung an die Stadt.

Einen kritischen und zeitgemäßen Blick auf die hamburgische Stadt- und Industriegeschichte bietet das Museum der Arbeit in einer Sonderausstellung ab dem 29. September (bis zum 1.6. läuft noch die Ausstellung „Die Nacht. Alles außer Schlaf“). Den Anstoß dazu gaben hamburgische Unternehmen wie etwa die ehemalige New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie, die auf dem heutigen Museumsgelände ansässig war. Aus den erbeuteten Rohstoffen Kautschuk, Palmöl und Kokosöl wurden Hartgummikämme, Badekappen, Regenschirme, Margarine, fertige Lebensmittel, Kerzen und Seife hergestellt.

Zwangsarbeit und Vertreibung

Die Ausstellung zeigt, wie die oftmals verharmlost dargestellten hanseatischen Kaufleute mit den gewaltvollen Realitäten des europäischen Kolonialismus wie Zwangsarbeit, Vertreibung und Zerstörung der Umwelt verflochten waren und wie sich die betroffenen Menschen dagegen zur Wehr setzten.

Kleine Freiheit und Große Freiheit – die beiden Koordinaten im Feierdistrikt St. Pauli kennt man. Doch warum heißen die Straßen eigentlich so, wie sie heißen? An ihre ursprüngliche Bedeutung erinnert heute nur noch die katholische Kirche St. Joseph zwischen Clubs, Kneipen und erotischen Amüsierlokalen. Die beiden Freiheitsstraßen wurden nach 1610 am Rande von Altona angelegt und boten den dort ansässigen Handwerkern und Glaubensgemeinschaften genau das, was sie im Namen tragen: Religions- und Gewerbefreiheiten.

Wie sichtbar darf, kann und soll Religion in der Stadt sein?

Nach der Peter-Rühmkorf-Schau (bis 20. Juli) widmet sich ab dem 21. Oktober eine Sonderausstellung im Altonaer Museum der Religionsfreiheit vom 17. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und stellt mit den Mennoniten, Reformierten, Juden, Katholiken und Lutheranern die wichtigsten Glaubensgemeinschaften vor. Sie fragt auch, was Glaube heute bedeutet, wie sichtbar Religion im Stadtbild sein kann, soll oder darf. Und sie geht auf die Herausforderungen in einer globalisierten Gesellschaft ein, in der religiöse Rechte und Freiheiten erneut ausgehandelt werden müssen. Über all das darf, kann und soll kräftig mitdiskutiert werden.

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Ein Highlight in diesem Ausstellungsjahr wird die Ankunft der „Peking“ sein. Im Mai will die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) die Viermastbark von der Stiftung Hamburg Maritim übernehmen, um sie im Spätsommer an der Überseebrücke den Hamburgern erstmals zu präsentieren.