Musik

Meute-Gründer Burhorn: "Blasmusik war nie out"

| Lesedauer: 5 Minuten
Heinrich Oehmsen
Ordentlich was los auf der Bühne: Meute bei einem Konzert in  Kopenhagen.

Ordentlich was los auf der Bühne: Meute bei einem Konzert in Kopenhagen.

Foto: picture alliance

Die Hamburger Techno-Blaskapelle Meute eilt auch international von Erfolg zu Erfolg. Nun ist ihr drittes Album erschienen.

Hamburg.  2015 gründete Thomas Burhorn in Hamburg das elfköpfige Ensemble Meute. Sehr schnell wurde das eine Erfolgsgeschichte. Die Truppe hat bereits auf drei Erdteilen gespielt, war auf wichtigen Festivals wie SXSW in Austin, Sziget in Budapest oder beim Hurricane zu Gast. Gerade hat die Band ihr drittes Album „Puls“ veröffentlicht. Am 25. Februar beginnt eine lange Tournee, die in Lissabon beginnt und durch halb Europa führt. Im Juni folgt eine USA/Kanada-Tour. In Hamburg gastiert Meute vom 4. bis zum 6. Mai in der Großen Freiheit 36. Tickets gibt es schon seit Wochen nicht mehr.

Hamburger Abendblatt: Ihre Band wird gelegentlich als Deluxe-Version eines Spielmannszugs beschrieben. Wie finden Sie das?

Thomas Burhorn: Das ist eine schöne Bezeichnung. Wir sind ja tatsächlich ein Spielmannszug. Es geht nicht darum, was hip ist und was nicht. Blasmusik war nämlich nie out.

Wie sind Sie auf die ja reichlich ungewöhnliche Idee gekommen, eine Techno-Marschkapelle zu gründen?

Burhorn: Ich bin Trompeter, aber ich liebe auch elektronische Musik. Auf der Bühne passiert bei einem DJ-Set nichts – und trotzdem geht es voll ab. Die Überlegung war, diesen Sound mit einer echten Band zu reproduzieren, die Spielmannszug-Uniform trägt. Ich wollte das ausprobieren und mich über Klischees hinwegsetzen.

Klingt auch wie ein Zurück zum Analogen ...

Burhorn: Wir sind viele Leute, aber keiner braucht einen Bass, einen Verstärker oder einen Keyboard-Ständer. Wir können auf die Straße oder im Wald eine Techno-Party veranstalten, denn wir benötigen keinen Strom. Künstler, die elektronische Musik machen, bilden in ihren Samples echte Instrumente nach. Wir bauen das zurück und schlagen die Brücke in die Vergangenheit. Es ist eine Art Weltmusik, weil sie auf der ganzen Welt funktioniert.

Auf dem neuen Album spielen Sie Nummern, die von DJs zusammengebastelt worden sind und nennen das „Rework“. Haben Sie auch mal daran gedacht, bekannte Popsongs mit Meute zu interpretieren?

Burhorn: Nein. Wir haben uns bewusst für diese Nische entschieden, weil es schon viele Brassbands gibt, die Popsongs covern.

Wie wichtig ist Jazz für Meute?

Burhorn: Total wichtig. Wir kommen zwar aus unterschiedlichen musikalischen Ecken, aber fast jeder hat Zugang zu Jazz. Auch in unserer Musik liegt ein großer Freiheitsgedanke mit viel Interaktion.

Aber improvisiert wird bei Ihnen kaum ...

Burhorn: Bis auf die Soloparts ist sehr vieles festgelegt und notiert. Nicht festgelegt hingegen ist, wie wir uns bewegen und wo wir uns während des Konzerts aufhalten. Wir machen ab und an Workshops mit einer Improtheater-Regisseurin, um Wege zu finden, aus starren Mustern auszubrechen.

Auf der kommenden Tournee sind viele Konzerte bereits ausgebucht. Muss Meute demnächst in große Hallen wie die Barclaycard Arena gehen?

Burhorn: Selbstverständlich müssen wir uns in Zukunft was überlegen. Die größte Location auf der Tour ist das Palladium in Köln mit 4000 Plätzen. Wir haben keine Angst vor großen Hallen, aber schön wäre es, eine Atmosphäre hinzubekommen wie vor Kurzem in der Astra-Stube, wo wir vor 60 Zuschauern gespielt haben.

Zu den ungewöhnlichen Konzertorten von Meute gehörte die Hamburger Staatsoper.

Burhorn: Ja, das war ein absolutes Highlight. Wir haben im Bühnenbild der „Zauberflöte“ gespielt und konnten uns da ausleben. Eine Tournee durch die Opernhäuser in aller Welt würde mich sehr reizen.

2019 sind Sie durch Nordamerika getourt. Wie war es dort?

Burhorn: Um Geld zu verdienen, gibt es einfachere Wege. Doch man bekommt andere Dinge zurück. Gerade in den USA haben wir mit dem Publikum sehr emotionale Erfahrungen gemacht. Es war zu spüren, wie unsere Musik die Leute anrührt.

Hängt das mit der Tradition der Marching Bands in Nordamerika zusammen?

Burhorn: Viele Konzertbesucher kamen hinterher und erzählten von ihren Erfahrungen in den Marching Bands. Wir tragen Uniform, aber spielen andere Musik. Das finden die Amerikaner witzig.

Fühlen Sie sich als Repräsentanten der deutschen Kultur?

Burhorn: Klar, wir haben ja auch schon in Washington in der deutschen Botschaft gespielt. Auch in Südafrika und in Swasiland gab es starke Reaktionen. Elektronische Musik ist eine universelle Sprache, die jeder versteht. Gut für Deutschland, wenn wir als Botschafter gesehen werden (lacht).

Was war das aufregendste Konzert, das Sie bisher gegeben haben?

Burhorn: Es gab zwei Konzerte, bei denen der Strom ausgefallen ist. Beim Womad-Festival in Großbritannien sind wir von der Bühne gegangen und haben inmitten des Publikums weitergemacht. Auf der US-Tour wurde in Boston Feueralarm ausgelöst und wir haben den Auftritt auf dem Parkplatz fortgesetzt. Dann kam die Polizei mit Blaulicht angefahren und sagte zu unserer Tourmanagerin: „Entweder die hören jetzt auf zu spielen oder sie werden verhaftet.“ Mit amerikanischer Polizei möchte man keinen Streit haben, deshalb haben wir aufgehört.