Konzertkritik

Catfish and the Bottlemen: Und immer auf die Zwölf

Drummer Robert Hall: Catfish the Bottleman während eines Konzertes  auf dem Melt! Festival 2015 im Ferropolis.

Drummer Robert Hall: Catfish the Bottleman während eines Konzertes auf dem Melt! Festival 2015 im Ferropolis.

Foto: imago images / Future Image

Die Indie-Rockband gönnte dem Publikum im Docks keine Verschnaufpause. Das Konzert war ein einziger Rausch bei 110 Dezibel.

Hamburg. So brachial sie ohne Aufwärmphase in ihr Konzert eingestiegen waren, so abrupt kam das Ende nach knapp 80 Minuten Spielzeit. Nur Sekunden nach den letzten Klängen ihres Hits „Cacoon“ waren die vier Musiker schon verschwunden. Und die ersten gerade noch enthusiastischen Fans im nicht ganz gefüllten Docks auf der Reeperbahn zog es zielstrebig Richtung Garderobe. Sie wussten: Zugaben sind nicht wirklich der Style von Catfish and the Bottlemen. Und das Zelebrieren einer Verabschiedung von einer Menge, die durchgehend gesungen, gehüpft und getanzt hatte, erst recht nicht.

Eigentlich schade. Und auch wieder nicht. Denn ein Auftritt der walisischen Indie-Rockband ist wie ein einziger Rausch. Mit dem Verstärker auf Maximum gedreht und noch ein bisschen drüber hinaus, bei handgemessenen 110 Dezibel. Manch eine Band mag nach dem ersten Highlight des Abends den Zuhörern eine kleine Verschnaufpause gewähren, nicht so Catfish. Nach „Longshot“, dem Opener ihres jüngsten Albums „The Balance“, folgen mit „Kathleen“ und „Soundcheck“ zwei ihrer erfolgreichsten Werke der vorherigen Alben „The Balcony“ (2014) und „The Ride“ (2016). Immer weiter, immer weiter. Und immer voll auf die Zwölf.

Viele Briten mischten sich unters Publikum

Dass sich viele Briten unters Publikum mischten, war indes keine Überraschung. Auf der Insel füllt die 2010 gegründete Band um Sänger Van McCann, die zu Beginn ihres Wirkens Beatles-Songs coverten, längst auch große Arenen. Mit „The Ride“ schafften sie es sogar auf Platz eins der UK-Charts. Die Abrufzahlen bei den Streamingdiensten sind atemberaubend mit bis zu 88 Millionen.

Sich die meist kaum mehr als drei Minuten langen, durchaus melodischen Stücke am Smartphone oder Laptop anzuhören, ist aber nur der halbe Spaß. Diese musikalisch ohne Firlefanz, aber mit viel Lichteffekten garnierten Kompositionen entfachen erst live ihre ganze Explosivität und scheinen wie für die Bühne geschrieben zu sein. Und so tourt die Band mit ihrem Programm nicht nur durch Europa, sondern auch in USA, Japan, Südamerika oder Australien. Wer sich die 20 Songs von Catfish and the Bottlemen hintereinander anhörte, konnte allerdings auch den Eindruck eines zwar sehr erfolgreichen, aber auch etwas einseitigen Musters bekommen.

Catfish: Genug Potenzial für Neues

Man darf gespannt sein, ob sich die Band bei künftigen Aufnahmen häufiger aus ihrer Komfortzone trauen wird. Die markante, stets etwas geheimnisvoll klingende Stimme McCanns, der pumpende Bass von Benji Blakeway, und die Beats von Schlagzeuger Bob Hall haben auf jeden Fall genug Potenzial für Neues. Wenn dies gelingt, könnten Catfish and the Bottlemen in Hamburg bald auch größere Räume füllen als das Docks.