Hamburg

Ein Pianist, der scherzt und singt in der Elbphilharmonie

Iiro Rantala trat mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Elbphilharmonie auf.

Iiro Rantala trat mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Elbphilharmonie auf.

Foto: picture alliance / dpa

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Iiro Rantala feierten Beethoven im Jubiläumsjahr mit eigenen Interpretationen.

Hamburg.  Eine Möglichkeit, den großen Beethoven im Jubiläumsjahr zu feiern, kann auch mal darin bestehen, sich einen gescheiten Spaß mit seiner Musik zu erlauben. Für die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die am Dienstag in der Elbphilharmonie ohne Dirigenten, dafür aber unter der Leitung ihrer Konzertmeisterin Sarah Christian in der Elbphilharmonie auftrat, hätte es dafür keinen besseren Partner geben können als Iiro Rantala.

Der finnische Pianist, Jazzer und Komponist hatte schon im vergangenen Jahr aus Lust und Laune einige bekannte Beethoven-Motive herausgepickt, zu einem „Best of Beethoven“ zusammengerührt und von seinem Dirigentenkumpel Jaakko Kuusisto orchestrieren lassen.

Exklusive Aufführung vor Bundespräsident

Nachdem das Stück von ihm und der Kammerphilharmonie kurz vor Weihnachten 2019 auf Schloss Bellevue vor den Ohren des Bundespräsidenten Steinmeier in geschlossenem Kreis uraufgeführt worden war, erlebte es in Hamburg nun seine erste öffentliche Aufführung. „Als 15 kurze Gags“ bezeichnet Rantala seine verjazzten Metamorphosen von Ausschnitten der Waldstein- oder Kreutzer-Sonate, dem 5. Klavierkonzert oder den Sinfonien 5 und 9.

Ein Tamburin rasselte zu „Für Elise“, bei der Mondscheinsonate mischte ein Solohorn die Idylle auf, und den Schlusschor der Neunten sang Rantala am Flügel mit heiserer Stimme gleich selbst, ohne über das Wörtchen Freude hinauszugelangen. Die Übergänge seiner Persiflage sind bizarr, die Harmonien krass, aber das Collagenhafte ist eben auch so gewollt.

Rantala fügt fremde Zutaten hinzu

Kein Stück war an diesem Abend vor Rantalas Improvisationen sicher. Noch nicht mal Gershwins „Rhapsody in Blue“ oder Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 467, bei dem gleich die erste Soloexposition in einen Sog fremder Zutaten geriet und der geniale Pianist in der Solokadenz auch den Beginn der G-Moll-Sinfonie verarbeitete. „Was passiert, das passiert einfach“, sagte Rantala in einem kurzen Interview während der Pause, „das ist der Spaßfaktor.“

Die Deutsche Kammerphilharmonie, die mit Rantala beim Label ACT gerade die neue CD „playing gershwin“ veröffentlicht hat, hatte bei diesem Elbphilharmonie-Konzert höchstens einige wenige Probleme mit leicht verzögerten Bläsereinsätzen.

Die Frische des Klangs, die Lebendigkeit schon kleinster Details bei Haydns Sinfonie D-Dur Hob. 1/101 „Die Uhr“ waren ebenso ein Genuss wie der Gershwin-Sound mit dem von Matthew Hunt lässig geblasenen und sicher berühmtesten Klarinettensolo des 20. Jahrhunderts.