Abendblatt-Neujahrsempfang

„Jan Fedder wusste, wie man Abschied nimmt“

Hauptpastor Alexander Röder spricht über die Planung der Trauerfeier für Jan Fedder am 14. Januar in der Kirche St. Michaelis.

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Worüber die Hamburger Kulturszene so plauderte? Erinnerungen an ein Original, kein Neid auf Kampnagel und Tonprobleme.

Hamburg.  Anstehende Projekte, aktuelle Lektüren, fehlende oder kommende Gelder, geplante Sanierungen? Ja, all das war Gesprächsthema unter den Hamburger Kulturschaffenden, die zum Abendblatt-Neujahrsempfang ins Hotel Atlantic gekommen waren. Tatsächlich aber war es vor allem der Tod von Jan Fedder kurz vor dem Jahreswechsel, der branchenübergreifend noch immer viele Kollegen, Freunde und Weggefährten beschäftigte.

„Für Schauspieler ist es ja besonders schwer, von der Bühne abzutreten“, glaubt die Hamburger Produzentin Katharina Trebitsch, die Jan Fedder gut kannte. „Weil er wirklich gelebt hat, wusste er auch, wie man lebt. Und wie man Abschied nimmt. Er konnte ja sehr laut sein. Hier war er sehr leise.“

Ohnsorg-Intendant Michael Lang erinnerte sich gut an so manchen Ringelnatz-Abend, den Jan Fedder im Winterhuder Fährhaus gegeben hatte, wo Lang zuvor lange Jahre Theaterchef gewesen war: „Nach der Vorstellung ging es ja immer noch weiter. Im Technikeraufenthaltsraum gab es dann Bierchen, und Jan Fedder erzählte Anekdoten und Hamburger Ansichten. Er hatte auch regelmäßig Gäste, das waren wirklich legendäre Abende. Übrigens hat er auch dem Publikum regelmäßig Schnaps ausgegeben. Das war schon sehr einprägsam!“

„Ein Volksschauspieler im allerbesten Sinne“

„Jan war ein Volksschauspieler im allerbesten Sinne“, ergänzte NDR-Moderatorin Bettina Tietjen. „Zuletzt hatte er sich sehr zurückgezogen und wollte wohl gar nicht, dass man sich wegen seiner Krankheit besonders um ihn kümmert.“ NDR-Kollege Yared Dibaba, der mit ihm nicht nur für das „Großstadtrevier“, sondern auch für die Lenz-Verfilmung „Mann im Strom“ vor der Kamera gestanden und „den einen oder anderen Abend verbracht“ hatte, vermisst den Schauspieler: „Ich habe sehr viel Respekt vor ihm.“

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Mit Hochachtung sprachen an diesem Vormittag viele von Jan Fedder – und wer ihn nicht persönlich gekannt hatte, für den symbolisierte der Schauspieler zumeist die norddeutsche Heimat: „Er stand für die sympathischen Seiten dieser Stadt. Für die norddeutschen Klischees, in denen man sich auch wiederfand“, fasste Andreas Hoffmann, Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums, zusammen. „Als Norddeutscher, der ich als Ostfriese ja bin, hat er mich einen Großteil meines Lebens begleitet. Da fehlt echt ein Original.“

Generalsanierung am Thalia Theater

Auch Buchhändler Christian Heymann mochte Jan Fedder und verriet, vor allem gern „Neues aus Büttenwarder“ zu gucken: „Ich finde das lustig! Um den Jahreswechsel ist ja jetzt einiges wiederholt worden, da hat sogar unser Sohn gern mitgeschaut.“ Und Filmfest-Chef Albert Wiederspiel gestand den „Ehrgeiz, wenigstens zehn Prozent so viel Hamburger zu sein wie er. Ich hoffe, die erreiche ich noch!“

Jan Fedder – ein Leben in Bildern:

Die Förder-Millionen aus Berlin, über die sich im Spätherbst unter anderem Kampnagel und das Reeperbahnfestival freuen konnten, gönnt Albert Wiederspiel den Kollegen ohne Einschränkung: „Jeden Pfennig! Ich bin mit allem einverstanden.“ Das unterschrieb so auch Thalia-Chef Joachim Lux: „Dass Kamp­nagel für die Gebäude so eine hohe Summe bewilligt bekommt, finde ich großartig. Da gibt es tatsächlich gar keinen Neid, das finde ich genau richtig und sinnvoll. Ich kenne vergleichbare Orte in Moskau, Paris oder Warschau – in Sachen Räumlichkeiten war Kampnagel da bislang nicht annähernd angemessen ausgestattet.“

Auch am Thalia Theater steht in absehbarer Zeit eine Generalsanierung an – auf dem Intendanten-Wunschzettel ganz oben findet sich bei Joachim Lux außerdem eine räumliche Öffnung zur Stadt, insbesondere zum Gerhart-Hauptmann-Platz: „Da wäre so viel möglich!“

Das gilt so auch für das Gelände der Kampnagelfabrik. 60 Millionen Euro soll die Spielstätte für eine denkmalgerechte Sanierung, Modernisierung und Erweiterung vom Bund bekommen (ergänzt um weitere 60 Millionen Euro von der Stadt Hamburg) – bis die Bauarbeiten losgehen, wird allerdings noch einige Zeit verstreichen. „Wir rechnen damit, dass wir in rund zweieinhalb Jahren loslegen können. Und das wäre schnell!“ erklärte Intendantin Amelie Deuflhard.

Der 32. Neujahrsempfang des Hamburger Abendblatts:

Immer noch Thema war auf dem Neujahrsempfang auch der durch einen Tonausfall bedingte Abbruch eines Konzerts mit Volker Lechtenbrink, Gitte Hænning, Stefan Gwildis und anderen am vergangenen Donnerstag in der Elbphilharmonie. Veranstalter Ulrich Waller zeigte sich geknickt: „Das sitzt sehr tief. Aber dass ein großer Teil des Publikum sich den Abend schön gemacht und einfach selbst gesungen hat, hat mir Kraft gegeben. Das wäre wohl in keiner anderen Stadt möglich.“

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Kollegen wie Karsten Jahnke und Burkhard Glashoff (Konzertdirektion Dr. Goette) erklärten, Vergleichbares sei ihnen glücklicherweise noch nie widerfahren, als Veranstalter sei man in einer solchen Situation aber schlicht machtlos. „Bedenklich finde ich, dass dieser Tonausfall nun sofort mit der Elbphilharmonie in Verbindung gebracht wird, dabei hätte das in der Barclaycard Arena oder der Sporthalle ebenso passieren können“, ergänzte Glashoff.

Und Alexander Schulz, Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals, erinnerte sich an ein von ihm veranstaltetes Konzert in der Elbphilharmonie, das 2018 bei voll besetztem Großen Saal in letzter Minute wegen einer Erkrankung des Künstlers abgesagt werden musste. „Da kommt man schon ins Schwitzen, weil ja niemand einschätzen kann, wie das enttäuschte Publikum reagieren wird.“

Abendblatt-Neujahrsempfang – der Film