Sender Say Say

Wie aus dem Anwalt Dr. Staudacher der Moderator Freddy wurde

Mit Liebe, Arbeit, Zeit und Geld: Frederick Staudacher ist Gründer des Senders Say Say. 

Mit Liebe, Arbeit, Zeit und Geld: Frederick Staudacher ist Gründer des Senders Say Say. 

Foto: Eric Anders Photography

Frederick Staudacher arbeitete bei einer US-Kanzlei – bis er sein Leben änderte. Heute betreibt er eine Hamburger Radiostation.

Hamburg.  Sich neu zu erfinden, zum Beispiel einen anderen Beruf zu ergreifen, mit diesem Gedanken haben sicherlich schon viele geliebäugelt. Solch eine Idee aber auch wirklich in die Tat umzusetzen, dazu gehört dann doch einiges an Courage. Frederick Staudacher hat diesen Schritt gewagt.

Sieben Jahre arbeitete der Hamburger als Business-Anwalt bei einer großen US-amerikanischen Kanzlei. Dann tauschte er Schreibtisch, Akten und Gesetzestexte gegen Mischpult, Plattenspieler und Mikrofon. Und aus dem Juristen Dr. Staudacher wurde Moderator Freddy: Mit Say Say betreibt der 39-Jährige seit April 2018 eine Radiostation für Soul und Hip-Hop. Auf dem Gelände der Kulturfabrik Kampnagel in Winterhude hat er sich ein Studio eingerichtet, von dem aus er ins Internet sendet.

Blitzwach und gut gelaunt erzählt er seine Geschichte

„Als Anwalt zu arbeiten, war spannend, aber auch sehr fordernd. Ich habe sehr gut verdient. Doch nach und nach habe ich gemerkt, dass der Job langfristig nicht das Richtige für mich ist“, erzählt Staudacher umgeben von Vinylplatten in seinem Studio. Blitzwach und gut gelaunt erzählt er seine Geschichte. Und das, obwohl er gerade vier Stunden lang live die Morning Show auf Say Say moderiert hat. Von sechs bis zehn Uhr wechselt er dann im lässigen Fluss zwischen Musik und Wort, zwischen digital angesteuerten Songs und analog mit Vinyl aufgelegten Stücken. Jede volle Stunde verliest er die Nachrichten. Und immer wieder lädt er zudem Gäste ein, die von ihrer popkulturellen Leidenschaft erzählen.

„Es hat mich schon Überwindung gekostet, so viele Jahre Studium und Berufserfahrung als Jurist hinter mir zu lassen, aber jetzt fühlt sich das super an“, sagt der dreifache Vater. Nachdem er die Kanzlei 2016 verlassen hatte, habe er erst einmal die Rolle des Hausmanns eingenommen und sich neu orientiert, erzählt Staudacher. Als sich dann der Plan konkretisierte, ein Radio zu gründen, hat er sich erst einmal intensiv mit dem Thema Technik befasst – von der Schalldämmung bis zur Software. Und er hat mehrere Monate lang ausdauernd Musik gehört, um den Klang seiner Station zu definieren.

Songs aus den USA und Großbritannien

Zu 90 Prozent laufen bei Say Say englischsprachige Songs aus den USA und Großbritannien. Über seine beiden älteren Brüder entdeckte Staudacher als Teenager den Sound von Run-D.M.C., den Beastie Boys und Public Enemy. Neben solchen Hip-Hop-Klassikern spielt er auf seinem Sender aber auch Soul-Schätze der 60er- und 70er-Jahre sowie aktuellen Rap. Allerdings betont er in seiner handverlesenen Auswahl weniger die Gangster-Klischees des Genres, sondern vielmehr dessen geschmeidig groovende und innovative Seite.

„Es ist Wahnsinn, wie viele tolle Sachen gerade veröffentlicht werden. Es ist eine sehr gute Zeit für Hip-Hop“, sagt Staudacher und strahlt. Wichtig ist ihm jedoch, kein reines Spezialistenradio zu produzieren, sondern alle Musikliebhaber mit seinem Programm abzuholen. Verständlich präsentierte Hintergründe gehören für den Autodidakten ebenso zur Philosophie von Say Say wie Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten am Mikrofon.

Die Reichweite hat sich schon verdreifacht

Der Name seines Senders ist übrigens inspiriert vom Wechselgesang zwischen Rapper und Publikum im Hip-Hop. Und auch Staudacher und sein Team legen viel Wert darauf, sich unmittelbar mit ihrer wachsenden Fangemeinde über Social Media auszutauschen. Zu Say Say gehören mittlerweile vier feste sowie diverse freie Mitarbeiter, die sieben moderierte Shows pro Woche realisieren. Tendenz steigend. Bei „Thank God It’s Friday“ etwa stimmt das Hamburger DJ-Duo Soulbrotha aufs Wochenende ein, während sich die Sendung „Gut oder geht so“ mit neu veröffentlichter Musik beschäftigt.

„Unsere Reichweite wächst gerade stark und hat sich im Vergleich zu 2018 bereits verdreifacht“, sagt Staudacher. Momentan verhandelt er mit möglichen Werbepartnern, aber noch ist Say Say für den Finanzspezialisten eine Investition. „Manche kaufen sich in meinem Alter ein Haus. Ich habe eben einen Radiosender gegründet“, sagt Staudacher. Eine Selbstverwirklichung, die wirklich gut klingt.

Say Say Soulful Hip-Hop Radio: www.say-say.de