Hamburg

Das Geheimkonzert von Robbie Williams in der Speicherstadt

Robbie Williams legte sich bei seinem Geheimkonzert im Kehrwieder Theater mächtig ins Zeug.

Robbie Williams legte sich bei seinem Geheimkonzert im Kehrwieder Theater mächtig ins Zeug.

Foto: Georg Wendt/dpa

"Do you feel christmassy?“– Robbie Williams hat exklusiv vor 140 Fans in Hamburg sein Weihnachtsalbum vorgestellt.

Hamburg. Es hätte ein kitschiger Abend werden können. Ein in die Jahre gekommener Star präsentiert sein erstes Weihnachtsalbum in kuscheliger Kulisse. Wurde es aber nicht, denn Robbie Williams kann man vieles nachsagen, aber kitschig ist er nicht. Gestern Abend gab der 45 Jahre alte Brite, einer der erfolgreichsten Popkünstler der Gegenwart, ein Geheimkonzert in Hamburg.

Im Theater Kehrwieder in der Speicherstadt stellte Robbie Williams einem handverlesenen Publikum Weihnachtslieder aus seinem eben erschienen Album „The Christmas Present“ vor.

Kreischalarm bei Robbie Williams in Hamburg

Robbie tritt mit Band auf, vor rotem Samt und hinter weihnachtlich verziertem Tannengrün, eingerahmt von zwei mannshohen Kerzenleuchtern. „Alles gut?“, fragt er die 140 Fans, von denen die meisten ihre Tickets bei Radiosendern der RTL-Gruppe gewonnen hatten. Auch der Sender Hamburg Zwei hatte Karten verlost. Los geht es mit einem Weihnachtsklassiker: „Christmas – Baby Please Come Home“.

Das Publikum, hauptsächlich übrigens Damen, lässt sich nicht bitten. Es stimmt den Kreischalarm an und singt dann mit. Die Herren stimmen ebenfalls ein. Williams wäre nicht Williams, würde er nicht einen Teil seiner Auftritte mit Geschichtenerzählen verbringen.

Er erzählt von Familienweihnacht in Los Angeles, wo er mit seiner amerikanischen Frau und seinen drei Kindern lebt. Ach ja. Er habe seine Kinder seit mehr als einem Monat nicht gesehen, weil er sehr sehr hart gearbeitet habe. Deshalb habe er für sie den Song „Snowflakes“ geschrieben. Und den singt er natürlich prompt. Die Fans lieben es und können schon mitsingen.

Und dann will Robbie wissen, welches die am meisten gehörten Weihnachtslieder in Deutschland sind. Whams „Last Christmas“ etwa? Oder vielleicht Mariah Careys „All I Want for Christmas Is You“? So geht das nicht. „Ich habe einen Christmas Song geschrieben und ich will, dass ihr ihn von jetzt an jedes Jahr immer wieder hört“, ruft er. „Time for Change“ ist ein wirklich schönes, melodisches und gefühlvolles Weihnachtslied mitsamt melancholisch-nachdenklichem Text.

Weihnachtsstimmung mit "Winter Wonderland"

„Do you feel christmassy?“, fragt Robbie. „Auf welchem Level hat sich die Weihnachtsstimmung eingependelt?“, will er wissen. Die Antwort drei bis vier, die ihm jemand aus dem Publikum zuruft, stimmt ihn nicht zufrieden, und schon legt er nach mit dem Klassiker „Winter Wonderland“. Das Weihnachtsfeeling ist laut wiederholter Nachfrage beim Publikum nicht wirklich gestiegen. Robbie deutet es richtig: Seine Fans wollen Hits. Einen gönnt er ihnen. „The Road to Mandalay“ , ruft er, ist ein „Hit aus dem vergangenen Jahrhundert, aber deshalb ist er ja nicht schlecht“.

Aber immer langsam. Schließlich ist er gekommen, um sein Album „The Christmas Present“ zu präsentieren. Das eine oder andere Weihnachtslied soll es also noch sein. Und schließlich habe er Rod Stewart mitgebracht für das Duett „It Takes Two“. Trommelwirbel. „Oh nein“, sagt Robbie. „Er ist nicht gekommen. Dann muss ich es alleine singen.“

Robbie Williams bleibt ein Lausbube

Trotz seines Alters wirkt Robbie Williams wie ein Lausbube. Hier rutscht ihm ein schlüpfriger Witz heraus, dort ein „fuck“, und sofort entschuldigt er sich scheinbar kleinlaut, um dann noch mal nachzulegen.

„Ihr seid sehr nett gewesen heute Abend“ , sagt er schließlich. Deshalb singe ich noch einen Hit für euch. „Feel“ stammt aus diesem Jahrhundert – ist dann auch der Abschlusssong des Geheimkonzerts. Ein Selbstläufer. Das Singen des Refrains überlässt er natürlich seinen Fans. „A very merry Christmas“, wünscht er ihnen. Gesundheit, ein glückliches Leben und viel zu lachen im kommenden Jahr.

„Ich hoffe, ich entertaine euch für den Rest eures Lebens. Eine Anspielung auf den Song „Let Me Entertain You,“, der an diesem Abend fehlte. „Jetzt ist Schluss“, sagt Robbie Williams nach 45 Minuten. „Mehr Songs kenne ich nicht.“