Ausstellung

Oscar Murillo sprengt die Grenzen im Kunstverein

Oscar Murillo in seiner Ausstellung im Hamburger Kunstverein.

Oscar Murillo in seiner Ausstellung im Hamburger Kunstverein.

Foto: Fred DottHamburg / Fred Dott, Hamburg

Der Shootingstar aus Kolumbien zeigt in Hamburg seine Gesamtinstallation „Horizontal Darkness in Search of Solidarity“.

Hamburg. Wenn der Kolumbianer Oscar Murillo seine Kunst ausstellt, muss man auf überraschende Ergebnisse eingestellt sein. Bettina Steinbrügge und das Team vom Kunstverein Hamburg sind gewieft darin, Künstlern Freiraum zu lassen. Und so ließen sie Murillo kurzerhand das Erdgeschoss mit einer monumentalen Serie einrichten: Riesige schwarze Stoffleinwände wurden von ihm über meterhohe Wände geworfen, am Boden gefaltet oder gestapelt. Daneben sind wie in Rage übermalte Zeitungsnachrichten über Gewalt an Frauen gehängt. Es ist die Ouvertüre zu seiner Gesamtinstallation „Horizontal Darkness in Search of Solidarity“.

Dazwischen: Bilder, die an Claude Monets Seerosen-Zyklus erinnern. „Oscar hat sich in jüngster Zeit sehr mit Monet und seiner schwindenden Sehkraft beschäftigt“, erzählt Tobias Peper. Unter den Wellenlinien scheinen Kritzeleien von Schülerinnen und Schülern seines weltweiten Kreativprojekts durch – dazu wurden Leinwände über ihre Schulpulte gespannt. Inhaltliche Querverbindungen zwischen beiden Arbeiten? Fehlanzeige. Manchmal sind Maler eben nur am ästhetischen Schaffen interessiert.

Manchmal ist Kunst auch eine Bonbonfabrik

Richtig bunt und wild geht es in der ersten Etage zu, hier treffen gleich mehrere Werkserien des Künstlers aufeinander, der so gern die Grenzen zwischen den Gattungen sprengt: Großflächige Ölgemälde aus zusammengenähten Leinwänden, aus Pistazienholz geschnitzte Fenster aus Aserbaidschan, die statt Buntglas Industrieschrott aus Dörfern der heutigen Grenzregion zu Russland enthalten, sogenannte Flight Drawings, auf denen der vielreisende Künstler seine Gedanken festhält und schließlich seine lebensgroßen, ausgestopften Puppen, die „Effigies“, die die einfachen Leute aus der Fabrikstadt La Paíla darstellen sollen, Murillos Geburtsort. Wie ein Mahnmal sitzen die „Verlierer der Globalisierung“ inmitten der Schau.

Der in London lebende Shootingstar, Jahrgang 1986, wird häufig gefragt, wie seine Zusammenarbeit mit den erfolgreichsten Galerien und die Bezüge zu seiner Herkunft zusammenpassen. In New York bestand sein Statement etwa darin, bei David Zwirner eine Bonbonfabrik zu errichten und Arbeiter aus seiner Heimat dorthin einzuladen. „Es geht um Solidarität, beim Zusammensetzen einer Leinwand wie beim gemeinsamen Erleben von Kunst“, so Peper. „Und
darum, nie zu vergessen, woher man kommt.“

„Horizontal Darkness...“, bis 27.1. im Kunstverein (U Steinstr.), Klosterwall 23, Di-So 12.00-18.00, Führungen Do 17.00, Eintritt 5,-/3,-