Ausstellung

Beeindruckende Bilder zum Thema Krieg und Frieden

Dirk Justus, Leiter des Bargheer Museums, inmitten der aktuellen Ausstellung „Krieg und Frieden“.

Dirk Justus, Leiter des Bargheer Museums, inmitten der aktuellen Ausstellung „Krieg und Frieden“.

Foto: Andreas Laible

Das Bargheer Museum im Jenischpark zeigt Werke des Hamburger Malers Eduard Bargheer aus der Zeit von 1934 bis 1954.

Hamburg.  Bei Eduard Bargheer sind es immer die schnellen, wie dahingeworfenen Striche und die fantasievollen Farbtöne, die sofort in den Bann ziehen. „Strandkörbe in Kampen“ aus dem Jahr 1936 erscheint auf den ersten Blick vertraut. Und doch schleicht sich etwas Düsteres, Unheilvolles ins Bild, wirkt der Leuchtturm eher wie ein Wachturm, liegt auf dem Gemälde nebenan der „Strandweg unter Gewitterhimmel“.

Tatsächlich beschlagnahmten die Nationalsozialisten 1936 einen Großteil der Hamburger Sezessions-Ausstellung, die jährlich stattfand und an der Bargheer teilgenommen hatte. Auf einer Tonbandaufnahme, die jetzt im Bargheer Museum zu hören ist, schildert der Künstler das für ihn und seine Freunde erschütternde Erlebnis. Als „Moderner“ sah er sich dem Druck des Nazi-Regimes ausgesetzt und emigrierte Ende der 1930er-Jahre nach Italien.

Die Werke stammen aus dem Nachlass des Künstlers

„Er ahnte, was auf Deutschland an Zerstörung und Leid zukommen würde, bezeichnete sich selbst als Medium“, sagt Dirk Justus, der das Museum im Jenischpark leitet. Regelmäßig zeigt das Haus Werke aus dem Nachlass des Künstlers. Die aktuelle Ausstellung „Krieg und Frieden“ beleuchtet Bargheers künstlerisches Schaffen in der dramatischen Zeit zwischen 1934 und 1954. Im Erdgeschoss sind Gemälde der Vorkriegszeit zu sehen: ein großes Porträt von Dora Panofsky, der Wandbildentwurf „Siedlung“, Staatsauftrag für ein Schulgebäude, sowie das Stilleben mit toter Meise.

Die Aufbruchsstimmung und die Befreiung, die Bargheer empfunden haben muss, als er zum Kriegsbeginn nach Florenz übersiedelte, sind in seinem Werk zu spüren: „Das Licht des Südens“, nennt es Justus. „Und doch wählte er Motive wie den Friedhof am Meer oder Weinbauern, deren Pestizidspritzen auf den ersten Blick auch Gewehre sein könnten.“ Das Bild sei sehr merkwürdig, schrieb Bargheer an die Malerin Gretchen Wohlwill, über ersteres. „Es ist für mich alles das, was ich in Forio erlebte.“

1954 kehrte Bargheer nach Deutschland zurück

Fast alle Aquarelle und Ölbilder, die so eigenartig zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changieren, zeugen von großer symbolischer Kraft. Die Kriegsbilder, auf denen er Unmenschlichkeit, Gewalt und Tod thematisierte („Straßenkampf“, „Massacro“ oder etwa die schwarzen Blumen) ebenso wie die Werke nach 1945: „Ballspieler am Strand“ ist in seiner Expressivität eindeutig von Picasso inspiriert; ihn traf Bargheer auf der Biennale in Venedig.

1954 kehrte der Hamburger Maler nach Deutschland zurück, lebte bis zu seinem Tod 1979 in Blankenese. Die Versöhnung mit seiner Heimat drückte Bargheer, der zwischenzeitlich italienischer Staats- und Ehrenbürger geworden war, in „Landschaft im Eis“, „Kugelbarke“ oder dem documenta-Gemälde „Netzträger“ künstlerisch aus – Bilder ganz ohne Dunkelheit.

„Krieg und Frieden“ bis 26.4., Bargheer Museum (S Klein Flottbek), Hochrad 75 (Jenischpark), Di–So 11.00–18.00, Eintritt 7,-/5,-