Messe

Affordable Art Fair: Große Kunst für kleines Geld

Messedirektor Oliver Lähndorf und Kuratorin Isabel Deimel.

Messedirektor Oliver Lähndorf und Kuratorin Isabel Deimel.

Foto: Michael Rauhe

Vom 14. bis 17. November bieten 80 Galerien in der Hamburg Messe erschwingliche Kunstwerke für Einsteiger und Kenner.

Hamburg.  Topfreiniger, mit farbigem Harz und Acryl ummantelt, ziehen die Blicke in der Messehalle A3 auf sich. Auch schön: Schräg gegenüber dem Kunstwerk „Desertrose“ hat die Berliner Galerie Z22 die Fußböden verschiedener Ateliers gerahmt. Und an einer Wand sind die Skulpturen der Künstlerin Colette Vermeulen montiert; sie wirken wie vergipste Bad-Armaturen. Kunst, die auf dem Boden geblieben ist – diese schöne Metapher passt insgesamt zur Affordable Art Fair. Am Mittwochabend wurde die Messe für „erschwingliche Kunst“ eröffnet.

Zum achten Mal sind in den Messehallen Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler im Wert von 100 bis 7500 Euro im Angebot, präsentieren sich an vier Tagen 80 Galerien aus dem In- und Ausland dem Hamburger Publikum. Die AAF, wie die Kunstkaufmesse sich abkürzt, ist eine Einstiegsmesse: für junge Leute, die schnuppern wollen ebenso wie für Kenner, die aus einer Ansammlung eine Sammlung machen möchten und für Schnäppchenjäger, die etwas ­Dekoratives für ihr Häuschen
suchen.

Bunt, spannend, manchmal auch verwirrend oder verstörend: „Jedes Jahr verändert sich die Messe“, erklärt Chef Oliver Lähndorf sein Konzept. So komme es auch vor, dass heimische Galerien, die seit Jahren vertreten sind, Platz machen müssen für spannende Newcomer aus Kolumbien, Australien oder Südkorea. Hamburg, eine der zehn Metropolen, in denen die AAF stattfindet, habe sich international einen guten Ruf erarbeitet.

Hamburger Messe bietet gleichbleibend hohe Qualität

Das kann Ebenezer Loye von der Galerie „Chiefs & Spirits“ in Den Haag nur bestätigen. „Die Hamburger Messe ist unter allen Affordable Art Fairs die am besten organisierte. Und sie bietet eine gleichbleibend hohe Qualität.“ Die regelmäßige Teilnahme hat ihm viele Stammkunden aus Hamburg beschert. Andere Galerien sind aus früheren Messen mit plus/minus null rausgegangen, können sich aber später über Nachkäufe freuen.

Am Ende laufe es gut für die Künstler, sagt Oliver Lähndorf. Besucher für Neuentdeckungen zu begeistern sei für ihn eine Herzensangelegenheit. „Wie toll ist es, heute eine Arbeit eines vielversprechenden Künstlers aus Leipzig zu kaufen, der dann ein paar Jahre später durch die Decke geht?“ Eine gewisse Furchtlosigkeit sei hilfreich beim Kunstkauf. Die habe ihn auch auf den Posten des Direktors befördert.

Der studierte Kulturmanager war direkt nach seinem Masterabschluss ins Projektteam von F. C. Gundlach berufen worden, um das Haus der Photographie mit aufzubauen. „Sechs Jahre lang haben wir sehr eng zusammengearbeitet, das hat mich geprägt. Er mochte es, wenn man ihm auch mal Kontra gab“, erzählt Lähndorf. Er gründete den Freundeskreis der Deichtorhallen, wurde mit gerade mal 30 Jahren dessen Vorsitzender. Als Veranstalter der Kunstbuchmesse lernte er den Londoner Galeristen Will Ramsay kennen, der die AAF 1999 ins Leben gerufen hatte. Als jemand, „der sich nicht vor Tod und Teufel und auch nicht vor Leuten fürchtet“, habe Ramsay ihm den Hamburger Ableger anvertraut. Mit durchschlagendem Erfolg: Gleich zur Premiere 2012 strömten 14.000 Besucher in die Messe.

30 Prozent der Werke stammen von Künstlerinnen

Dass das aus England transferierte Konzept des „Good Deal“ hier auch so gut funktionieren würde, hätte Oliver Lähndorf nicht gedacht. Anfangs habe er Bedenken wegen der Architektur gehabt, lieber hätte er die Affordable in den Deichtorhallen etabliert. Doch sein langjähriger Mentor prophezeite ihm schon damals: „Bei der Messe denken die Leute sofort ans Kaufen, bei den Deichtorhallen ans Museum.“

Neben Konsum ist es aber vor allem die Nachwuchs- und Standortförderung, die Kuratorin Isabel Deimel seit fünf Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule für bildende Künste (HfbK) vorantreibt. Für das diesjährige „Emerging Artists“-Programm wurden die Studenten Emilia Kubacki, Asana Fujikawa und Malte Stienen ausgewählt, sie sind mit einem eigenen Raum auf der Messe vertreten. Aber auch bekannte Namen wie Regine Schumann, Karin Kneffel, Daniel Richter, Klaus Fußmann und Stephan Balkenhol sind dabei. Dass die Hamburger AAF eine Frauenquote von 30 Prozent hat, freut Isabel Deimel besonders. „Auf dem Kunstmarkt sind nur fünf Prozent der Künstler weiblich.“

Und was rät der Direktor nun Einsteigern beim Kunstkauf? „Es hilft, viel über Kunst zu lesen. Und was ich immer schon gerne gemacht habe: die Rundgänge an der HfbK mitmachen, sich ein Bier nehmen, die Künstler vor Ort kennenlernen. Und natürlich auf Messen gehen. Auf der Affordable Art Fair kann man sich begegnen, mit Kunst auseinandersetzen, sich in Kunst verlieben.“