Hamburg

90 Minuten Vollgas bei Volbeat in der Barclaycard Arena

Volbeat-Sänger Michael Poulsen trat mit seiner Band in der Barclaycard Arena auf.

Volbeat-Sänger Michael Poulsen trat mit seiner Band in der Barclaycard Arena auf.

Foto: Jazz Archiv/Michi Reimers

Publikum zeigt bei Vorbands kaum Reaktion. Erster Song der dänischen Metalband lässt Energielevel jedoch explosiv ansteigen.

Hamburg.  Die Barclaycard Arena vibriert von leisem Stimmengewirr, Menschen drängen sich eng aneinander, die Scheinwerfer erleuchten einzelne Gesichter. Das Publikum steht still, kein Kopfnicken, keine Hände in der Luft. Lethargie. Und das, während die Band Baroness gerade alles gibt, um die Zuschauer zu beeindrucken. Doch die sind nur aus einem Grund hier: wegen Volbeat.

Die Dänen feiern am Montag (und Dienstag) in der ausverkauften Arena den Deutschlandauftakt ihrer „Rewind, Replay, Rebound“-Welttournee. Größer ist besser, daher haben sie gleich zwei exzellente Gäste für das Vorprogramm eingeladen: die kanadischen Garagenrocker Danko Jones und die US-amerikanischen Progressive-Metaller Baroness spielen jeweils 40-minütige Sets. Aber: Die Volbeat-Fans haben wenig Interesse. Mitgefühl kommt auf, als Baroness-Gitarristin Gina Gleason mit dem Headbanging gar nicht mehr aufhört, der Saal aber kaum Reaktion zeigt.

Nach Vorbands steigt das Energielevel

Nach Baroness jedoch wird der Schalter umgelegt. Schon während des Bühnenumbaus schwillt die Lautstärke an, und als Volbeat-Sänger Michael Poulsen die Bühne betritt, explodiert die Stimmung. Dänisches Dynamit. Schon mit den ersten Takten ihres Songs „Leviathan“ erreicht die Band ein Energielevel, das den gesamten Abend nicht mehr abflaut. Da bleibt nicht viel Zeit für große Reden. Außer den üblichen „Make some noise!“-Rufen hält sich Volbeat nicht sehr mit Worten auf. Stattdessen konzentriert sich das Quartett auf die Musik – und die hat es in sich.

Seit 2001 bricht die Band Verkaufsrekorde, hat mit den Alben mehrfach Gold- und Platinstatus erreicht und ist natürlich die wichtigste dänische Metalband. Und die vielleicht eingängigste: Michael Poulsen kombiniert Rock’n’Roll, Metal, Blues, Country und Punkrock mit so simplen wie gewitzten Pop-Melodien.

Rockabilly-Fans treffen auf Metalheads

Diese musikalische Symbiose führt dazu, dass sich sowohl Fans der Rockabilly-Ära als auch Metalheads für Volbeat begeistern können, das Stichwort „Elvis-Metal“, mit dem die Kopenhagener gern bedacht werden, kommt bei Songtiteln wie „Pelvis On Fire“ nicht von ungefähr.

Wohlgemerkt der Elvis aus dem Rennfahrerfilm „Speedway“ (1968), denn Poulsen, Gitarrist Rob Caggiano, Bassist Kaspar Boye Larsen und Schlagzeuger Jon Larsen lassen keine Zeit für Atempausen. Hier gibt es Vollgas, mit 12.000 Zuschauern auf dem Beifahrersitz. „Let It Burn“, „Lonesome Rider“: Die schnellen dynamischen Taktwechsel, der enorme Stimm-Hubraum von Poulsen und ein vollgepacktes Set mit 22 Songs in 90 Minuten lassen den Welterfolg der Band nur folgerichtig erscheinen.

Begeistert reagiert das Publikum auf die Anweisungen des Sängers, die Arme zu heben oder mit dem Handylicht für Stimmung zu sorgen. Schon nach zwei Songs sitzt auf den Rängen kaum noch jemand auf seinem Platz. Das ist feinster Stadionrock.

Viele alte Menschen hier, aber das macht gar nichts

Die musikalische Gradlinigkeit, die Volbeat auszeichnet, lässt sich im Bühnenbild kaum finden. Neongelbe und türkise Flammenränder zieren die Videoleinwände, und Großaufnahmen von animierten Metallketten umrahmen Ausschnitte aus ihren Musikvideos. Hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.

Ob sich Volbeat mit dieser überzeichneten Show-Ästhetik selbst parodieren möchte (Stichwort: Vegas-Elvis), bleibt offen. Humor scheinen die vier Mitglieder aber zu haben. Bevor sie den Song „When We Were Kids“ anspielen, wendet sich Michael Poulsen ans Publikum: „Es scheint so, als seien sehr viele alte Menschen heute Abend hier“, sagt er. „Aber das ist nicht schlimm, schließlich bin ich auch alt.“ Davon ist weder vor noch auf der Bühne etwas zu merken.