Woods Art Institute

Banksy zeigt seine Kunst vor den Toren Hamburgs

Im Woods Art Institute trifft zeitgenössische Kunst trifft auf Artefakte aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Im Woods Art Institute trifft zeitgenössische Kunst trifft auf Artefakte aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Foto: BARTOSZ LUDWINSKI

In Wentorf hat ein Sammlerpaar mit dem Woods Art Institute ein ambitioniertes, privates Ausstellungshaus gegründet.

Wentorf. Willkommen im Speckgürtel. Wenn man mit dem Auto nach Wentorf anreist, steht man am Ortsrand im Stau, wenn man allerdings die 20 Minuten Fußmarsch vom Bahnhof Reinbek auf sich nimmt, durchquert man den Wohlstand der Vororte. Man überschreitet die Bille, dann geht es durch eine schmucke Wohnsiedlung, dann werden die Einfamilienhäuser zu Villen, die Villen zu Schlössern, die Gärten zu Parks.

Nachdem man einen wildschweinzerwühlten Geesthang erklommen hat, steht man unvermittelt vor einem veralgten Schwimmbecken, in dem Goldfischschwärme ihre Runden ziehen. Und auf der angrenzenden Wiese ruhen zwei Körper: Steinskulpturen von Laura Eckert, grob behauene Brocken, die nur durch die arkadisch anmutende Umgebung als Badende erkennbar sind. Kunst.

Hamburger Sammler Rik und Anna-Julia Reinking haben das Woods Art Institute gegründet

Die Hamburger Sammler Rik und Anna-Julia Reinking haben hier, vor den östlichen Toren der Hansestadt, das Woods Art Institute gegründet: einerseits ein klassisches Sammlermuseum, andererseits eine Produktionsstätte mit Ateliers, Gastronomie und Boardinghouse. Um 1900 hatte der Landschaftsarchitekt Rudolph Jürgens hier einen elf Hektar großen Landschaftsgarten mit Baumsammlung angelegt, nach 1945 ging das Gelände in Besitz des Landes Schleswig-Holstein über, das unter anderem eine Sprachheilschule einrichtete.

Das moderne Schulgebäude beherbergt jetzt Reinkings Sammlung: lichtdurchflutete, helle Räume, deren riesige Fensterfronten einen ständigen Dialog zwischen Park, Wald und Kunst ermöglichen. „Ein bisschen erinnert das an das Louisiana-Museum in Humlebaek bei Kopenhagen oder die Fondation Beyeler in Basel“, meint Reinking, was ein wenig hoch gegriffen ist, inhaltlich aber stimmt: Auch der Reiz dieser weltberühmten Häuser erwächst aus ihrem Eingebundensein in die Umgebung.

Im Woods Art Institute finden sich Urban-Art-Arbeiten von Banksy

Manchmal zeigt sich dieses Eingebundensein im Woods Art Institute überdeutlich: Auf einem Gemälde des griechischen Künstlers Dimitris Tzamouranis etwa sieht man einen (leicht verfremdeten) Apfelbaum, und direkt daneben wandert der Blick durch das Fenster auf eine Streuobstwiese. Anderswo ist der Bezug schwerer herzustellen, bei den Urban-Art-Arbeiten von Banksy, bei der lebensechten Nachbildung eines Hoodie-Trägers durch den italienischen Künstler Blu, bei der grafischen Politisierung des kanadischen Kollektivs General Idea. Oder bei den großformatigen Gemälden des Berliner Neorealisten Wolfgang Petrick. Da wird die Einheit von Natur und Kunst aufgegeben zugunsten einer dann doch verhältnismäßig traditionellen Sammlungspräsentation.

Noch ist nicht alles fertig, noch wird noch mit Hochdruck an der Ausstellung gearbeitet. Der Skulpturengarten soll erst nach und nach entstehen. Eine Halbbüste von Hedi Xandt steht noch provisorisch auf einem Transportroller. Der grinsende Totenschädel macht sich da zwar ganz vorzüglich, soll aber noch einen echten Sockel bekommen – aus dem Holz einer kürzlich im Park gefällten Linde, was wiederum auf die angestrebte Einheit von Natur und Kunst verweist.

Für den Ausstellungsbesuch ist eine Anmeldung notwendig

Die Installation „Crackhead“ von Terence Koh besteht aus 222 schwarz gefärbten Schädelskulpturen in einzelnen Vitrinen, aber in einer Ecke scheint ein Unglück passiert zu sein: Ein paar Vitrinen sind zerborsten, der Inhalt liegt auf dem Boden. Eine Inszenierung? Nein, tatsächlich ein Unfall, lacht Reinking. Das könnte man natürlich wieder in Ordnung bringen, aber Koh habe sich das Chaos angesehen und festgestellt, dass das so seiner Intention eigentlich am nächsten komme. Also: bleibt so.

Das ist ein Vorteil der Privatsammlung im Vergleich zu einem öffentlichen Museum: Die Kunst lässt sich verhältnismäßig einfach erweitern. Ein weiterer Vorteil: Man bleibt mit der Kunst nicht alleine. Die Ausstellung lässt sich wie häufig bei Sammlungen nur im Rahmen einer Führung besuchen; das wirkt zwar zunächst umständlich, hat aber zur Folge, dass man beim Rundgang immer einen Ansprechpartner greifbar hat. Und Reinking ist ein ideensprühender Partner, der mit Anekdoten und persönlichen Zugriffen nicht geizt.

Im Keller des Gebäudes befindet sich die ehemalige Schulturnhalle. Auch heute ist sie noch eine Turnhalle, mit Raumtrenner, Seilen und Ringen. Hier ist der zweite Teil von Reinkings Sammlung ausgestellt, der einen Kontrapunkt darstellt zur zeitgenössischen Kunst im Erdgeschoss: Masken, Tanzkostüme, ethnographische Artefakte aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Das passt eigentlich nicht zu Banksy, Pia Stadtbäumer und Patrick Stellmann. Aber gleichzeitig passt es eben auch frappierend gut. Es passt ebenso wie ein Kunstort hierher passt, in den Wald, zwischen Wildschwein und Wohlstand.

Woods Art Institute Golfstraße 5, Wentorf bei Hamburg, Führungen nur nach Vereinbarung über woodsartinstitute.com