Illustrator Timo Zett

Die Stadt Hamburg, festgehalten in Skizzen

Der Zeichner Timo Zett vor einer seiner Zeichnungen.

Der Zeichner Timo Zett vor einer seiner Zeichnungen.

Foto: Roland Magunia

Wie der Gegenentwurf zur Smartphone-Bilderflut gelingt? Das ist ganz einfach, sagt ein Zeichner aus Hamburg.

Hamburg.  „Es sind nur Striche auf Papier“. Timo Zett, Hamburger Illustrator und Grafiker, stapelt etwas tief. Mit diesen „Strichen auf Papier“ hat er ein ganzes Buch gestaltet. „Sketching Hamburg“ heißt es und enthält Ansichten von Hamburg aus einem ganz persönlichen Blickwinkel. Dazu reichte Zett ein schwarzer Fineliner der Stärke F.

Genauer gesagt, waren es etwa 20 der handlichen Stifte sowie vier Skizzenbücher DIN A4. Fünf Monate lang zwischen März und Juli dieses Jahres ist Zett mit seinem Rennrad kreuz und quer durch Hamburg gefahren, hat für ihn unbekanntes Terrain wie den Alsterwanderweg oder die Industrieanlagen in Waltershof erkundet, hat sich an seine Lieblingsplätze gesetzt oder ist mit der Hafenfähre ans südliche Elbufer gefahren und hat dabei mit seinem Stift das festgehalten, was er gerade sieht.

Seine Zeichnungen sind wie ein analoger Gegenentwurf in diesen digitalen Zeiten, wo jedes Motiv per Smartphone festgehalten und eine Bilderflut ohnegleichen erzeugt wird, die in den Sammlungen der Telefone gespeichert wird und von den Benutzern oft nicht wiedergefunden wird, wenn sie hergezeigt werden sollen.

Initialzündung auf einem Segeltörn in Schweden

Zetts 144 Seiten dickes Buch dagegen lässt sich in aller Ruhe durchblättern wie ein Fotoband. Man kann darin schmökern, sich inspirieren lassen und sich in die Details vertiefen, die er festgehalten hat. Er selber sieht „Sketching Hanburg“ als ein Tagebuch voller Momentaufnahmen. Vor vier Jahren hat Zett zum ersten Mal ein Tagebuch gezeichnet. Damals war er mit seinem Vater auf einem Segeltörn durch die schwedischen Schären nach Stockholm unterwegs.

„Ich habe an Bord jeden Tag zwei Doppelseiten gezeichnet und sie später der Familie und Freunden gezeigt. Die Kombination aus Zeichnungen und kurzen Textpassagen funktionierte glänzend als Erinnerung“, erzählt er. Inspiriert wurde Zett auch von „Walden“, einem Outdoor-Magazin, in dem unter anderem auch Reisetagebücher veröffentlicht werden. Auch Zett hat schon für die Zeitschrift gearbeitet, in der Mai-Ausgabe ist das Tagebuch einer Segelreise nach Kopenhagen erschienen.

Spannende Begegnungen

„Ich habe überlegt, welches Thema mehr Leute interessieren könnte als nur meine Freunde und bin dann sehr schnell bei Hamburg gelandet, der Stadt, in der ich lebe und arbeite. Der Junius-Verlag war an dem Projekt interessiert, und dann habe ich im März angefangen“, erzählt der Künstler.

Zett hat sich durch die Stadt treiben und sich auch überraschen lassen. „Immer wieder kam es auch zu spannenden Begegnungen, wenn Menschen mich angesprochen haben und gefragt haben, was ich zeichne. Ich bin aber auch auf Menschen zugegangen. Ich saß zum Beispiel in der Pony-Bar, skizzierte die Sofas und Sessel dort und auch einen Mann, der allein an einem Tisch saß. Er erzählte mir, dass er Franzose sei, in Prag lebe und nach Hamburg gekommen sei, um sich hier auf eine Aufnahmeprüfung für eine Pilotenausbildung vorzubereiten. Solche überraschenden Begegnungen gab es einige.“

Bruder ist im Ensemble des Thalia Theaters

In „Sketching Hamburg“ finden sich Zeichnungen aus dem Millerntorstadion, von einer Techno-Party im Uebel & Gefährlich, einer Kanufahrt durch den Isebekkanal, einem Sommerabend am Elbstrand, Blicke auf die Elbphilharmonie und die Tanzenden Türme, aber auch das Zollenspieker Fährhaus, eine Innenansicht der U 3 und diverser Cafés sowie ein detaillierter Blick in den Hauptbahnhof. „Dort bin ich vier Mal gewesen und habe insgesamt etwa sieben Stunden gezeichnet. Es ist das aufwendigste Bild, das ich jemals gemacht habe“, so Timo Zett. Sein ganzes Buch ist eine Liebeserklärung an Hamburg.

„Ich schätze die enormen kulturellen Möglichkeiten der Stadt. Es gibt in jedem Bereich eine große Vielfalt von großen Theatern und Konzerthäusern bis zu kleinen Off-Bühnen und Clubs“, nennt Zett einen Schwerpunkt. Obwohl er oft ins Thalia Theater geht, wo sein Bruder Jirka seit einem Jahr im Ensemble spielt, kommt das Haus am Alstertor nicht vor. „Es fehlt so vieles“, geißelt Zett sich beinahe, „aber 144 Seiten sind nicht genug, um der ganzen Stadt gerecht zu werden“. Auch seine Band Danube’s Banks taucht nicht auf. Zett ist nämlich nicht nur ein begabter Illustrator, sondern auch ein talentierter Musiker. In der Gypsy-Swing-Kapelle spielt er Rhythmusgitarre - demnächst sogar im Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Mehr Informationen zum Künstler im Internet unter www.timozett.de