Reeperbahn Festival

Sängerin Onejiru: positive afrikanische Rhythmen

Onejiru bei einem Photocall vor ihrem Konzert im Rahmen des Fete de la Musique auf der Dachterrasse des Hotel Indigo am Mercedes Platz. Berlin, 21.06.2019 [ Rechtehinweis: picture alliance/Geisler-Fotopress ]

Onejiru bei einem Photocall vor ihrem Konzert im Rahmen des Fete de la Musique auf der Dachterrasse des Hotel Indigo am Mercedes Platz. Berlin, 21.06.2019 [ Rechtehinweis: picture alliance/Geisler-Fotopress ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Behring/Geisler-Fotopr / picture alliance / Geisler-Fotop

Das Album „Higher Than High“ ist soeben erschienen. Beim Reeperbahn Festival tritt die Hamburger Künstlerin gleich dreimal auf.

Hamburg. Sich von einem fremden Mann schlagen lassen wollte sie nicht. Und attackierte ihrerseits die merkwürdig gekleidete Gestalt vor ihr. „Mir war nicht klar, das es sich dabei um Knecht Ruprecht handelte und die Rute eine deutsche Tradition ist“, erzählt Onejiru lachend. „Das war ein Beispiel für meinen Kulturschock.“ Die Begegnung mit dem Gehilfen des Heiligen Nikolaus liegt jetzt mehr als 20 Jahre zurück. Damals war Pielina Wanjiru Schindler, so Onejirus bürgerlicher Name, als 13-jährige aus Nairobi nach Wanne-Eickel gekommen, wo ihre Mutter einen deutschen Mann geheiratet hatte.

Inzwischen ist die Teenagerin von damals eine respektierte Sängerin und gut vernetzte Aktivistin mit deutschem Pass geworden. „Ich hänge aber immer noch zwischen den Kulturen“, sagt sie. „Ich verstehe mich heute weniger als Afrodeutsche, sondern als Afropolitan, also als urbane Frau, für die die Stadt, in der ich lebe, wichtig ist.“ „Balance“ heißt das Lied, in dem sie das Zwischen-den-Stühlen-Sitzen ausdrückt.

Album „Higher Than High“ ist im August erschienen

Seit 2005 lebt Onejiru in Hamburg, wo sie von Beginn an mit dem Musiker und Produzenten Matthias Arfmann zusammengearbeitet hat. Gerade ist ihr Album „Higher Than High“ auf Arfmanns Label Turtle Bay Country Club erschienen. Es fällt etwas durch das Raster, weil Onejiru nicht vom amerikanischen Soul beeinflusst ist. Ihr musikalischer Kosmos ist vor allem von afrikanischen Rhythmen und Melodien geprägt. Großen Einfluss auf den Sound der Platte hatte der ghanaische Gitarrist Hope Hormeku, der in Kiel lebt, und für die Aufnahmen immer wieder in Arfmanns Studio in Neuenfelde gekommen ist. Sein Instrument ist sehr hell gestimmt, wie das für afrikanische Gitarristen typisch ist.

Und obwohl sie eine kritische und politisch engagierte Frau ist, sind die Texte von Onejiru überwiegend positiv. In „Soulfood“, dem Eröffnungssong, träumt sie von der heilenden Kraft der Musik. „Das mag naiv rüberkommen, aber ich glaube, dass von Musik etwas Positives ausgeht. Das war schon in Woodstock so“, sagt sie. Ihr Song „Jerusalem“ ist dagegen ein metaphorisches Beispiel dafür, wie Zusammenleben nicht gelingt: „Viele Menschen denken, ihr Kulturkreis sei der Beste, aber das ist vermessen.“

Onejiru ist in einigen Hamburger Initiativen aktiv

Onejiru ist in einigen Hamburger Initiativen aktiv, die vor allem Frauen stark machen sollen. Mit „Sisters“, gegründet nach der Ermordung des Mosambikers Adriano in Dessau durch drei rechtsradikale Skinheads, gibt sie Workshops für junge Mädchen; „MusicHHwomen“ ist eine Initiative für Musikerinnen; „eeden“ ein neuer Verein für kreative Frauen, der sich gerade in der Gründung befindet.

Besonders wichtig ist Onejiru die Arbeit für Viva Con Agua, wo sie seit sechs Jahren aktiv ist. „Ich weiß aus meiner Zeit in Afrika, wie wichtig sauberes Wasser für die Lebensqualität ist“, sagt sie und erzählt, wie sie selbst als Mädchen zum Fluss gelaufen ist, um im Eimer Wasser für die Familie zu holen. „Und wehe, du bist nur mit einem halben Eimer zurückgekehrt. Dann gab es richtig Ärger!“