Filmpremiere

Deutschland-Premiere für "Systemsprenger" im Zeise

Den Silbernen Bären hat sie schon: Der Spielfilm "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt ist der deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung 2020 in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film.

Den Silbernen Bären hat sie schon: Der Spielfilm "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt ist der deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung 2020 in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Lang anhaltender Applaus für die Leistung der elf Jahre alten Hauptdarstellerin – die dreht derweil mit Tom Hanks in den USA.

Hamburg. Die Hauptdarstellerin meldete sich per Video. Die elf Jahre alte Helena Zengel, die im Drama „Systemsprenger“ die Titelrolle spielt, konnte am Montag nicht bei der Deutschland-Premiere des Films im Zeise dabei sein, weil sie gerade mit Tom Hanks in den USA einen Western dreht.

Lang anhaltenden Applaus gab es im Kino, wo der Film gleich in zwei Sälen lief, für ihre Leistung und die ihrer Kollegen in dem Film voller emotionaler Wucht. Er zeigt die Odyssee einer Neunjährigen durch verschiedene Erziehungseinrichtungen. Ihre heftigen Wutanfälle sind der Grund dafür, dass niemand sie behalten will.

Im Rennen um den Auslands-Oscar

Der Film ist das Erstlingswerk von Regisseurin Nora Fingscheidt. Er wurde in den Berlinale-Wettbewerb aufgenommen, gewann dort zwei Preise und später bei anderen Festivals noch weitere Auszeichnungen. „Systemsprenger“ geht für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar.

Sie habe schon lange einen Film über ein "wildes Mädchen" drehen wollen, so die Regisseurin. Fingscheidt erzählte, wie sie durch die Begegnung mit einer 14-Jährigen in einer Erziehungsanstalt auf die Idee zum Film gekommen war. „Es war so schockierend für mich, denn die Situation war hoffnungslos. Es wirkte wie eine Endstation des Lebens.“ Es habe sie persönlich berührt und sei gesellschaftlich relevant. Deshalb habe sie angefangen zu recherchieren.

Welches Kind kann diese Rolle spielen?

Die Zusammenarbeit mit Helena sei „ein Geschenk“ gewesen. Ein Jahr vor Drehbeginn habe sie mit dem Casting begonnen. „Ich habe mir Sorgen gemacht und gedacht: Niemals werden wir ein Kind finden, das diese Rolle spielen kann. Und wenn wir doch ein Mädchen finden, werden die Eltern niemals erlauben, dass es das spielen darf.“

Aber sie begann mit der Suche, und Helena war schon das Kind Nummer Sieben, das zum Vorsprechen kam. Fingscheidt reagierte ungläubig. „Ich dachte, das darf doch nicht wahr sein. Michael Haneke hat für ,Das weiße Band‘ 6500 Kinder gecastet. Da kann ich nicht bei Mädchen Nummer Sieben schon aufhören.“

Sechs Monate auf Rolle vorbereitet

Sie hat sich dann noch 150 weitere Mädchen angesehen. „Aber irgendwann habe ich damit begonnen, sie alle mit Helena abzugleichen. Sie hatte Spaß daran, diese Wut zu spielen, die sie aber immer mit einer Not koppeln konnte. Sie war nie die verzogene Göre, sondern hatte immer so eine existenzielle Angst dabei. Das war besonders.“ Sechs Monate hat Fingscheidt die Schülerin dann auf die Rolle vorbereitet und anschließend 67 Tage gedreht.

„Systemsprenger“ kommt am 19. September in die Kinos. Am 16. September gibt es um 20 Uhr eine weitere Vorab-Premiere im Abaton mit Nora Fingscheidt und Michael Schulte-Markwort, dem Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE.