Jubiläum

Ein Wochenende für alle und die Kunst(halle)

Treppenhaus der Hamburger Kunsthalle mit Tages- und Jahreszeitenbildern des Malers Valentin Ruths vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Treppenhaus der Hamburger Kunsthalle mit Tages- und Jahreszeitenbildern des Malers Valentin Ruths vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Foto: Imago

Drei fulminante Ausstellungen eröffnen: Rembrandt, 100 Jahre Hamburgische Sezession und Unfinished Stories.

Hamburg.  „Ich möchte, dass die Kunsthalle ein Treffpunkt aller Künste wird. Das ist mein Motto für die nächsten 150 Jahre.“ Der Enthusiasmus für seine neue Wirkungsstätte war Direktor Alexander Klar deutlich anzumerken, als er am Mittwoch zur großen Jubiläums-Pressekonferenz lud, um das pralle Kulturprogramm vorzustellen: Am Sonnabend und Sonntag feiert die Kunsthalle ihren 150. Geburtstag mit Lesungen, Tanz, Food Trucks, einem Kinder- und Familienprogramm und ganz viel Musik.

Im Nebenberuf Musiker, eine Leidenschaft, die er mit Kunsthallen-Geschäftsführer Norbert Kölle teilt, hat Klar dafür gesorgt, dass in allen Räumen des Hauses Wandelmusik von verschiedenen Interpreten und Orchestern gespielt werden wird, abgestimmt auf die jeweiligen Epochen. Natürlich steht aber die Kernkompetenz der Kunsthalle im Zentrum des Geschehens: Neben der großen Jubiläumsausstellung, die vergangene Woche eröffnet wurde, starten am Freitag gleich drei weitere fulminante Schauen, die die gesamte Spannbreite aufzeigen: „Rembrandt“, „100 Jahre Hamburgische Sezession“ und „Unfinished Stories“.

David Hockney macht Homosexualität zum Thema

Letztere widmet sich dem erzählerischen Potential der Kunst ab 1960. Erst bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass am Eingang zum Sockelgeschoss gar kein Mensch, sondern die lebensecht wirkende Skulptur „Homeless Person“ (1991) des Künstlers Duane Hanson sitzt. Sie begegnet anderen Menschen am Rande der Gesellschaft, so etwa David Hockneys „Doll Boy“ von 1961, ein Gemälde, mit dem der momentan teuerste lebende Künstler auf die Situation Homosexueller hinweisen wollte. Kuratorin Brigitte Kölle fügt dem Ensemble noch die Arbeit von Annette Messager aus dem Jahr 1974 hinzu, die 49 französische Sprichwörter mit frauenfeindlichem Inhalt versammelt hat.

Insgesamt werden mehr als 150 Werke aus der spektakulären Sammlung der Gegenwartskunst gezeigt, darunter Richard Serras monumentales Bleiwerk „Measurements of time“ aus dem Jahr 1996. Jeder einzelne Raum umfasst unterschiedliche Stile und Strömungen, wodurch sie eine enorme Wucht entfalten. So befassen sich Gerhard Richter, Sigmar Polke und Felix Gonzalez-Torres in ihren Porträts mit der Komplexität familiären Zusammenlebens. Vertrautheit und Nähe stehen menschlichen Abgründen und Spannungsverhältnissen gegenüber, die sich in Verwischungen und rasterhaften Darstellungen ausdrücken.

350 Rembrandt-Werke im Kupferstichkabinett

Zeitreise ins 17. Jahrhundert: Mit dem niederländischen Großmeister Rembrandt Harmensz. van Rijn, dessen 350. Todesjahr in vielen Museen der Welt gedacht wird, kann das Kupferstichkabinett so richtig auftrumpfen, gehört die Sammlung von rund 350 druckgrafischen Arbeiten zu den international bedeutendsten. Leiter Andreas Stolzenburg hat eine feine Auswahl an Selbstbildnissen, Porträts, Akten, biblischen Darstellungen, Skizzen und Landschaften ausgewählt, die den Künstler in all seinen Facetten zeigt, darunter das berühmte „Hundertguldenblatt“ (1647-49) sowie „Simeon und Hanna im Tempel“ aus dem Jahr 1627.

Um spannende Begegnungen geht es in der Ausstellung „100 Jahre Hamburgische Sezession“. Kuratorin Karin Schick hat der Sammlung der Klassischen Moderne im ersten Stock 30 Künstlerinnen und Künstler der kurzen, aber intensiv arbeitenden Epoche zugeordnet. So treffen sich etwa die Hamburgerin Anita Rée und der Maler Max Beckmann mit ihren Selbstbildnissen. Ivo Hauptmanns „Porträt Marie Hauptmann“ (1905), aufwändig restauriert und seit Langem erstmals wieder gehängt, steht im Kontrast zu Edvard Munchs „Madonna“ (1893-95) und Wilhelm Lehmbrucks Skulptur „Kleiner weiblicher Torso“ (1900/01). Dorothea Maetzel-Johannsen teilt sich den Raum selbstbewusst mit den „Kollegen“ Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. „Die Ausstellung soll den Blick darauf schärfen, wie bedeutsam die Hamburger Maler waren. Wir können zu Recht stolz auf sie sein“, so Karin Schick.

Aus dem Vollen der Schatzkiste geschöpft

Die Kuratoren haben mit ihren Ausstellungen aus dem Vollen der Schatzkiste Kunsthalle geschöpft, und man merkt, wie viel Spaß ihnen das Neuarrangieren der Sammlungen, auch gerne mal mit einem Augenzwinkern, das Spiel mit Stilen und Epochen macht. Es ist dieser frische Wind, den das Haus so dringend braucht. Mitgebracht hat ihn Alexander Klar, der die Kunsthalle als ein „demokratisches Haus“ und mit „jung, stark, unternehmungslustig“ charakterisiert. Kunst kann und soll Spaß machen.

Auch Kultursenator Carsten Brosda (SPD) bemerkt, dass den Aufbruch am Glockengießerwall „Wir haben viel vor mit den Hamburger Museen. Wir wollen, dass sie einen relevanten Teil der Freizeitgestaltung einnehmen. Dazu müssen wir die Zugangsbarrieren senken.“ Der eintrittsfreie Sonntag, den Broda erst vor Kurzem ins Spiel gebracht hat, wird an diesem Wochenende schon mal Realität.

„Rembrandt“ und „100 Jahre Hamburgische Sezession“ 30.8.–5.1.2020, „Unfinished Stories“ 30.8.–30.8.2020, Kunsthalle (U/S Hauptbahnhof), Glockengießerwall 5, Di–So 10.00–18.00, Eintritt 14,-/8,- (ermäßigt)