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Was das Musikfest Bremen so besonders macht

Thomas Albert, Intendant des Musikfests Bremen.

Thomas Albert, Intendant des Musikfests Bremen.

Foto: Patric Leo / Patrick Leo

Seit 30 Jahren ist Thomas Albert Intendant des hochkarätigen Festivals, das an diesem Wochenende beginnt.

Hamburg.  Kurz vor Festivalbeginn ist der Kalender eines Intendanten natürlich besonders prall gefüllt. Aber Thomas Albert – Geiger, Dirigent, Professor und Kulturmanager in Personalunion – nimmt sich trotzdem Zeit, um für ein Interview nach Hamburg zu kommen. Der Gründer und Leiter vom Musikfest Bremen, das am Sonnabend beginnt, brennt für die Sache. Das ist ihm beim Gespräch in jeder Sekunde anzumerken.

30 Jahre in einer Position, eine lange Zeit, auch in Bremen. So lange hat’s nicht einmal Otto Rehhagel bei Werder geschafft. Wie halten Sie das durch?

Thomas Albert Stimmt, ja (lacht). Ich glaube, der Fitnessraum dafür ist einfach die Musik selbst. Über die Beschäftigung mit dem Stoff hört man noch intensiver, das ist für mich Inspiration pur.

Die erste Ausgabe 1989 war ja noch so eine Art Geheimtipp. Mittlerweile umfasst das Programm fast 50 Veranstaltungen und Gastspiele von Weltstars wie Anna Netrebko oder Teodor Currentzis. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz nach 30 Jahren, was macht das Musikfest aus?

Wir haben viele Premieren von einigen der wichtigsten Figuren der Historischen Aufführungspraxis präsentiert. Im Eröffnungsjahr hat Monica Huggett mit Christopher Hogwood und seiner Academy of Ancient Music das Beethoven-Violinkonzert gespielt, das war die erste Aufführung auf Darmsaiten. Ein fantastisches Konzert! Ich denke auch an John Eliot Gardiner und seine neuen Produktionen mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Wie er 1993 die lange verschollene „Messe solennelle“ von Berlioz wiederaufgeführt hat, werde ich nie vergessen. Ein Moment von musikhistorischer Bedeutung.

In der kontinuierlichen Arbeit mit solchen Interpreten hat das Musikfest Impulse gesetzt und eine generelle Entwicklung der musikalischen Landschaft mitgeprägt ...

Das sehe ich auch so. Vor 30, 40 Jahren wurde das, was große Musiker wie Nikolaus Harnoncourt angeregt haben, teilweise noch für verrückt erklärt. Mittlerweile gehören die Prinzipien dieser Musiker – das Hinterfragen dessen, was in einer Edition steht, die Suche nach der Klangrede, nach dem Gehalt eines Werks – zum Standard der meisten Neuproduktionen. Da hat sich der Markt in einer Weise gedreht, wie es kaum zu erwarten war. Dazu hat sicher auch das Musikfest seinen Teil beigetragen. Mit Aufführungen von Dirigenten wie Harnoncourt, Gardiner und Norrington oder in den letzten Jahren Currentzis, der Anfang September eine konzertante Aufführung von Mozarts „Così“ dirigieren wird.

Damit sind wir beim aktuellen Programm. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr?

Die menschliche Stimme als Vorbild für das Instrument spielt wieder eine wichtige Rolle. Wir haben Sängerinnen wie Anna Netrebko, Diana Damrau oder Marianne Crebassa zu Gast, wir erleben eine „Traviata“ mit Jérémie Rhorer und ein Schätzchen aus der Hamburger Musikgeschichte, mit Christoph Graupners Tragödie „Antiochus und Stratonica“, die 1708 an der Gänsemarktoper uraufgeführt wurde. Aber das Vokale ist natürlich nur einer von vielen Aspekten. Wir machen auch Kammermusik, Klaviersoloabende und sinfonische Konzerte – und es gibt zum 300. Todestag des bedeutendsten Orgelbauers aus der Barockzeit eine Sonderausgabe des Arp-Schnitger-Festivals.

Das war jetzt das im weiteren Sinne „klassische“ Angebot. Zum Abschluss vielleicht noch zwei Sätze zur Reihe „Surprise“ ...

„Surprise“ ist unsere Wundertüte. Da nutzen wir die besondere Atmosphäre im BLG-Forum in der Überseestadt – so eine Art Bremer HafenCity –, um spannende Aspekte der Weltmusik zu beleuchten und uns selbst überraschen zu lassen. In diesem Jahr kommt etwa die phänomenale Trompeterin Yazz Ahmed mit ihrem Quartett und spielt psychedelischen arabischen Jazz.

Musikfest Bremen 24.8.–14.9.