Kinder-Literatur

Das Geheimnis des besten Bilderbuchs der Welt

Szene aus der preisgekrönten Geschichte „Zug der Fische“ von Ulrike Jänichen.

Szene aus der preisgekrönten Geschichte „Zug der Fische“ von Ulrike Jänichen.

Foto: Ulrike Jänichen

Zum ersten Mal wird der mit 12.000 Euro dotierte Hamburger Bilderbuchpreis verliehen – er geht an Ulrike Jänichen aus Halle.

Hamburg. Warum können Dreijährige nicht genug von den Geschichten rund um Elmar, den bunt karierten Elefanten, bekommen? Weshalb lachen Kinder über die Streiche von Max und Moritz, ohne die Geschichten dazu zu kennen? Bücher anzusehen ist schon lange bevor man die vielen Buchstaben entziffern kann, ein großes Vergnügen. Eben weil die schönsten Bilderbuchgeschichten einfach für sich stehen. Oder, um es mit dem Leitsatz des Bilderbuchhauses im Altonaer Museum zu sagen: „Das Lesenlernen beginnt mit dem Lesen der Bilder.“

Um so besser, wenn dann auch noch Worte hinzukommen, die fantastische, abwegige, zu Herzen gehende Geschichten erzählen. Das beweisen Hunderte eingereichte Manuskripte, durch die sich die Jury des Vereins Neues Bilderbuch gearbeitet hat.

Mit Poesie auf aktuelle Ereignisse beziehen

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der mit 12.000 Euro dotierte Hamburger Bilderbuchpreis international ausgeschrieben. Der Großteil der Wettbewerbseinreichungen stammt – wenig überraschend – aus Deutschland. „Es waren so viele überragende Projekte dabei, dass wir die zehn Finalisten auf der Shortlist noch um fünf weitere ergänzt haben“, sagt Dagmar Gausmann.

Zusammen mit Kultursenator Carsten Brosda (SPD) empfängt die Geschäftsführerin und Programmleiterin des Kinderbuchhauses am Donnerstagabend die ausgezeichneten Autoren und Illustratoren zur Feier im Altonaer Museum. Ulrike Jänichens „Zug der Fische“ hat die Jury am meisten überzeugt; die Illustratorin aus Halle erhält den Hamburger Bilderbuchpreis 2019.

Die Geschichte eines kleinen Mädchens in der Ukraine, das bei seiner Großmutter lebt, weil die Eltern die meiste Zeit in Italien verbringen, um dort Geld zu verdienen, sei ein „modernes Märchen“, so Gausmann. „,Zug der Fische’ ist eine der wenigen Geschichten, die auf aktuelle Ereignisse Bezug nehmen, ohne ihre Poesie zu vernachlässigen.“ Das Buch soll im Sommer 2020 im Carlsen Verlag erscheinen.

Ein einzigartiger Pool an Kreativen

Wie wir es schaffen, friedlich miteinander zu leben, thematisiert die Hamburger Illustratorin Franziska Meiners in ihrer fantasievoll gestalteten Geschichte mit dem Titel „Home“. Ebenfalls auf der Bestenliste: die Britin Tess Smith-Roberts mit ihrem popkulturellen Buchprojekt „Missed Connection“.

Als Kunsthistorikerin gehe sie zwar immer vom Bild aus, so Dagmar Gausmann. „Doch ein besonderer Glücksfall ist es, wenn Autor und Illustrator sich in einer Person vereinen“, wie etwa Birte Müller („Planet Willi“) oder Torben Kuhlmann mit seiner Mäuse-Reihe (Armstrong, Lindbergh, Edison).

Vor 14 Jahren gründete sie das Haus im Altonaer Museum, um eine Lücke in der Szene zu schließen: „Hamburg ist eine Hochburg für Bilderbuchproduktion und -illustration. Allein die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) bringt jede Menge Talente hervor. Es ist einzigartig, welchen Pool an Kreativen wir hier haben.“

Karriere-Sprungbrett Kinderbuchhaus

Das Kinderbuchhaus will Forum und Begegnungsstätte sein – für Künstler, Autoren und Verlagsagenten, es will präsentieren und inspirieren. Schließlich wird der Markt größer, werden die Ansprüche an heutige Produzenten immer höher. Wie die Bilderbücher dann tatsächlich beim Konsumenten, also bei den jüngsten Lesern ankommen, ist nochmal eine ganz anderes Thema als der Preisbetrieb. Im Fall des Hamburgers Torben Kuhlmann bewies das Kinderbuchhaus ein gutes Gespür für Bestseller: Die Karriere des Hamburgers nahm mit der Einzelausstellung in Altona 2016 richtig Fahrt auf.

Auch die Angebote für Kitas, Schulen und Pädagogen sind ein guter Gradmesser dafür, was ankommt oder eben nicht. Wie eine Geschichte entwickelt wird, die ersten Skizzen entstehen oder ein Buch gebunden wird, erklären Experten in den Werkstätten; oft stellen Künstler selbst ihr Buch vor. „Zu erfahren, dass von vornherein nicht alles perfekt gezeichnet sein muss, nimmt Kindern und Jugendlichen die Scheu, selbst kreativ zu werden“, erklärt Sprecherin Mareen Zschichold.

Ergänzt wird die Ausstellung um Bilderbücher, die in den vergangenen zehn Jahren mit wichtigen Kinderliteraturpreisen ausgezeichnet wurden.