Hamburger Kunstmarkt

Nach 49 Jahren: Thomas Levy schließt seine Galerie

Die Türen für das Publikum sind geschlossen, aber das 50. Jubiläum soll nächstes Jahr trotzdem gefeiert werden.

Die Türen für das Publikum sind geschlossen, aber das 50. Jubiläum soll nächstes Jahr trotzdem gefeiert werden.

Foto: Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Levy Galerie in der Osterfeldstraße war – mit Künstlern von Man Ray bis Mel Ramos – eine Institution im Hamburger Kunstbetrieb.

Hamburg.  Am Hofweg auf der Uhlenhorst muss in den 1970er-Jahren die Post abgegangen sein: Modeläden, Kneipen und Tanzlokale schossen aus dem Boden. Mittendrin der Hamburger Thomas Levy mit seiner Galerie Artoma und dem Faible für moderne und surreale Kunst. René Magritte, Salvador Dalì, Victor Brauner, aber allen voran Man Ray: „Der Künstler, der mich immer am meisten fasziniert hat und den ich auch noch persönlich kennengelernt habe“, sagt der heute 72-Jährige.

„Bye bye Osterfeldstraße“ – der Anlass für das Gespräch ist Veränderung. Wieder mal. Nach 49 Jahren Galeriebetrieb, unzähligen Ausstellungen, einigen Ortswechseln und einem Namenswechsel hat die Levy Galerie nun ihre Türen geschlossen – eine Instanz in Hamburg mit internationaler Strahlkraft.

Levy präsentierte den Hamburgern Henry Moore, Mel Ramos und Helmut Newton

Obwohl er lieber nach vorn als zurück blickt, erinnert sich Thomas Levy an viele prägende Begegnungen. Neben Man Ray war es vor allem die Künstlerin Meret Oppenheim, die das Ehepaar Traute und Thomas Levy beeindruckte. „Sie war auf Einladung der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, und ich dachte: Dann müssen wir doch auch eine Ausstellung über sie machen. So entstand meine erste Meret-Oppenheim-Schau im Jahr 1978. Und wir haben sie bis zu ihrem Tod vertreten. Sie sah toll aus, später mit ihren kurz geschorenen Haaren. Meret Oppenheim war immer sehr emanzipiert. Ihre Liaison mit Max Ernst beendete sie, um sich von seinem Einfluss zu befreien. Eine Theoretikerin, auf die sich auch viele Künstler der nachfolgenden Generationen bezogen haben.“

Mit dem Umzug in die Magdalenenstraße erhöhte sich auch die Schlagzahl der Ausstellungen: Fast monatlich präsentierte Levy eine neue Künstlerin oder einen neuen Künstler: Paul Wunderlich, David Hockney, Marc Chagall, Joseph Beuys. Ihre Glanzzeit erlebte die Galerie ab 1977: In dem fünfstöckigen Haus an der Tesdorpfstraße wurde die legendäre Schau zur „Deutschen Kunst 1900-1930“ gezeigt. Man stellte Helmut Newton und Sarah Moon aus. Für großes Aufsehen sorgten die Großplastiken von Henry Moore auf der Moorweide 1980. In den 80er-Jahren wurden Filialen in Paris und Madrid eröffnet. 1994 kam die Pop Art mit Künstlern wie Mel Ramos und Allen Jones dazu.

"Eigentlich verwalte ich nur noch Nachlässe", sagt Levy

Die Tesdorpfstraße erreichte fast museale Verhältnisse: „Um die Räume mit einer Einzelausstellung zu Lyonel Feininger zu füllen, brauchten wir an die 200 Werke des Malers – heute unvorstellbar. Die Leih- und Versicherungsgebühren...“. Thomas Levy winkt ab. Wie heute alle sechs Wochen eine kleine Ausstellung zu zeigen, davon könne man nicht mehr leben. Hamburg sei ohnehin sehr ruhig geworden, was die Kunstszene angeht. Die bildende Kunst habe es immer schwer gehabt in der Musikstadt Hamburg. „Hinzu kommt, dass viele der Künstler, die wir vertreten haben, mittlerweile tot sind: Mel Ramos, Friedrich Einhoff. Eigentlich verwalte ich nur noch Nachlässe“, sagt Levy mit traurigem Lächeln.

Deshalb hat er sich zu diesem Schritt entschlossen. Mehrgleisig ist der „alte Levy“, wie er sich selbst nennt, aber schon längere Zeit gefahren: Er hat mit einem kleinen Team Kataloge für Museen produziert, Werkverzeichnisse geschrieben, externe Ausstellungen organisiert. Für das Nannen-Museum in Emden kaufte er die Sammlung an. So ist der Galeriebetrieb immer mehr dem musealen Geschäft gewichen.

Hamburg bleibt Schaltzentrale für "den alten Levy"

Mit seinem Artoma Kunst- und Kulturmanagement besinnt sich Thomas Levy nun auf seine Anfänge. Hamburg bleibt Schaltzentrale des Unternehmers, dessen Schwerpunkt die Ausstellungsorganisation für andere Museen sein wird. Aktuell steht daneben die Aufarbeitung des großen Friedrich-Einhoff-Nachlasses an. Bei seinem Sohn Alexander, der in Berlin einen Levy-Galerieableger mit Schwerpunkt auf junge, von Ólafur Elíasson zu Naturthemen inspirierte Künstler betreibt, will er künftig Ausstellungen in losen Abständen zeigen.

Im November steht dort schon eine große Schau über Meret Oppenheim an. Da kann Thomas Levy aus dem Vollen schöpfen; der umfassende Sammlungsnachlass ist sein größter Schatz. Gerade sei die Künstlerin wieder sehr gefragt: Im kommenden Jahr zeigt das Picasso Museum in Màlaga ihre „Cosmic Cycles“. Auch dafür wird Levy Leihgaben zur Verfügung stellen.

Das 50. Jubiläum soll trotzdem gefeiert werden

Und auch, wenn im kommenden Jahr die Hamburger Levy Galerie nicht mehr existiert, soll das 50. Jubiläum gefeiert werden: „Wir werden ein großes Fest zusammen mit unserem Künstler Daniel Spoerry geben, der dann 90 Jahre alt wird“, erzählt Thomas Levy mit großer Begeisterung. Als Location hat man sich den für diesen Herbst angekündigten Skulpturengarten Woods Art Institute des Sammlers Rik Reinking in Wentorf ausgesucht. Das eine geht, das andere kommt. So schließt sich der Kunstkreis.