Interview

Til Schweiger dreht wieder: Tatort Neuwerk

Schauspielstar Til Schweiger (55) ist jetzt Schuhbotschafter. Noch interessanter ist, was er über den „Tatort“ zu sagen hat.

Schauspielstar Til Schweiger (55) ist jetzt Schuhbotschafter. Noch interessanter ist, was er über den „Tatort“ zu sagen hat.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der Schaupieler will an seinem „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller ganz neue Seiten entdecken – ausgerechnet auf Neuwerk.

Hamburg.  Es ist Mittag, wir befinden uns im Barefood Deli an der Lilienstraße. Zwischen zwei Interviews macht der Schauspieler, Regisseur und Produzent Til Schweiger eine kleine Pause und wird von zwei Restaurant-Besuchern entdeckt, die sich unbedingt mit ihm zusammen fotografieren lassen möchten. Einer der beiden verabschiedet sich danach überschwänglich. „Machen Sie weiter so! ,Manta, Manta‘ war großartig!“

Schweiger lächelt, wenn auch etwas gequält. „Manta Manta“ wurde vor 28 (!) Jahren gedreht und im Übrigen von der Kritik weitgehend verrissen. In diesem April dreht der 55-Jährige einen neuen NDR-„Tatort“ auf Neuwerk. Darin, so erzählt Schweiger, soll sein Kriminalhauptkommissar Nick Tschiller, bisher ein Haudrauf, der erst schießt und dann fragt, ein anderer werden. Nämlich ruhiger, nachdenklicher: Er arbeitet auf Neuwerk mit Jugendlichen, die einen schwierigem sozialen Hintergrund haben.

Herr Schweiger, vor wenigen Tagen haben sie erst ein neues Schuhmodell vorgestellt, aber nun ist zu hören, dass Sie wieder einen „Tatort“ drehen. Auch interessant ...

Til Schweiger Das Team hat am 19. März in Hamburg schon angefangen. Er wird „Tschillout“ heißen, den Titel finde ich großartig. Ich arbeite darin auf Neuwerk mit schwer erziehbaren Jugendlichen und warte auf mein Disziplinarverfahren zu meinem nicht genehmigten Trip nach Istanbul und Russland im ­Kino-„Tatort“.

Sie drehen bis zum 16. April auf Neuwerk, einer sehr kleinen Insel. Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?

Nein, ich wusste gar nicht, was das bedeutet, aber jetzt langsam dämmert es mir.

Und Nick Tschiller verändert sich ein ­wenig?

Schon bevor wir den Film gedreht haben mit Tschillers Kampf gegen das organisierte Clan-Verbrechen, haben wir gesagt, wir brauchen einen neuen Gegner. Was wir an Action im Kino-„Tatort“ abgebrannt haben, können wir gar nicht mehr überbieten. Tschiller macht deshalb einen Neuanfang.

Mit mehr Humor?

Es gibt auch ein paar Lacher.

Macht es Ihnen Spaß, diese eher untypische „Tatort“-Ermittlerfigur in die neue Richtung zu entwickeln?

Sie macht mir generell Spaß. Nach all der Action müssen wir uns jetzt mal wieder etwas Neues einfallen lassen. Ich werde ja auch nicht jünger. Was Regisseur Christian Alvart mit seinem kleinen Budget in den Filmen davor auf die Beine gestellt hat, war sensationell. Trotzdem habe ich mir für den Relaunch jetzt Eoin Moore als Regisseur gewünscht. Mein Lieblings-„Tatort“ ist nämlich der „Polizeiruf 110“ aus Rostock, den er inszeniert.

Wer spielt sonst noch mit?

Laura Tonke spielt die Leiterin des Jugendheims. Ben Münchow wird in einer Hauptrolle zu sehen sein. Die Tochter des Regisseurs, Zoe Moore, spielt auch mit. Und Simon Frühwirth ist mit dabei. Als Sendetermin ist zurzeit der Januar angedacht.

In vielen Ihrer Filme spielen Ihre Töchter mit – auch hier Luna. Es sieht aber so aus, als ob keine von ihnen Schauspielerin werden wolle. Sind Sie enttäuscht?

Sie haben nie gesagt, dass das ihr Ziel ist. Ich habe meine Kinder nie dazu gedrängt, sie hatten einfach Lust. Das habe ich vorher immer getestet. Für mich war es eine tolle Sache, weil ich mit ihnen zusammenarbeiten konnte. Und sie konnten sehen, dass es nicht nur Spaß ist, was der Papa macht, sondern harte Arbeit. Es war eine tolle Zeit. Ich habe ihnen immer gesagt, ihr müsst euch genau überlegen, was ihr mit eurem Leben machen wollt. Entscheidend ist nicht, dass der Job einen reich macht, sondern dass die Arbeit Spaß macht und euch erfüllt. Was das ist, ist völlig egal. Wenn man das schafft, zählt man schon zu den Glück­lichen.

Im Juni kommt Ihr neuer Film „Berlin, I Love You“ mit Keira Knightley, Helen Mirren und Mickey Rourke in die Kinos. Wie sehen Ihre weiteren Pläne für die große Leinwand aus? Denken Sie auch über Serien nach?

Wir haben Ideen für zwei Serien. Aber das heißt ja noch nicht, dass daraus auch ein gutes Drehbuch wird. Und eine gute Serie zu konzipieren ist ungleich schwerer als einen Kinofilm. Erst einmal ist aber jetzt „Klassentreffen 2“ dran. Wir haben auch zwei andere Kinostoffe in Entwicklung, aber über die möchte ich noch nicht reden.

Wenn Sie, wie im „Tatort“, nur vor der Kamera stehen, bricht da nicht manchmal der Regisseur in Ihnen durch?

Eigentlich war der Grund dafür, dass ich hinter die Kamera gegangen bin, dass ich so viele Ideen hatte und die Regisseure damit belatschert habe. Einige haben mal eine meiner Ideen aufgenommen, andere haben gesagt: Das ist mein Film. Das muss man dann auch akzeptieren. Ich bringe mich trotzdem ein, aber ich gehe nicht ans Set und sage: Moment mal, ich bin auch Regisseur. Das machen wir jetzt mal ganz anders. Ich hätte beim neuen „Tatort“ selbst Regie führen können, das wollte ich aber nicht. Erstens habe ich ohnehin genug zu tun. Zweitens hatte ich Angst, dass ich mich mit dem Budget verzettele. Bei Kinofilmen gehe ich immer volles Risiko und stecke alles Geld hinein, das ich habe, und hoffe, dass es erfolgreich wird. Wenn man als Fernsehproduzent das Budget überzieht, muss man selbst zahlen.

Wenn Sie jetzt erste Anzeichen des Alterns registrieren, hat das dann Auswirkungen auf Ihre Rollenauswahl?

Das hat es automatisch. Mein Vater hat früher immer zu mir gesagt: Irgendwann bist du nicht mehr so hübsch, und dann kannst du diese Rollen nicht mehr spielen. Ich habe ihm geantwortet: Dann spiele ich eben Väter und später Groß­väter.

Von Opa-Rollen sind Sie aber wohl noch ein Stück entfernt, oder?

Aber nicht mehr so weit.

Und wie kommt es, dass Sie jetzt Markenbotschafter für eine Schuhfirma sind?

Ich habe schon einmal Schuhe entworfen, Anfang der Nullerjahre für Birkenstock. Das war sehr erfolgreich und hat viel Spaß gemacht. Mein älterer Bruder Florian hatte vor Kurzem den Sioux-Geschäftsführer Lewin kennengelernt.

Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu Schuhen?

Eigentlich nicht. Im Film trage ich meistens Boots, privat fast immer Jeans und Sneakers. Jetzt freue ich mich auf den von mir designten Biker-Boot mit Kreppsohle, der ist enorm bequem.

Wie passt das eigentlich zu Ihrem „Barfuß“-Film?

(Lacht) In Deutschland ist das Wetter ja meistens leider nicht so, dass man barfuß herumlaufen kann. Auf Mallorca mache ich das aber gern. In meinen Schuhen zu gehen ist aber fast wie barfuß zu laufen.