Konzert

Billy Cobham, eine lebende Legende im Stage Club

Drummer Billy Cobham gilt als lebende Legende - hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2017.

Drummer Billy Cobham gilt als lebende Legende - hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2017.

Foto: Imago/Oliver Schaper

75 Jahre ist er mittlerweile, und der Amerikaner ist immer noch einer der besten Jazz-Schlagzeuger auf der Welt.

Hamburg.  Es ist gar nicht so einfach, einen großen Schlagzeuger zu würdigen, wenn man in Branford Marsalis’ Quartett gerade den erst 27 Jahre alten Justin Faulkner erlebt hat, der aktuell das Nonplusultra ist. Dieses Prädikat traf Anfang der 70er-Jahre auf Billy Cobham zu, als er für Miles Davis, das Mahavishnu Orchestra und in seinen eigenen Bands trommelte.

Am 16. Mai wird Cobham 75, und er gehört, genialischer Nachwuchs hin oder her, immer noch zu den Besten. Doch die Energie eines Twens besitzt der Senior verständlicherweise nicht mehr. Für die Zuhörer im proppevollen Stage Club war sein Auftritt dennoch ein lohnender Abend, Cobham mit seinem Crosswind Project zu erleben.

Im ersten Teil knüpfte Cobham an die 70er-Jahre an, als er zu den maßgeblichen Musikern gehörte, die den sogenannten Jazzrock kreierten. Mit einem vorwärts rollenden Funkbeat legte er einen Teppich für die Solisten aus. Damals waren das John McLaughlin, Jan Hammer, Jerry Goodman und später der Keyboarder George Duke, in seiner aktuellen Band sind das der Pianist Scott Tibbs und der Gitarrist Fareed Haque.

Enge des Stage-Clubs sorgte für Intensität

Vor allem Tibbs erinnert in seinem Spiel an Jan Hammer, den virtuosen Keyboarder des Mahavishnu Orchestra. Cobham führte das Publikum in diese Zeit zurück, als der Jazz elektrisch wurde und er selbst mit dem Album „Spectrum“ glänzte. Schon immer beanspruchte der afroamerikanische Schlagzeuger viel Raum für sich, auch durch die Dimension seines Schlagzeugs. Das war im Stage Club nicht anders. Seine Trommeln und Becken nahmen die Hälfte der nicht sehr großen Bühne ein. Tibbs, Haque, Fagottist Paul Hanson und Bassist Tim Landers blieb da nicht sehr viel Bewegungsfreiraum.

Doch diese Enge schaffte auch Intensität; die nutzte das Quintett. Zwar bekamen die Zuhörer viele Beispiele für Cobhams nicht nachlassende Virtuosität, doch das Konzert wurde nicht zu einer Ein-Mann-Schau des Bandleaders. Auch die anderen Musiker hatten genügend Raum. Nach der Pause klang die Band weniger funky und lotete mehr Möglichkeiten des zeitgenössischen Jazz mit ruhigen Passagen und vertrackter Melodik aus. Am Ende des mehr als zweistündigen Club-Konzerts sah man zufriedene Gesichter. Man hatte eine Legende erlebt.