Knapp 250 Veranstaltungen

Orgeljahr in Hamburg: Was dahinter steckt

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan Haarmeyer
Freuen sich auf das Orgeljahr in Hamburg: Kultursenator Carsten Brosda (v.l.n.r.), Kirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf und Jacobi-Organist Gerhard Löffler in St. Jacobi mit einer der weltweit bedeutendsten Arp-Schnitger-Orgeln.

Freuen sich auf das Orgeljahr in Hamburg: Kultursenator Carsten Brosda (v.l.n.r.), Kirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf und Jacobi-Organist Gerhard Löffler in St. Jacobi mit einer der weltweit bedeutendsten Arp-Schnitger-Orgeln.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Möglichst viele Hamburger sollen die Königin der Instrumente genießen können – und das bei rund 900 Veranstaltungen.

Hamburg.  Mit mehr als 300 Orgeln in allen Größen und aus allen Epochen zählt Hamburg zu den führenden Orgelstädten weltweit. Sie erklingen an 365 Tagen nicht nur in Kirchen und Konzertsälen, sondern auch in Schulen, Privathäusern und – in Gefängnissen. Zum 300. Todestag des bedeutenden Hamburger Orgelbauers Arp Schnitger, der in Hamburg-Neuenfelde seine Werkstatt hatte und in der dortigen St. Pankratius Kirche seine letzte Ruhestätte fand, wird 2019 in Hamburg zum Orgeljahr.

„Die Orgel gehört zu den vielseitigsten Instrumenten und wird nicht umsonst die Königin der Instrumente genannt“, sagte Kultursenator Carsten Brosda, der gemeinsam mit Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf auf die Orgelempore der St. Jacobi Kirche geladen hatte. Und fügte lächelnd hinzu. „Sie ist wohl die einzige Monarchin, die Hamburg jemals zugelassen hat.“

Von Elbjazz bis zur Kirche St. Jacobi

Zuvor hatte sich Brosda bei Gerhard Löffler bedankt. Der Kantor und Organist von St. Jacobi hatte die Gäste auf der Arp-Schnitger-Orgel mit dem Praeludium in C von Dieterich Buxtehude auf die Pressekonferenz eingestimmt. „Das sollten wir öfter machen, anstatt nur über Kultur zu reden“, sagte Brosda. „So sehen wir, welche Kraft in diesem Instrument steckt.“ Brosda verglich das großartige Klang-Erlebnis mit einer „musikalischen Ganzkörpermassage“.

Und die sollen möglichst viele Hamburger in diesem Jahr genießen können. Von Elbjazz bis zur Kirche St. Jacobi, vom Museum für Kunst und Gewerbe bis zur Elbphilharmonie, vom Orgel Open Air bis zum Late Night Orgelkonzert – der Verein Orgelstadt Hamburg hat zusammen mit zahlreichen Unterstützern ein vielfältiges Programm mit rund 900 Veranstaltungen zusammengestellt.

Klassische Orgelkonzerte und zeitgenössische Formate

Mit zahlreichen Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen sowie einer interaktiven Website will die Stadt in 2019 für die Vielfalt der Orgelmusik begeistern. Dabei kann sich das Publikum auf klassische Orgelkonzerte, aber auch auf zeitgenössische Formate und spannende Blicke hinter die Kulissen freuen.

„Das Orgeljahr 2019 lebt von den Ideen, der Kreativität und dem Einsatz all derer, die in den unterschiedlichsten Veranstaltungsformen und an den unterschiedlichsten Orten die Faszination der Orgel erlebbar machen wollen“, sagte Hans-Jürgen Wulf, Landeskirchenmusikdirektor.

Ausgangspunkt der deutschen „Orgelbewegung“

Die Arp-Schnitger-Orgel in St. Jacobi von 1693 steht dabei an zentraler Stelle. „Sie ist das größte erhaltene Instrument seines Erbauers, das Pfeifenwerk ist weitgehend original“, sagte Gerhard Löffler. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts von Hans Henny Jahnn wiederentdeckt, wurde sie zum Ausgangspunkt der deutschen „Orgelbewegung“. Dieser so wichtigen Zeit für die Entwicklung der Orgelkunst, der Restaurierung der Orgel durch Jürgen Ahrend (1989-1993) und nicht zuletzt den prominenten ehemaligen Jacobi-Organisten Heinz Wunderlich und Rudolf Kelber wird jetzt Rechnung getragen mit der Reihe „Historische Orgelkonzerte“.

Löffler erinnerte an Johann Sebastian Bach, der sich 1720 für das Organistenamt an der Hauptkirche St. Jacobi interessiert hatte. „Darum werden im Hamburger Orgelsommer in St. Jacobi renommierte Organisten aus der ganzen Welt seine Musik in einen Dialog treten lassen mit der Musik seiner Vorläufer und Zeitgenossen.“