Hamburger Autorin

„Geschichten schreiben ist wie Schokolade essen“

Die Kinderbuch-Autorin Cornelia Funke neben ihrer Illustration Drachenreiter im Günter-Grass-Haus in Lübeck anlässlich der Sonderausstellung "Cornelia Funke: Eine andere Welt" 2014

Die Kinderbuch-Autorin Cornelia Funke neben ihrer Illustration Drachenreiter im Günter-Grass-Haus in Lübeck anlässlich der Sonderausstellung "Cornelia Funke: Eine andere Welt" 2014

Foto: Maja Hitij / dpa

Cornelia Funke liebt Drachen und Drachen-Geschichten. Ihre Gesamtauflage liegt bei 26 Millionen. Jetzt feiert sie Geburtstag.

Malibu/Hamburg.  Ihre zwei Hunde, Notizbücher, Fotos und einen Koffer mit ihren Lieblingsbüchern hatte Cornelia Funke dabei, als sie vor kurzem ihr Haus im kalifornischen Malibu verlassen musste. Bücher sind ein Lebenselixier der Bestseller-Autorin, die am 10. Dezember 60 Jahre alt wird. Ob sie ihren Geburtstag wieder in ihrem Zuhause feiern kann, einer 2,5 Hektar großen verwilderten Avocado-Farm, ist aber noch unsicher. Vorerst hat sie sich vor den verheerenden Waldbränden in Sicherheit gebracht.

Funke, die im westfälischen Dorsten zur Welt kam und lange in Hamburg gelebt hat, ist eine der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Mit ihren Lesern taucht sie tief in geheimnisvolle Fantasiewelten ein. In ihren Romanen lässt sie niedliche Kobolde, schalkhafte Geister, dunkle Feen und pfiffige Drachen lebendig werden.

Ihre Gesamtauflage liegt bei 26 Millionen

Mehr als 50 Bücher hat sie geschrieben, sie sind nach Angaben des Oetinger-Verlags in einer Auflage von insgesamt 26 Millionen in rund 50 Sprachen erschienen. Wer ihre fabelhaften Zauberwelten liebt, liest die Drachenreiter-Serie, „Herr der Diebe“, die Tintenherz-Trilogie oder ihre Reckless-Reihe.

Sie schreibt parallel an mehreren Büchern. Und - so erzählt sie es ihren Fans - sie hat immer Lust zum Schreiben: „Schreiben ist für mich wie Schokolade - es braucht keine Motivation, die zu essen.“ Am liebsten erzählt sie Drachen-Geschichten.

Die Erstfassung ihrer Geschichten schreibt sie mit der Hand

Beim Schreiben trinkt sie gerne Espresso oder Tee an ihrem Schreibtisch in einer umgebauten Scheune. Daneben steht außer Schokolade oft ein Schälchen Gummibärchen. Die erste Fassung ihrer Werke schreibt sie per Hand in ihre Skizzenbücher. Doch bevor sie mit dem Erzählen beginnt, skizziert die gelernte Illustratorin darin erst einmal die Figuren, immer wieder ergänzt um deutsche und englische Notizen und Kommentare.

Seit 2005 lebt sie in Kalifornien. Wie groß der Schaden ist, den die Waldbrände auf ihrem Grundstück angerichtet haben, weiß sie noch nicht. Bislang konnte sie noch nicht zurückkehren. Es sei schrecklich gewesen, nur weniges mitnehmen zu können, schrieb sie ihren Fans auf ihrer als Schreibstube eingerichteten Homepage. Ihre Esel Zorro und Esperanza sowie ihre sechs Pekingenten aber seien in Sicherheit. Und sie fügt an: „Ich weiß noch nicht, wie sich das alles in meinen Büchern wiederfinden wird.“

Als Illustratorin fing sie an

Anfangs arbeitete Funke als Illustratorin für Kinderbücher - eine Arbeit, die sie dazu anregte, selbst Geschichten für junge Leserinnen und Leser zu schreiben. 1988 erschien dann ihr erstes eigenes Bilderbuch „Die große Drachensuche“. Mit der Reckless-Reihe setzt sie den Gebrüdern Jacob und Wilhelm Grimm und ihren Märchen ein Denkmal. Derzeit schreibt sie am vierten Band der Reihe.

Als Kind wollte sie als Astronautin in andere Welten reisen. Dies tut sie heute auch noch irgendwie - eben mit Papier und Bleistift, die „ein zuverlässigeres Transportmittel“ sind, wie sie sagt.

Drachen sind auch ihre Sammelleidenschaft

Die Faszination für liebevoll und detailliert gezeichnete und beschriebene Drachen zeigt sich nicht nur in ihren Skizzenbüchern, die 2017 in einer Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe gezeigt wurden, sondern auch in ihrem Zuhause: Dort sammelt sie Drachen aller Art, egal ob klein oder groß, ob aus Stoff, Papier oder Porzellan.

Für ihre Bücher wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache, dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis und dem Evangelischen Buchpreis. Zahlreiche Werke wurden fürs Kino verfilmt, darunter auch „Die wilden Hühner“ und „Hände weg von Mississippi“. Derzeit ist eine Animationsverfilmung von «Drachenreiter» in Arbeit.

Ihre Themen sind Freundschaft und Solidarität

Zu den zentralen Themen ihrer Werke zählen Freundschaft und der Gedanke „gemeinsam sind wir stark“. Daher weist sie es auch als Mythos zurück, dass Schriftsteller Eigenbrötler und einsam seien. Ihre freie Zeit verbringt die Frau mit den blauen Augen, den langen blonden Haaren und dem offenen Lachen am liebsten mit ihrer Familie, Nachbarn und Freunden.

So überrascht es nicht, dass sich nicht nur ihre zwei mittlerweile erwachsenen Kinder, sondern auch Nachbarn und Freunde in ihren Geschichten wiederfinden. Ihr Gärtner Alfonso, der ihre Esel und Enten vor den Flammen rettete, soll eine Rolle im nächsten Drachenreiter-Buch spielen. Auch ihre „zauberhaften Nachbarn“, die Biobauern Laurel und Larry Thorne, sollen vorkommen.

Treffpunkt „Saum des Himmels“

Die Schriftstellerin, deren Mann 2006 an Krebs starb, engagiert sich für zahlreiche Hilfsprojekte. Besonders Kinder- und Frauenrechte sowie Umwelt- und Artenschutz liegen ihr am Herzen. Auf ihrer Avocado-Farm wollte sie eine Begegnungs- und Arbeitsstätte für Autoren, Musiker und Künstler aus aller Welt schaffen. Benannt hat sie die Farm nach dem Sehnsuchtsort aus ihrer Drachenreiter-Welt: „Saum des Himmels“.