Kunsthalle und Co.

Bares für Hamburg: Weitere Kultur-Millionen aus Berlin

Das Altonaer Museum erhält für seine Sanierung, einen Teil-Neubau und die "Revitalisierung" 39 Millionen Euro, die Hälfte kommt vom Bund.

Das Altonaer Museum erhält für seine Sanierung, einen Teil-Neubau und die "Revitalisierung" 39 Millionen Euro, die Hälfte kommt vom Bund.

Foto: SHMH / Sinje Hasheider

Der Haushaltsausschuss unterstützt vor allem das Altonaer Museum und die Kunsthalle. Auch die Privattheatertage können sich freuen.

Hamburg.  In etlichen Haushalten in Altona und Ottensen dürften sich noch Protest-Anstecker mit dem trotzigen Kampfruf „Wir sind das Altonaer Museum“ finden lassen. Im heißen ­Kultur-Herbst 2010 war es, als ein CDU-Kultur­senator über die Schließung des Hauses nachdachte. Es kam anders, für beide. Nun ist es den umtriebigen Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) zu verdanken, dass sich dieses Museum über eine stattliche Subventionsbescherung in der Vor-Adventszeit freuen kann. Kruse erklärte: „Schön, dass wir mit diesem Projekt nun sagen können, alle historischen Museen in Hamburg mit Bundesmitteln saniert zu haben.“ „Ich bin stolz wie Bolle, dass es gelungen ist, die Gelder für die umfassende Grundsanierung durchgesetzt zu haben“, sekundierte Kahrs. Beide sind seit Langem als Neben-Kultursenatoren aktiv, die durch die Ausrichtung ihrer Füllhorn-Bewegungen gut sichtbar ins hiesige Förder-Geschehen eingreifen.

Vieles davon müsse ohnehin passieren, betonte Kulturbehörden-Sprecher Enno Isermann angesichts der jüngsten Aktion. Es sei eher die Frage, wann und nicht, ob man tätig werde. Soll heißen: Berlins Beitrag reduziert Hamburgs Kosten. Und erst im Juni waren es Kahrs und Kruse gewesen, die dem Reeperbahn Festival fast 28 Millionen Euro (für fünf Jahre) beschert hatten.

39 Millionen Euro für das Altonaer Museum

Der Haushaltsausschuss des Bundestags, in dem das Politiker-Duo regelmäßig Millionen für Prestige-Projekte loseiste, will nun 19,5 Millionen Euro für Sanierung, „Revitalisierung“ und Teil-Neubau des Altonaer Museums beisteuern. Beschlossen wurde das gestern bei einer Sitzung zum Haushalt 2019. Auch die Ausstellungen sollen „grundlegend erneuert und erweitert“ werden.

Das Geld kommt bald, über die Planungsschritte und ihre Umsetzung wird zu beraten sein. Die Kultur­behörde ­ergänzt den Berliner Zuschuss für Altona mit weiteren 19,5 Millionen Euro. ­Pikantes Timing: Momentan weiß man in der zuständigen Stiftung Historische Museen Hamburg nicht, wer die Nachfolge von Alleinvorstand Börries von Notz antritt, der sein Amt 2019 aus persönlichen Gründen abgibt.

Unterdessen fühlt sich Kultursenator Carsten Brosda in seiner Arbeit unterstützt: „Der Fokus auf Museen passt zu unserer laufenden Innovationsoffensive Hamburger Museen.“ Auch ­Finanzsenator Andreas Dressel sieht nur Positives: „Diese dankenswerte Unterstützung gibt uns Rückenwind für unsere Sanierungsstrategie für wichtige Bereiche der städtischen Infrastruktur.“

Räumliche Erweiterung und Modernisierung der Kunsthalle

Zweiter großer Nutznießer dieser Zuwendungsrunde ist die frisch modernisierte, chronisch Not leidende Kunsthalle. Dort will der Bund die räumliche Erweiterung und Modernisierung von Kupferstichkabinett, Bibliothek und Archiv ermöglichen und den Sammlungsbereich der zeitgenössischen Kunst sanieren. Vom Bund kommen 10,675 Millionen Euro, ebenso viel gibt die Kultur­behörde. Und auch die Kunsthalle laboriert an einer Personalie: Vor wenigen Tagen bekam der erst seit zwei Jahren amtierende Direktor Christoph Martin Vogtherr seinen Herzenswunsch erfüllt, lieber General­direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Potsdam zu sein.

Nächster Kandidat für Bares vom Bund ist das Kraftwerk Bille, mit 2,35 Millionen Euro für denkmalgerechte Sanierung (weitere 2,35 Millionen Euro zahlt Brosdas Behörde). Man möchte auch ein „Vorzeigeprojekt für Kunst und Kultur“ im Osten der Stadt etablieren. Deutlich jünger als das Kraftwerk sind die 2012 gegründeten Privat­theatertage. Dort kann man sich über 1,5 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre freuen. Das Bundesjugendballett erhält 2,8 Millionen Euro.

Letzter Posten (1,45 Millionen Euro) sind Projekte im Denkmalschutzsonderprogramm. Das Haus des CVJM zu Hamburg wird saniert, das Kohle-Dampf-Seeschiff „Stettin“, das Harburger Schlossgewölbe, die Kirche St. Pauli und die Dreieinigkeitskirche St. Georg.