Buch des Jahres

Platt und für Kinder: „Ut Hamburg un nich ut Zucker“

Autorin Wiebke Colmorgen

Autorin Wiebke Colmorgen

Foto: Roland Magunia / HA

Das Niederdeutsche ist für den Nachwuchs wie eine Geheimsprache. Ein neues Kinderbuch ist jetzt auch preisgekrönt.

Hamburg. Wiebke Colmorgen ist auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein groß geworden, zweisprachig: neben Hoch- wurde auch Plattdeutsch gesprochen. Die Idee, den Kindern in Hamburg diese schöne Sprache, die so lustig klingt und so arg bedroht ist, ans Herz zu legen, lag also nahe. Das geht am besten mit Bildern und Musik. Das Buch „Plattkinner“ (Junius Verlag, 19,90 Euro) enthält auch eine CD mit zehn plattdeutschen Songs. „Bei meiner Arbeit mit Kindern, auch als Sprachförderkraft in einer Hamburger Kita, treffe ich auf verschiedene Nationalitäten und lerne dabei jeden Tag etwas dazu“, sagt Wiebke Colmorgen.

„Mit dem Buch möchte ich den Kindern, egal woher sie stammen, etwas aus meiner Kultur mit auf den Weg geben. Lieder sind dafür ein schönes Medium, zumal die Texte von den Kindern selbst inspiriert sind.“ Im Buch und auf der CD geht es um Klaus Kleckerklümp, einen ganz schönen Schlingel mit roten Haaren und einer frechen Zunge. Der kann richtig grantig kieken. Und um Silke Snappsnuut, die immerzu Schnupfen hat und vielleicht mal eine Höhnersupp essen sollte. Es geht um Hein Daddel, den Döösbaddel, der ist so tüddelig, dass er seine Büx verkehrtrum anzieht. Und natürlich um die Kinder aus dieser Stadt: „ Wir sünd ut Hamburg un nich ut Zucker.“

Es geht auch um norddeutsche Kultur

Wiebke Colmorgen hat die Lieder zusammen mit dem Gitarristen Hardy Kayser geschrieben, der auch für Ina Müller und Annett Louisan in die Saiten greift. Und ebenfalls im Norden mit Plattdeutsch großgeworden ist. „Platt ist ein Teil unserer norddeutschen Kultur“, sagt Colmorgen. „Viele Worte aus unserem Alltag stammen aus dem Plattdeutschen, wie etwa püttschern oder tüdeln.“ Oder vigeliensch. „Das bedeutet soviel wie knifflig und kommt von Violine, auf platt Vigelien. Die ja bekanntermaßen schwer zu erlernen ist.“

Sie erwarte nicht, dass plötzlich alle Leute wieder Platt sprechen. „Aber so ein paar Ausdrücke dürften gern wieder Einzug in den Alltag der Kinder halten.“ Zudem gehe es ja nicht nur um Sprache, sondern auch um norddeutsche Kultur wie etwa das Essen. „Ich habe der Kita meines Sohnes ein Exemplar des Buches geschenkt, eine Woche später gab es dort Birnen, Bohnen und Speck zu Mittag.“ Auf ihren Lesungen, sagt sie, reagierten die Kinder sehr positiv auf plattdeutsch. „Weil es lustig klingt. Außerdem verstehen die Kinder relativ viel, weil es dem Deutschen und Englischen ähnelt. Aber es gibt eben auch noch viel zu entschlüsseln.

Preisverleihung bei Plattdeutscher Buchmesse

Das ist ein bisschen wie eine Geheimsprache.“ Gibt es einen Lieblingssong? „Parlez-vous Platt?“, sagt sie. „Das Lied transportiert für mich die schöne Botschaft: Wir leben in einer multikulturellen Welt und Plattdeutsch ist ein Teil davon.“ Außerdem wollte sie immer schon mal „einen echten Chanson op Platt singen“. Das ist ihr gut gelungen. Genau wie das Buch, für das Tanja Esch die kunterbunten Bilder gezeichnet hat. All das hat auch die Jury der Carl-Toepfer-Stiftung überzeugt. Sie wählte „ Plattkinner“ zum plattdeutschen Buch des Jahres. Die Preisverleihung findet am 3. November im Rahmen der 21. Plattdeutschen Buchmesse um 11 Uhr in der Niederdeutschen Bibliothek, Peterstraße 36, statt.