Kino

Hollywood-Flair mit Jamie Lee Curtis beim Hamburger Filmfest

Die Schauspielerin kam nach Hamburg, um ihren neuen Film „Halloween“ vorzustellen. Ein Gespräch mit dem US-Star.

Hamburg.  Hollywood-Flair beim Filmfest Hamburg: Am Dienstag kam Schauspielerin Jamie Lee Curtis in die Stadt, um im Cinemaxx Dammtor „Halloween“ vorzustellen, die Fortsetzung des gleichnamigen Horrorschockers von Regisseur John Carpenter, mit dem sie 1978 berühmt geworden war. Etwas kurios und verwirrend: Mit „Halloween II“ gab es 1981 bereits eine direkte Fortsetzung, an der die Amerikanern auch mitwirkte. Später spielte sie zudem in „Halloween H20“ (1998) und „Halloween Resurrection“ (2002). Auf die Rolle der „Scream Queen“ ließ sich die heute 59-Jährige indes nie festlegen. Zu ihren großen Erfolgen gehören Kassenschlager wie „Ein Fisch namens Wanda“ (1988), „Blue Steel“ (1990) und „True Lies“ (1994). Beim Interview im Hotel Vier Jahreszeiten wirkt sie sehr entspannt und trägt – passend zum Serienmörderfilm – Blutrot. Am Abend steht sie dann vor dem Cinemaxx im komplett schwarzen Outfit im Blitzlichtgewitter der Fotografen.

„Halloween“, dieser Klassiker des Horrorfilms, liegt 40 Jahre zurück. Was hat sich für Sie in dieser Zeit verändert?

Jamie Lee Curtis: Mein ganzes Leben. Ich hatte die Gelegenheit, mich stark zu entwickeln. Ich habe eine Familie, ein kreatives, emotionales und spirituelles Leben. Ich bin gereist, habe mich der Musik, Kunst und Erziehung gewidmet.

Sie haben in Ihrer langen Karriere sehr viele unterschiedliche Rollen gespielt. Welche ragen heraus?

Curtis: Drei Tage vor meinem 35. Geburtstag hing ich für „True Lies – Wahre Lügen“ an einem Drahtseil unter einem Hubschrauber über den Florida Keys. Das war 60 Meter über dem Wasser. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung, verrückt, aber auch fantastisch.

Was ist mit „Ein Fisch namens Wanda“?

Curtis: Das war ein großartiger Film. Ich bin John Cleese sehr dankbar, dass er das Drehbuch für mich geschrieben hat. Aber ich hatte gerade ein Baby, meine Tochter war damals sechs Monate alt. Ich habe jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit und dem Weg nach Hause geweint. Jeden Tag habe ich mich schrecklich gefühlt, weil ich mein Baby zurückließ. Mein Mann und ein Babysitter mussten sich in der Zeit um sie kümmern und mit ihr spielen. Und ich ging zur Arbeit. Ich hatte mich noch nicht damit versöhnt, eine arbeitende Mutter zu sein. Das war sehr schwierig für mich. Deshalb sind meine Erinnerungen an diesen Film nicht so schön.

In der neuen „Halloween“-Version, die am 25. Oktober offiziell startet, spielen Sie eine Frau, die sich einem Psychopathen gegenüber sieht und alles daransetzt, die Macht zurückzugewinnen. Hat das auch etwas mit der #metoo-Debatte zu tun?

Curtis: Nun, das Drehbuch wurde schon zu einer Zeit geschrieben, als diese Debatte noch nicht aktuell war, aber die Autoren haben eine starke Frau in den Mittelpunkt gestellt. Das passt. Es ist in jedem Fall erstaunlich, was alles passiert ist: Bill Cosby sitzt heute im Gefängnis. Ein Mann, der Frauen mit Drogen betäubt und vergewaltigt hat. Und jeder hat ihn geliebt ...

Hat man Ihnen schon einmal die Besetzungscouch angeboten?

Curtis: Meine Erlebnisse sind nicht so schrecklich, wie die vieler anderer Frauen. Es gab Jobs, die durch eine Art Komplizenschaft zustande kamen, die es nicht hätte geben sollen. Aber ich konnte mich selbst bleiben. In den USA gibt es ein Statut über „unerwünschten körperlichen Kontakt“. Einen solchen Kontakt hatte ich ein paar Mal, aber ich hatte es nicht mit körperlicher Gewalt zu tun.

Ihre Eltern Tony Curtis und Janet Leigh sind beide Schauspieler gewesen. Haben Sie als junge Frau mal gedacht: Das will ich nicht?

Curtis: Ich wollte eigentlich Polizistin werden und habe es gerade mal so aufs College geschafft. Ich bin durch einen Zufall Schauspielerin geworden: Ich kam Weihnachten nach Hause, ein Bekannter, der eigentlich Tennislehrer war, managte inzwischen Schauspieler. So geht das in Los Angeles. Ich bin zu einem Casting gegangen, habe die Rolle aber nicht bekommen. Aber ich habe da noch einen Monat herumgehangen, einen Vertrag mit Universal abgeschlossen und das College hingeschmissen. So wurde ich ohne jeden Unterricht Schauspielerin.

Warum sind Sie im Geschäft geblieben?

Curtis: Weil ich zunächst sehr erfolgreich war. Zwar bin ich später auch oft ohne Arbeit gewesen – heute übrigens auch. Aber als junge Schauspielerin habe ich regelmäßig gearbeitet. Ende der Siebziger spielte ich in einer Fernsehsendung und wurde gefeuert. Wäre das damals nicht passiert, hätte mein Tennislehrer-Manager, dem ich bis heute dankbar bin, nicht zu mir sagen können: „Sie drehen da einen kleinen Slasher-Film. Es gibt darin drei Frauenrollen. Ich habe dich für die Unterdrückte vorgeschlagen.“ So kam ich zu „Halloween“.

Wie lange wollen Sie noch im Filmgeschäft arbeiten?

Curtis: Keine Ahnung. Es wäre eine schöne Idee, es heute sein zu lassen. Erster und letzter Film „Halloween“. Klingt doch wie ein perfekter Schluss. Ich habe keine großen Ambitionen, habe aber begonnen, Filme zu produzieren. Vielleicht schreibe ich mal etwas und führe Regie. Vielleicht spiele ich aber auch nur Golf mit meinem Ehemann. Vor anderthalb Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich jetzt hier sitzen würde. Ich war zuletzt 1983 in Europa, um einen Film zu bewerben: „Die Glücksritter“.

Eröffnung des Filmfests Hamburg 2018:

Für Ihre erste Rolle in „Halloween“ haben Sie 8000 Dollar bekommen. Waren Sie nicht frustriert, dass Sie weniger verdienten, als Ihre männlichen Kollegen?

Curtis: Ich finde es gut, dass darüber geredet wird. Unsere Kunstform ist der Kommerz, weswegen ich es auch „Angeber-Geschäft“ nenne. Es hat Frauen in Hollywood gegeben, die mehr gefordert und bekommen haben. Aber die Waage ist nicht gut ausbalanciert. Mich interessieren die gleichen Rechte allerdings mehr als die gleiche Bezahlung. Der Gouverneur von Kalifornien hat gerade ein Dekret unterschrieben, dass es in allen Firmenvorständen Frauen geben muss. Ein Wunder!

Sie sind auch als Autorin von Kinderbüchern erfolgreich ...

Curtis: Die fallen mir so ein. Kinder erfreuen und amüsieren mich. Dass meine Bücher erfolgreich sind, ist auch ein Wunder. Die Bücher sind schön, lustig, und es geht in ihnen um etwas. Sie sind das Beste, was ich je der Welt von mir präsentieren konnte.