Comedyshow

Hamburger Gelassenheit: „Ruhig bleiben. Nicht sabbeln“

Lutz von Rosenberg Lipinsky (52) wuchs in Halle/Westfalen auf

Lutz von Rosenberg Lipinsky (52) wuchs in Halle/Westfalen auf

Foto: Gutschera + Osthoff

Lutz von Rosenberg Lipinsky feiert mit der Comedyshow „Hamburger werden in 90 Minuten“ Premiere auf dem Theaterschiff.

Hamburg.  Zu Studentenzeiten wohnte er in Rotherbaum, inzwischen lebt er mit Familie in Wellingsbüttel: Zu behaupten, Lutz von Rosenberg Lipinsky, geboren in Gütersloh, wäre in Hamburg viel herumgekommen, scheint vermessen. Allerdings ist der seit fast 30 Jahren als Kabarettist tätige von Rosenberg Lipinsky sowohl auf zahlreichen Bühnen der Hansestadt als auch deutschlandweit aufgetreten. Nach „Wir werden alle sterben! – Panik für Anfänger“ hat der studierte Theologe und notorische Fan von Arminia Bielefeld ein neues Soloprogramm geschrieben, das er auch inszeniert und alternierend mit dem Schauspieler Claudiu Mark Draghici selber spielt. „Hamburger werden in 90 Minuten“ soll eine Comedyshow rund um die Hansestadt werden, die auf dem Theaterschiff im Nikolai­fleet Touristen, Zugezogene und Festverwurzelte unterhält. Die Premiere ist am morgigen Mittwoch.

Hamburger Abendblatt: Sie leben seit mehr als 25 Jahren in Hamburg. Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich als Hamburger gefühlt haben?

Lutz von Rosenberg Lipinsky: 25 Jahre.

Und wie sollen das dem Titel gemäß andere in nur 90 Minuten schaffen?

Von Rosenberg Lipinsky: Das kann keiner. Aber die Zuschauer können von mir lernen, wie sie zumindest nicht unangenehm auffallen. Und in den ersten 25 Jahren nicht überall sofort als Quiddje entlarvt werden.

Was hat Sie als Autor, Regisseur und Bühnenkünstler zu dem Programm inspiriert? – außer dem Geld?

Von Rosenberg Lipinsky: Grund war das Theaterschiff. Es ist immer ein Genuss, an diesem Urhamburger Ort aufzutreten. Jetzt dort produzieren zu können ist mir wirklich eine Ehre – und dann auch noch mit diesem Thema. Über unsere wunderbare Stadt, ihre Macken und ihr Herz sprechen zu können. Toll! Es gibt vergleichbare Stücke auch in Paris und Berlin – aber die sind uninteressant, weil diese Städte im Gegensatz zu Hamburg wenig zu bieten haben.

Hamburg als „schönste Stadt der Welt“ – ist das nicht, wie so manche Satire, doch eine starke Übertreibung?

Von Rosenberg Lipinsky: Einfacher Trick: Wenn man Hamburg nie verlässt, wird man nie herausfinden, ob es wirklich die schönste Stadt der Welt ist. Und kann an dieser These festhalten. Im Übrigen gilt für die Schönheit ja dasselbe wie für die Komik – sie liegt im Auge des Betrachters.

Und was macht den typischen Hamburger aus? Gibt es den überhaupt?

Von Rosenberg Lipinsky: DEN Hamburger gibt es natürlich nicht, zumindest nicht äußerlich. Typisch ist aber diese gelebte Gelassenheit. Das ist eine Mentalitätsfrage. Deshalb lernt man das auch in unserem Comedy-Crashkursus als Erstes: ruhig bleiben. Nicht sabbeln. (str)

„Hamburger werden in 90 Minuten“­ Premiere Mi 12.9., 19.30 (ausverkauft), danach 21./ 22. + 30.9., bis 23.1. 2019, Theaterschiff (U Rödingsmarkt), Karten zu 12,50 (erm.) bis 29,- unter T. 69 65 05 60;
www.theaterschiff.de