Garderobe-Vorschriften

Streit um klassische Dresscodes beim New York Philharmonic

Das New York Philharmonic in Arbeitskleidung

Das New York Philharmonic in Arbeitskleidung

Foto: Imago/Xinhua

Es ist das letzte der rund 20 großen US-Orchester, wo die Musikerinnen bei festlichen Konzerten keine Hosen tragen dürfen.

New York.  Julie Ann Giacobassi spielte mit ihrem Englischhorn im Ensemble der San Francisco Symphony die zweite Sinfonie von Mahler, als sich eine der Klappen ihres Instruments in den Falten ihres Rocks verfing. „Ich dachte: ,O nein, das war es jetzt‘, sagte die Musikerin der „New York Times“. Giacobassi spielte weiter und ging nach dem Konzert einen Frack kaufen, wie ihn die Musiker in ihrem Orchester trugen. Damals, in den 80er-Jahren war das ungewöhnlich, heute ist es fest in der Kleiderordnung ihres Orchesters verankert: Frauen dürfen schwarze Kleider, lange Röcke, Hosenanzüge oder auch Fräcke tragen.

Ganz anders sieht es bei einem ebenso renommierten Orchester an der Ostküste der USA aus: Das 1842 gegründete New York Philharmonic ist das letzte der rund 20 großen US-Orchester, wo die Musikerinnen bei festlichen Konzerten keine Hosen tragen dürfen. Nur bei Konzerten tagsüber, in Parks oder für junge Zuschauer werden Ausnahmen zugelassen. „Die Frauen unter den Philharmonikern können alles spielen“, titelte die „New York Times“ jüngst. „Nur nicht in Hosen.“

Gleichberechtigung und Emanzipation

Dagegen formiert sich nun Widerstand. Das Orchester, das in der David Geffen Hall im Lincoln Center beheimatet ist, besteht aus 50 Musikern und 44 Musikerinnen. Präsidentin ist seit 2017 Deborah Borda, die zuvor seit 2000 die Philharmonie in Los Angeles geleitet hatte. Auch dort sind den Musikerinnen erst seit 2017 Hosenanzüge oder schicke Hosen für Konzerte erlaubt. Kurz nach Bordas Amtsantritt in New York gingen einige Musikerinnen auf sie zu, mit dem Wunsch nach Gleichberechtigung in der Kleiderordnung.

„Wir würden das gerne verändert sehen, und bald“, sagt die Hornistin Leelanee Sterrett. „Und nicht nur ­dahingehend, dass Hosen erlaubt werden, sondern auch eine größere Aussage dazu, was es bedeutet, gut angezogen zu sein.“ Einerseits geht es um Gleichberechtigung, um Emanzipation und auch darum, dass es mit vielen Instrumenten hinderlich ist, in Rock oder Kleid zu spielen. Andererseits geht es um Modernität und die Frage: Welches Image will ein Orchester von sich verbreiten?

Konservative Stammgäste

Borda zeigt sich in Sachen Kleiderordnung zumindest offen. Bislang sei es ein „sehr guter Dialog“ gewesen. Aber es sei nicht einfach, einen Kompromiss zu finden, denn der Geschmack der reichen Stammgäste und Spender sei eher konservativ. Dass die Hose beim New York Philharmonic als Option für alle Standard wird, darauf hofft Sterrett. Festlich solle es bleiben, um ein „erhabenes Erlebnis“ für alle zu schaffen. Und fragt: „Wie kann das, was wir anhaben, wie wir aussehen, die Werte des Orchesters repräsentieren?“