Stilkritik

So finden Sie das richtige Kleid zum Ball

Siebter Teil der Mode-Serie mit Salon-Inhaberin Felicitas Bachmann. Dazu: ein Blick auf die Termine im kommenden Jahr.

Hamburg.  Manches Kleid wartet auf seine Käuferin. Da ist sich Felicitas Bachmann (51) sicher. „Auf dem Bügel hängend sieht es unscheinbar aus. Doch angezogen entfaltet es plötzlich seine ganze Schönheit.“ Für diese Momente liebt sie ihren Beruf. Seit 23 Jahren kleidet Felicitas Bachmann in ihrem Salon in Eppendorf Damen für besondere Anlässe ein: Hochzeiten, Galas, Empfänge, Cocktailpartys und neuerdings auch jüngere Kundinnen für Abtanzbälle und Konfirmationen.

Eigentlich wollte die gelernte Schneiderin Kostümbildnerin werden. Doch waren die Arbeitszeiten am Theater alles andere als familienfreundlich. Und so sattelte sie der drei Kinder zuliebe auf Braut- und Abendkleider um. „Das ist ja auch ein bisschen wie Theater“, lacht die zierliche blonde Frau, die ganz unprätentiös bei Nieselregen mit dem Fahrrad in den eleganten Laden am Jungfrauenthal kommt. Und tatsächlich wirken die Roben in Königsblau, Feuerrot und Pink wie Kostüme in einer Puccini-Oper. Es ist ganz offensichtlich: Die Hamburger Ballsaison steht ins Haus.

Hanseatische Kleiderordnung ist lässiger

Ein Kleid für den großen Auftritt auf dem roten Teppich ist etwas anderes als einen Pulli zu kaufen – „da ist man viel kritischer“, weiß die Stilexpertin. „Und es gibt einiges mehr zu bedenken.“ Etwa das Darunter: „Ein Fauxpas ist es, wenn sich unter einem eng anliegenden Kleid die Unterwäsche abzeichnet. Dafür gibt es spezielle Wäsche, etwa gelaserte Slips oder trägerlose BH.“ Ebenso unangenehm: Wenn zwei Damen bei einer Veranstaltung das gleiche Modell tragen. „Aus diesem Grund fragen wir unsere Kundinnen, für welchen Anlass sie das Kleid benötigen und notieren den Namen. So können wir Doppelungen vermeiden“, sagt Bachmann.

Termine 2018

Und natürlich ist der gegebene Anlass auch maßgeblich bei der Entscheidung für die passende Robe. Für klassische Bälle, bei denen getanzt wird, lautet der Dresscode stets langes Abendkleid. Ob ein schmal geschnittenes Seidenkleid aus der Salon-Kollektion für rund 900 Euro oder ein aufwendig besticktes Couture-Kleid mit Spitze und Tüll der spanischen Firma YolanChris für 4000 Euro, ist dabei Typsache (und natürlich auch eine Frage des Budgets). Und: „Ein Ball in Hamburg ist anders als der Wiener Opernball“, sagt Felicitas Bachmann.

Das bedeutet, dass die hanseatische Kleiderordnung ungezwungener, lässiger ist. Zum Hamburger Presseball etwa könnten die Damen auch in einem feinen Hosenanzug gehen, wie ihn Tochter Lili Bachmann (26) vorführt. Das Modell aus orangefarbenem Georgette kostet knapp 2500 Euro und stammt von der britischen Designerin Jenny Packham, zu deren Kundinnen auch Herzogin Kate gehört.

Kleider mit Spitze und Pailletten bestimmen die Trends der Ballsaison 2018 – ebenso die Farbe Pantone, ein kräftiges Lila. Ein Comeback feiert gerade Dunkelblau: „Vor ein paar Jahren war die Farbe ein No-Go. Heute ist es das neue Schwarz“, sagt Felicitas Bachmann. Wieder im Kommen sind auch Samtkleider und Zweiteiler aus Rock und Corsage oder hochgeschlossenem Oberteil.

Cut-outs sind angesagt

Sie haben den Vorteil, dass man frei kombinieren kann. Auch sehr angesagt sind sogenannte Cut-outs – seitliche Einschnitte, die Haut zeigen. „Solche Modelle sollte man aber nicht bei offiziellen Anlässen tragen, etwa bei einer beruflichen Einladung“, so die Expertin. Dafür sorgen sie bei Partys für Hollywood-Glamour. Auch Kleider mit tiefem Rücken­ausschnitt wie das schwarze Jersey-Abendkleid von Forever Unique für rund 400 Euro ziehen die Blicke auf sich.

Bei bodenlangen Kleidern, eventuell mit einer Schleppe, sollte man vorsichtig sein: „Wer es gewohnt ist, sich in solchen Roben zu bewegen, kann darin fantastisch aussehen“, so Bachmann. „Wer aber den ganzen Abend den Rock nach oben raffen muss, um laufen zu können, wirkt unbeholfen.“ Nur wenn die Frau sich wohl fühle, stimme die Ausstrahlung.

Und natürlich spielen Schuhe und Accessoires eine große Rolle. Zu jedem Kleid gibt es im Salon die entsprechende Clutch (ein schmales Handtaschen-Modell ohne Henkel), Pumps und Stilettos. Etwa die Hälfte ihrer Kundinnen komme mit eigenen Accessoires und Schuhen und suche dazu ein Kleid – „das ist fast genauso aufwendig wie ein komplettes Outfit“, sagt Felicitas Bachmann.

Gegebenenfalls abstecken

Für die perfekte Kleiderlänge sei es wichtig, dass mit dem richtigen Schuh probiert und gegebenenfalls abgesteckt wird. Damit Änderungen oder gar Maßanfertigungen aus dem hauseigenen Atelier rechtzeitig fertig werden, sollten Kundinnen mindestens acht Wochen vor der Veranstaltung ihren Einkauf planen. Und genügend Zeit mitbringen, um möglichst viel anprobieren zu können. Um am Ende das Kleid zu finden, das nur auf sie gewartet hat.

Salon, Jungfrauenthal 3-5, Tel. 48 0 08 03, www.salon-hamburg.de, geöffnet Mo bis Fr 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr