Klassik

Martha-Argerich-Festival wird 2019 in Hamburg fortgesetzt

Die Pianistin Martha Argerich

Foto: dpa

Die Pianistin Martha Argerich Foto: dpa

Wegen des großen Erfolgs: Die Neuauflage des Festivals startet im Juni nächsten Jahres. 9000 Besucher sahen die Konzerte.

Hamburg. Die Knolle Astra ist kein Glas Rotwein und Hamburg nicht Buenos Aires. Doch wenn man die Augen schloss, wehte trotzdem ein Hauch von Milonga durchs Schmidt Theater. Beim Abschlussabend des Argerich Festivals, der nicht nur den Ort, sondern auch den Stil wechselte und die Besucher in die Geburtsstadt der Pianistin entführte, zum Tango argentino. Das Finale reichte zwar nicht an das Spitzenniveau der vorangegangenen acht Konzerte heran.

Aber das schmälert den Gesamteindruck des von den Symphonikern Hamburg mit Martha Argerich ausgerichteten Festivals kaum, das insgesamt knapp 9000 Besucher anlockte und mit vielen musikalischen Glücksmomenten beschenkte und begeisterte. Wegen des überwältigenden Erfolgs soll es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben, angepeilt ist der Juni 2019.

Werke von Astor Piazzolla

Argerich selbst spielte diesmal nur eine Nebenrolle, mit drei kürzeren, am Ende teilweise als Zugabe wiederholten Werken von Astor Piazzolla. Dabei klebte sie noch, wie auch ihr Klavierpartner Eduardo Hubert, einen Tick zu sehr an den Noten, um wirklich frei gestalten und zum emotionalen Kern der Musik vordringen zu können. Deshalb wirkte ihr Auftritt zwar höchst sympathisch, aber künstlerisch weniger umwerfend als von ihr gewohnt.

Eigene Arrangements

Dafür hatte der Pianist Mauricio Vallina zuvor mit Stücken wie „El Choclo“ angedeutet, welche Sehnsucht, welche schmerzliche Intensität und mitunter auch unterschwellige Wut sich in den zuckenden Tanzrhythmen artikulieren kann. Mit dem Guttman Quartet tauchte das Konzert nach der Pause vollends in die typischen Farben und den Weltschmerzsound des Tango argentino ein. Seele und Herzstück des Klangs waren der fantastische junge Bandoneonist Lysandre Donoso, der seine musikalische Leidenschaft hinter einem leisen, beinahe schüchternen Auftreten verbirgt, und die Pianistin Chloë Pfeiffer, die ihr Gespür für die herbsüßen, bisweilen rauen Harmonien des Tango auch mit eigenen Arrangements demonstrierte.

Gegen diese packende Intensität fiel der Geiger und Namensgeber Michael Guttman mit seinem nicht immer präzisen Timing etwas ab. Auch deshalb reichte der letzte Teil nicht an die vorherigen Konzerte heran – auch wenn der Abend atmosphärisch sehr schön war.

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