Konzertkritik

Pianistin Martha Argerich brilliert im Weltklasse-Modus

Martha Argerich und Mischa Maisky: Auf der Bühne eine durchaus erruptive Kombination aus Cello und Piano

Foto: Daniel Dittus

Martha Argerich und Mischa Maisky: Auf der Bühne eine durchaus erruptive Kombination aus Cello und Piano Foto: Daniel Dittus

Die argentinische Tastentigerin glänzte bei ihrem Festival mit kongenialen Partnern. Ein Konzert von vulkanischer Energie: Zosch!

Hamburg. Sie ergänzen sich wie Feuer und Feuer: Martha Argerich und Mischa Maisky, Geschwister im Geiste und im heißen Temperament, das auch in der Laeiszhalle mit der gewohnten Siedelust hochkochte. Für den gemeinsamen Auftritt im Rahmen des Argerich-Festivals hatten die beiden Schumanns Fantasiestücke ausgewählt.

Zunächst genossen die argentinische Tastentigerin und der lettische Cellist, beide über 70 und schon lange eng befreundet, die zärtlichen Momente der Musik, ließen dann zunehmend eine nervöse Unruhe aufflackern, die sich mehr und mehr anstaute und im Schlusssatz mit vulkanischer Energie entlud. Zosch! Ein Höhepunkt des Konzerts, kurz und heftig.

Bariton fand nach und nach in die Spur

Es folgte noch ein weiterer, längerer, der aber auch etwas Anlauf brauchte. Mit seiner Marotte, manche Töne von unten anzuschleifen, gab Thomas Hampson dem lyrischen Intermezzo von Schumann - eine Urfassung des Liedzyklus „Dichterliebe“ – erst eine leicht operettige Note, was so gar nicht zum Geist des Stücks passt.

Aber dann fand der Bariton nach und nach in die Spur, inspiriert und geführt von Martha Argerich, die auch als Liedpianistin eine Sensation ist. Feinfingrig zeichnete sie die Erregungskurven der Lieder bis in den jauchzenden Liebesüberschwang nach, tastete sich aber auch in die Abgründe der Einsamkeit hinein, wo ihr Ton beinahe erstarb.

Überragende Künstlerin: Martha is on fire!

Mit dichten Spannungsbögen zog Argerich Hampson in den Bann der Musik; spätestens mit dem Lied „Ich grolle nicht“ hatte seine Darbietung dann jene Glut und emotionale Dringlichkeit, die sich in Herz und Ohren brennt. Ein Weltklasse-Duo, auch hier.

Argerich und ihre Partner legten die Messlatte damit allerdings rückwirkend in eine Höhe, an die der erste Teil des Konzerts nicht heranreichte – obwohl Akiko Suwanai und Nicholas Angelich die zweite Violinsonate von Brahms mit schönem Ton spielten und die Europa Chor Akademie Görlitz unter Joshard Daus die Brahmsschen Liebeslieder-Walzer mit süßem Schmelz beseelte.

All das verblasste nach der Pause schnell. Aber nach einem Abend beim Argerich-Festival ist es ja auch in Ordnung, wenn die Namensgeberin als überragende Künstlerin in Erinnerung bleibt. Martha is on fire.

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