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Lektüre für den Strand: Das sind die neuen Sommer-Romane

Der Wind treibt ab und an Sandkörner zwischen die Buchseiten. Und die Sonne blendet. Aber sonst ist alles ganz, ganz toll. Wirklich

Der Wind treibt ab und an Sandkörner zwischen die Buchseiten. Und die Sonne blendet. Aber sonst ist alles ganz, ganz toll. Wirklich

Foto: stock_colors / Getty Images/iStockphoto

Wenn die Heldin Sunny heißt und der immer charmante Franzose lockt, dann ist jede Lektüre eine Insel der Unbeschwertheit.

Sommerlich anstrengungslose Sätze, von einer zarten Meeresbrise durchweht. Nie angekränkelt von der Gedanken Schwere. Sprachlicher Stilwille? Kaum, es regiert das Unterhaltungsgebot. Auf dieser Seite stellen wir die neuen Leichtlektüren von vier Hamburger Autorinnen vor. Romantik ist das Salz auf unserer Haut, und weil sie kompliziert ist, gibt es ihre Geschichten wie Sand am Meer.

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Dora Heldt: „Sommer. Jetzt! Sonnige ­Geschichten“ (dtv, 188 S., 12 Euro)

Cover-Slogan: „Sommer ist einfach die schönste Jahreszeit!“

Aus dem Klappentext: „Geschichten und Kolumnen aus der Sommerfrische – wie ein morgendliches Bad im Meer“

Inhalt: Rentner, die nicht schwimmen können. Frauen, die verkorkst sind. Paare, die sich streiten. Helgoland. Sylt. Und meistens scheint die Sonne.

Und warum ist Sommer eigentlich noch mal so toll jetzt? „Charlotte liebte den Sommer. Diesen Inselsommer. Natürlich war es hier auch während der anderen Monate schön, aber der Sommer war etwas ganz Besonderes. Die Sonne, das Licht, die Farben der Heckenrosen, des Straßenginsters, das blaue Wasser, der weiße Strand, die weißen Möwen im blauen Himmel.“

Das Bekenntnis: „Ich gelte in meinem Freundeskreis als Reisemuffel. Das kommt daher, dass ich mich weigere, meinen Sommerurlaub woanders als auf Sylt zu verbringen. Es ist nicht so, dass ich nicht schon versucht hätte, aber an der Algarve, auf Fuerteventura oder auf Sizilien habe ich nie das gefunden, womit ich aufgewachsen bin: dieses perfekte Sommergefühl. Das habe ich nur auf Sylt.“

Sommerfaktor: Hoch. Schwimmen und Sonne, vor allem: 24-mal „Sommer“ ­allein in der ersten Geschichte.

Kitschschutzfaktor: 15. Besser nicht verbrennen.

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Sylvia Lott: „Die Inselgärtnerin“ (Blan­valet, 446 S., 9,99 Euro)

Cover-Slogan: „Wenn das Meer glitzert und es nach Sommer riecht, ist es Zeit, sich zu verlieben.“

Aus dem Klappentext: „Sonja ist kaum über die Trennung von ihrem Mann hinweg, da verliert sie auch noch ihren Job. So hält die Gartenarchitektin nichts in ihrer norddeutschen Heimat, als sie ein Haus in Florida erbt.“

Inhalt: Weibliche Selbstermächtigung vollzieht sich im Unterhaltungsroman, wenn Sonja plötzlich Sunny heißt, ihre Gärten in Florida blühen und nicht mehr in der norddeutschen Tiefebene. Sunny hat keinen Liebeskummer mehr, sie hat jetzt eine Freundin, die Stormy heißt, sie hat eine Strandvilla auf Dolphin Island und singt mit neuen Freunden alte Soul-Klassiker nach. Sunny verliebt sich in den smarten Nick Winslow. Ihr fieser Mann daheim in Deutschland hieß nur Michael. Ihre Tante dagegen: Sandy. In Sandys Leben gab es ein ­Geheimnis, das findet Sunny nun heraus. Aber wenn Sunny nun etwas gar nicht glauben kann, sagt sie: „Never ever.“ Unter der Sonne Floridas treibt sich dann auch noch der fantastische Sam herum. Nick Winslow kann ein­packen. Obwohl er eine Yacht hat.

Und warum ist Sommer eigentlich noch mal so toll jetzt? „Und seit sie auf der Yacht mit Nick nach langer Zeit wieder einmal erotische Schauer empfunden hatte, dachte sie auch wieder häufiger an Sex. Sie hatte das Thema verdrängt, ihre körperlichen Spannungen mit der Gartenarbeit abreagiert. Aber natürlich hatte sie Bedürfnisse. In einem Workshop, den sie während ihrer schlimmsten Liebeskummerphase besucht hatte, war Sexualität einmal als Kundalini-Schlange beschrieben worden, eine Vorstellung aus der altindischen Lebenslehre. Diese Schlange konnte zusammengerollt lange Zeit schlafen. Aber wenn sie erwachte, entwickelte sie sich mit aller Naturgewalt.“

Das Bekenntnis: „Aber jetzt die bittere Wahrheit: Dolphin Island und Juno ­Island gibt es nicht“ (aus dem Nachwort der Autorin).

Sommerfaktor: Hallo? Schon einmal vom „Sunshine State“ gehört? So heißt Florida inoffiziell. Zudem stammt „Die Inselgärtnerin“ aus der Blanvalet-Reihe „Hello Sunshine“. Dort gibt es „Tagesgewinne voller Sommerfeeling“, und das Motto lautet: „Bücher für klopfende Herzen“. Sommerfaktor: Ziemlich hoch.

Kitschschutzfaktor: 20. Hier muss man satt auftragen, sonst tut’s später weh.

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Lena Wolf: „Sommer mit Aussicht“ (Rowohlt, 398 S., 9,99 Euro)

Cover-Slogan: „Auf dem kürzesten ­Umweg ins Glück: Eine großartige Sommer-Beziehungskomödie mit Herz und Humor um eine Frau zwischen zwei Männern – und zwei Müttern!“

Aus dem Klappentext: „Endlich sitzt Luisa im Auto Richtung Frankreich. Nur dass sich Stefan hinters Steuer ­geklemmt hat, dämpft die Urlaubsfreude. Denn er ist Luisas Ex-Mann.“

Inhalt: Oh là là, Fronkreisch gegen L’Allemagne, Nicolas gegen Stefan – wer wird das Rennen machen? Wie wird sich Luisa entscheiden? Und um noch einen draufzusetzen: Wer ist die attraktivere Mutter? Die, die man schon immer kennt, oder die unbekannte mit der Pension in der Provence? Heiße Herzen, Baby, und geheult werden darf auch. Aber noch nicht auf der Autobahn, der das erste Drittel dieses großen europä­ischen Romans, dieses Monuments der deutsch-französischen Völkerfreundschaft, dieser literarischen Manifestation der bilateralen Liebe vorbehalten ist. Sondern erst in provenzalischen Gefilden, da also, wo der Germane noch immer sein Herz verloren hat.

Und warum ist Sommer eigentlich noch mal so toll jetzt? „Plötzlich lichtet sich der Weg, er wird breiter und mündet schließlich an dem Plateau, das Detlef mir beschrieben hat. Ich gehe vor bis zu einer schmalen, fußhohen Mauer und schaue ehrfürchtig in die Ferne. Der Ausblick ist unfassbar schön, man hat das Gefühl, bis ans Ende der Welt sehen zu können. Na ja, zumindest ist es, als würde die gesamte Provence mir zu ­Füßen liegen. Direkt vor mir, im Tal, ­beginnen die unterschiedlich bestellten Felder. Sie erstrecken sich wie ein ­gigantischer, aufwendig geknüpfter Flickenteppich über die hügelige Landschaft bis zum Horizont. Dorthin, wo die Sonne langsam ihren Blick gen ­Boden senkt. Der Himmel ist purpur eingefärbt, beinahe im selben Ton wie die Lavendelfelder, deren unzählige Halme zu flimmern scheinen, als wären ihre Blüten winzige Leuchtdioden.“

Das Bekenntnis: „Lena Wolf ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Im Gegensatz zu ihrer Protagonistin fährt sie durchaus gerne mit ihrem Mann und ihrer Mutter in den Urlaub. Am liebsten nach Südfrankreich“ (aus den Angaben zur Autorin).

Sommerfaktor: „Irgendwann kann ich in weiter Ferne das Meer erahnen“ – es gibt hier, das muss man sagen, insgesamt weitaus mehr zwischenmenschliche Dramen als erlösende Köpfer in die Fluten. Trotzdem ziemlich hoher Sommerfaktor, Sie wissen schon, die Sonne und der Lavendel ... Und dann auch die Hormone ...

Kitschschutzfaktor: 10 reicht in diesem Fall vollkommen. Die Ich-Erzählerin („Zu viel Kitsch. Luisa!“) bremst sich bisweilen selbst. Sie kennt also die Risiken von einem Bad im Kitsch.

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Gabriela Engelmann: „Strandkorbträume“ (Knaur, 304 S., 9,99 Euro)

Cover-Slogan: „Neue Träume. Neue Turbulenzen. Ein Wiedersehen auf Sylt“

Aus dem Klappentext: „Möwen gleiten auf silbrigen Schwingen, die Sonne strahlt, der Duft des Meeres umweht die Insel – doch die schwangere Larissa hat ein Problem: Sie muss das Bett ­hüten und sucht händeringend Personal für ihr Buchcafé Büchernest. Viele Kilometer weiter südlich in Wien steht die Buchhändlerin Sophie gerade an einem Wendepunkt ihres Lebens, als sie von Larissas Sorgen erfährt. Kurzerhand entschließt sich Sophie, in ihre alte Heimat zurückzukehren und im ­Bücher­nest auszuhelfen. Ein Sommer auf Sylt soll den Neuanfang bringen.“

Inhalt: „Inselzauber“, „Inselsommer“, „Wintersonnenglanz“: So heißen die drei Vorgängerromane aus der „Büchernest“-Reihe. In ihnen realisierte sich, wenn man so will, das Paradies auf Erden – in diesem speziellen Falle von der Hamburger (und Wiener) Literaturseligkeit aus gedacht. Sylt, der eigene Buchladen, beste Freundinnen, was zur Hölle braucht man eigentlich mehr? Um in der Logik des neuen Bandes zu bleiben: eine Strandkorbdauermiete vielleicht. Und gute Nerven, wenn in Wien die Beziehung gerade den Bach runtergeht und gleichzeitig nicht eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kommt („Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass ich aus Hamburg komme“) – aber die Rettung naht, sie kann nur, siehe Dora Heldt, Sylt heißen. Dort treffen sich alte Freundinnen wieder, und denen ist es nie, nie, nie langweilig. Es ist ja immer etwas los, besonders mit den Kerlen, aber das Beste ist: Kein Drama ist ­jemals eine Tragödie. So ist das auf Sylt.

Und warum ist Sommer eigentlich noch mal so toll jetzt? Sommer auf Sylt? Schlag nach bei Dora Heldt!

Das Bekenntnis: „,F-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h!‘, hauchte sie und schmiegte ihr ­Gesicht an Larissas Wange. ,Ach Lissy, wer hätte gedacht, dass ich jemals so glücklich mit einem Mann sein könnte?‘ Larissa schmunzelte. Nele und die Liebe, ein sehr spezielles Thema, das stetig für Turbulenzen sorgte. Mit dem smarten Sven, künftiger Besitzer des Reiterhofs in Keitum, stand das Barometer ­allerdings schon länger auf Hoch.“

Sommerfaktor: Hitzewelle auf Sylt! Da gerät der Kreislauf durchaus mal durcheinander.

Kitschschutzfaktor: 25 Sylter Sommer kennen kein Pardon.