Konzert

Ovationen für Dimitry Sinkovsky in der Laeiszhalle

Hamburgs Laeiszhalle

Hamburgs Laeiszhalle

Foto: picture alliance / BREUEL-BILD

Der russische Barockgeiger begeisterte das Hamburger Publikum. Mit solcher Wucht, dass er neue Saiten aufziehen musste.

Hamburg.  Nach dem Telemann-Violinkonzert muss Dmitry Sinkovsky kurz die Bühne der Laeiszhalle verlassen und eine neue Saite aufziehen; die alte hatte dem Druck nicht standgehalten, mit dem die Musiker bei ihrem Hamburger Gastspiel die Werke aufladen, kein Wunder.

Überhaupt, Sinkovsky und das Baroque Orchestra B’Rock begnügten sich bei ihrem Gastspiel am Donnerstag nicht einfach nur damit, ein hervorragendes Konzert zu spielen, ein Konzert mit einer solchen Wucht, dass sich zum einen - auch in Konzertsälen sich eher nach innen freuende - Hamburger Publikum zu Ovationen und die Musiker zu vier Zugaben hinreißen lassen.

Musik findet im Herzen statt

Sie rücken auch das Musikverständnis zurecht, dass sich in der Elbphilharmoniestadt Hamburg seit spätestens einem Jahr immer wieder wie selbstverständlich formuliert wird: dass Musik nicht nur eine Spitzenleistung ist, die von guten Musikern unter sehr guten Bedingungen immer und immer wieder reproduziert werden kann. Sondern tatsächlich eine Art Wunder, dem man mit menschlichen Werkzeugen immer nur ungenügend beikommen kann.

So ist es immer bei Konzerten, bei denen die Musiker auf historischen - und also nicht auf Mainstreamklassikniveau ausentwickelten - Instrumenten spielen, Hörnern etwa, deren Spieler nicht alle Töne zu fassen kriegen, sondern nur, so gut es eben geht. Sinkovsky und sein Orchester lassen sich davon aber ganz demonstrativ nicht aufhalten, auch nicht vom angestaubten Klang eines Programms, das zur Hälfte aus Werken von Heinrich Ignaz Franz Biber von Bibern und Johann Joseph Fux besteht, sowie aus den entlegeneren Repertoire-Teilen Telemanns und Vivaldis.

Es ist Musik, die weiß, dass Emotionen nichts mit Wucht zu tun haben müssen, Überschwang nichts mit Volumen und Präzision vor allem im Herz stattfinden muss, der Rest wird sich dann schon fügen. Bei den Zugaben legte Sinkovsky dann die Geige weg und begann mit Countertenorstimme zu singen, am Ende applaudierte ihm sein Orchester.