Musik

Mit Depenbusch zum gesungenen Höhepunkt im XXL-Wohnzimmer

Anna 
Depenbusch wurde 1977 in Hamburg 
geboren

Anna Depenbusch wurde 1977 in Hamburg geboren

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Succo / picture alliance / Ralf Succo /

Liedermacherin Anna Depenbusch startete ihre Solo-Tour in der Elbphilharmonie. Wie sie diese Herausforderung gemeistert hat.

Hamburg.  Wortverliebt, wortverspielt. Mal Französin, mal Hamburger Deern. Zierlich im Abendkleid, dabei pure Energie ausstrahlend. Stark in der Stimme, immer besser am Klavier. Anna Depenbusch, das ist der Proteinriegel unter den Liedermacherinnen. Kein Wunder, dass sie sich mit Ina Müller gut versteht. Ihr erster Auftritt bei „Inas Nacht“ (2010) habe ihrer Karriere den maßgeblichen Schub gegeben, erzählt Depenbusch dem Publikum Sonnabend im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Es ist das Eröffnungskonzert ihrer Tour „Das Alphabet der Anna Depenbusch in Schwarz-Weiß“. Die Farbe – ihre Band – hat in diesem Jahr Pause, nur die Hamburger Künstlerin und ihr Flügel stehen auf der Bühne. Und sie wäre nicht Anna Depenbusch, würde sie dem Hype um die Spielstätte nicht auf ihre Weise Paroli bieten.

Wer ist wegen Anna Depenbusch in der Elbphilharmonie?

Wer denn wegen der Elbphilharmonie gekommen sei – Hand hoch! Und wer wegen ihr? Puuuh, noch mal gut gegangen, die deutliche Mehrheit outet sich als Mitglied der Depenbusch-Fangemeinde. Stark vertreten ist der Typ aufgeweckte Großstadtfrau zwischen 30 und 40, modebewusst, in Job und Liebe anspruchsvoll und darin mal mehr, mal weniger erfolgreich. Genau diese Zielgruppe trifft Anna Depenbusch auf höchst intelligente und vergnügliche Art. Ihre Texte sind authentisch, empathisch – und rechtzeitig ironisch zur Kitsch-Abwehr. Mag es bei „Harry und Sally“ den ersten vorgetäuschten Orgasmus der neueren Filmgeschichte gegeben haben – Anna Depenbusch beziehungsweise die Frau, die mit „Ben – JAAA – min“ in der Nachbarwohnung im Bett liegt, dürfen wohl den ersten gesungenen Höhepunkt in der Elbphilharmonie für sich beanspruchen.

Sie singt „Die schönste Melodie“, die gleichzeitig den atemraubenden Kummer über eine verlorene Liebe und den Respekt vor dem anderen ausdrückt. Die 40-Jährige ist kein Racheengel, sie „mag es versöhnlich und friedlich“, wie sie dem Abendblatt vor knapp einem Jahr im Interview erzählte. Damals kündigte sie auch an, wie sehr sie sich freue, „Frauen wie Sterne“ allein am Klavier zu performen, ein Chanson über einen modernen Casanova. Die Künstlerin hält Wort: das virtuose In­tro, das herrlich rollende R („Parrrrrdon, meine sehr verehrten Damen …“), das Gurren und Changieren in allen Tonlagen – vive la Depenbusch! Danach wird es bluesig-jazzig („Wenn du nach Hause kommst“). Sie weiß, dass sie ohne Band alle Register selbst ziehen muss. Wechselt die Stile, bringt Bekanntes („Tim liebt Tina“) und Neues („Alles über Bord“), sie experimentiert, interpretiert, lässt das Publikum mitsingen.

Riesenapplaus zum Dank

Anna Depenbusch mag, ja, sie braucht die Verbindung zu ihren Zuhörern, wenn sie ihre Geschichten erzählt. Das ist bei diesem Auftritt die größte Herausforderung. Depenbusch, die üblicherweise „die sehr gemütliche Wohnzimmeratmosphäre“ bevorzugt, hat ihre Solo-Tournee nicht in einem Club oder einer mittelgroßen Spielstätte, sondern „im größten Wohnzimmer Hamburgs“ gestartet. Dass das gelingt (am Anfang und Ende des Abends gibt es Riesen­applaus), liegt auch daran, dass sie in Hamburg geboren und zu Hause ist. „Heimat“ eben.