N-Joy-Late-Night

Boy singen in der Elbphilharmonie und alle sind verzückt

Boy live:  Sängerin Valeska Steiner und Gitarristin Sonja Glass in der Elbphilharmonie

Foto: N-JOY/Benjamin Hüllenkremer

Boy live: Sängerin Valeska Steiner und Gitarristin Sonja Glass in der Elbphilharmonie

Das Hamburger Duo Boy verzauberte das Publikum im Großen Saal mit emotionaler Dichte. N-Joy Late Night hatte eingeladen.

Hamburg.  Sonntag, 22 Uhr. Das Wochenende ist fast vorbei, die Werktage haben noch nicht begonnen. Und dann anderthalb Stunden Musik, die einen driften, schweben, kurz mal weg sein ließ.

Die Reihe N-Joy Late Night hatte das Hamburger Duo Boy in den Großen Saal der Elbphilharmonie geladen, um seine Songs in akustischen Varianten vorzutragen. Doch alleine blieben Sängerin Valeska Steiner und Gitarristin Sonja Glass nicht. Pianist, Schlagwerker, Gitarrist sowie die Streicher des Kaiser Quartetts gesellten sich in den Halbkreis auf der Bühne, um die Lieder der Alben "Mutual Friends" und "We Were Here" zu veredeln.

Musiker im Sternenlicht

"Es sieht so toll aus und weniger furchteinflößend, als ich es mir vorgestellt habe", sagte Steiner, ihr Schweizer Akzent deutlich hörbar, und legte den Kopf glücklich rundum blickend in den Nacken. Dann stieg ihr Gesang empor, war voll und zart, lockend und nah, transparent und durchdringend. Die neuen Arrangements, die soeben als "Acoustic Collection" erschienen sind, stellten die Details von Boys Pop-Perlen an diesem sehr besonderen Abend aufs Schönste aus.

Alle feinen Verästelungen ließen sich in Ruhe betrachten, erhören, erfühlen. Eine Nummer wie "Waitress" erhielt dank sachter Percussion eine lässige Leichtigkeit. Ein Lied wie "Fear" baute sich spannungsgeladen auf: Die Gitarrenklänge verschachtelten sich, die Streicher fügten Farbe um Farbe hinzu, wurden dann wieder verhaltener, ließen den Song atmen. Und ein Stück wie "New York" wurde durch das Kaiser Quartett mit dem Schmelz eines alten Hollywoodfilms aufgeladen. Zu "We Were Here" saßen die Musiker im Sternenlicht, das über den Bühnenboden kreiselte. Wir waren hier. Das lässt sich auch über dieses Konzert sagen. Wir waren dabei, waren am Leben, am Puls einer ganz eigenen Zeit.

Verzückung und Dankbarkeit

Das Publikum quittierte diese emotionale Dichte mit Aufmerksamkeit, Verzückung, Dankbarkeit. Ganz sachte sang es mit beim Überhit "Little Numbers", bei YouTube mittlerweile knapp 19 Millionen Mal geklickt, um dann rasend applaudierend diverse Zugaben einzufordern. Etwa das Black-Keys-Cover "Lonely Boy", zu dem Steiner im Sitzen tanzte und ihr Haar schüttelte. Wahrlich fantastisch, dieser Boy.

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