Ausstellung in Hamburg

Beeindruckende Fotos aus Krisenregionen

Gideon Mendels
Foto aus einem
Überschwemmungsgebiet
in
Nigeria

Gideon Mendels Foto aus einem Überschwemmungsgebiet in Nigeria

Foto: Prix Pictet 2015

Eine spektakuläre Ausstellung im Kunstverein zeigt eindringliche Bilder etwa zum Thema Klimawandel.

Hamburg.  Klimawandel, Artensterben, Kriege und die Flucht davor beherrschen die Medien und machen auch vor der Fotografie nicht halt. Die Initiatoren des renommierten Fotopreises Prix Pictet wollen „die Macht der Fotografie nutzen“, um weiterhin für diese Themen zu sensibilisieren. Aus 700 Einsendungen hat eine hochrangige internationale Jury zwölf Künstler ausgewählt, deren Arbeiten nun bis zum 15. Januar im Kunstverein (Klosterwall 23) ausgestellt sind.

Ori Gersht jagt Blumen-Bouquets in die Luft

Eine besondere Form, die Zerstörung der Umwelt, den permanenten Akt des Zerfalls, zu zeigen, hat der israelische Künstler Ori Gersht gefunden: Er sprengt üppige Blumen-Bouquets in die Luft und fotografiert den Moment der Explosion. Seine Inszenierung greift einerseits auf die Stillleben alter niederländischer Meister zurück, die die Vergänglichkeit des Lebens symbolisierten, und übersteigert sie auf geradezu aggressive Weise. Warum zerstört man etwas so Schönes? – Diese Frage steht im Raum. Antworten muss der Betrachter selbst finden.

Konkreter wird es bei zwei starken Porträts des vielfachen World-Press-Award-Siegers Gideon Mendel. Er fotografierte unter dem Titel „Ertrinkende Welt“ eine Überschwemmungsserie quer über den Erdball und sagt: „Ich war tief betroffen von den gegensätzlichen Auswirkungen dieser Hochwasser, aber auch von der Verwundbarkeit, die alle Opfer zu verbinden schien.“ Die Gefühlslage eines dieser Opfer ist abzulesen an dem verzweifelten Gesicht eines Mannes irgendwo in Brasilien, dem das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht.

Auch die USA haben mit großen Umweltproblemen zu kämpfen: Der bildende Künstler Matthew Brandt hat aus aufgesammelten toten Bienen Bilder gestaltet. Mal bildet er Schwärme nach, mal wird bei ihm aus vielen kleinen toten Bienen eine große, die er schließlich fotografiert. Auf den Böden der Rahmen liegen lauter Körperteile echter Bienen, die vermutlich durch den Einsatz von Pestiziden gestorben sind. Ein erschreckender Anblick.

Andere Aufnahmen entstanden in Ghana, wo ein Großteil der jährlichen 50 Millionen Tonnen Elektronikmüll aus westlichen Ländern landet. Dort fotografierte der Südafrikaner Pieter Hugo junge Männer, die auf der öden Riesendeponie arbeiten. Der Müll vergiftet Menschen, Tiere, Boden und Gewässer, und die Menschen, die ihn dort verbrennen, tun es mit melancholischem Blick.

Fast unwirkliche Bilder von Flüchtenden sind der Engländerin Alixandra Fazzina gelungen. Wie in einem Science-Fiction-Film im Weltraum schwebend wirkt etwa ein Toter mit hell angestrahltem Gesicht. Schwerelos gleitet er durch die endlose Weite des Ozeans. Ein auf verstörende Weise magisches Foto.

Maxim Dondyuks Maidanfotos wirken wie Schlachtenbilder

Der Kampf um Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema des ukrainischen Fotografen Maxim Dondyuk. Er orientiert sich für seine Dokumentaraufnahmen an der Wirkungsmacht historischer Schlachtenbilder. Seine Fotos von den kriegsähnlichen Umsturzkämpfen auf dem Maidan-Platz sind deshalb dramatisch, bewegt und beinahe bühnenhaft komponiert und erleuchtet.

Zum Abendblatt-Kunstmeilentag am 16.12. ist der Kunstverein von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Wer den Coupon, der an diesem Tage auf der Abendblatt-Titelseite abgedruckt wird, oder sein Smartphone/Tablet mit geöffnetem E-Paper vorweist, hat freien Eintritt in der Kunsthalle, dem Museum für Kunst und Gewerbe, dem Bucerius Kunst Forum, dem Kunstverein und in den Deichtorhallen.