St. Pauli

Kleiner Leitfaden: Das Reeperbahn-Festival für Profis

Der Spielbudenplatz ist das Herz des Reeperbahn Festivals mit den Tageskassen, den „Flatstock-“Posterständen,
Imbissen und Bühnen, an denen man auch ohne Ticket Konzerte erleben kann

Der Spielbudenplatz ist das Herz des Reeperbahn Festivals mit den Tageskassen, den „Flatstock-“Posterständen, Imbissen und Bühnen, an denen man auch ohne Ticket Konzerte erleben kann

Foto: Lisa Meinen

Am Mittwoch beginnt der Musik-Marathon auf St. Pauli, und der hat wie auch der Kiez seine eigenen Regeln.

Hamburg.  Alles ist bereit: Mehr als 350 Bands, fast 60 Veranstaltungsorte, unzählige begleitende Kulturattraktionen von Kunst bis zu Film und die Meile an sich mit all ihren Möglichkeiten vereinen sich von Mittwoch bis Sonnabend zum 11. Reeperbahn Festival. Und dieser Musik-Marathon ist wie die viel zitierte Pralinenschachtel in „Forrest Gump“: Man weiß nie, was man bekommt, wenn Pop- und Kiezkultur sich vier Tage und Nächte vereinen. Hier ein Leitfaden für den entspannten Festival-Bummel.

Große Namen meiden „Ich kenne da keine Band“, hört man oft beim Thema Reeperbahn Festival, und so geht es auch Pop-Profis. Aber genau diese Bands sind die Seele des Festivals. Sie spielen, um Fans, Applaus, Verträge, um Tourneen an Land zu ziehen. Sie spielen um ihr Leben. Man kann natürlich auch wie bei Deichkind, Cro und Beatsteaks in den Vorjahren oder dieses Jahr bei Maxim oder Boy ewig anstehen für eta­blierte Bands, die sicher gut abliefern. Aber: Man kann es auch lassen.

Langmut Da hat man sich durch das Programm geflöht und genau geplant, wer wann und wo zu sehen ist ... und dann wirft ein Einlass-Stopp an der überfüllten Prinzenbar oder am Molotow den ausgetüftelten Plan über den Haufen. Der richtige Zeitpunkt, um zu improvisieren, unbekanntere Clubs wie Kukuun, Headcrash oder Pooca Bar, Terrace Hill oder Schulmuseum zu besuchen und zu schauen, was läuft.

Drei Songs, kein Blitz Wenn eine Band nach drei Songs nicht flasht, wird sie es auch nach sechs nicht tun. Dann kann guten Gewissens weitergezogen werden. Einfach unter leichten Verbeugungen rückwärts den Saal verlassen und unauffällig verschwinden.

Respektiert die Künstler Auch wenn Hip-Hop- und Electrokünstler ein Trend-Schwerpunkt in diesem Jahr sind, bleiben Sänger und Songschreiberinnen, einsame Herzen mit Gitarren, verhuschte Lyrik-Zausel und skandinavische Popelfen en vogue. Laute Gespräche und Debatten über Bier, Bands oder Berlin sollte man sich daher eher für lautere Bands wie Fjørt am Freitag im Gruenspan aufsparen.

Sitzfleisch Einige Spielorte wie das Imperial Theater oder die St. Pauli Kirche sind bestuhlt. Schnelles Kommen und Gehen ist dort besonders schwierig und auch unhöflich. Dort sollte man sich auf längere Aufenthalte einstellen.

Junggesellenabschiede Nicht jede Gruppe, die sich besonders am Sonnabend auf der Meile breitmacht, ist eine Touristenführung oder ein Kegelclub. Hier eine Spielidee zum Zeitvertreib: Einfach die Junggesellenabschiede bei einem Gang von U St. Pauli zur Großen Freiheit zählen. Unser Rekord ist 26.

Drogen Manche Menschen, die einen leise rund um die Bernhard-Nocht-Straße anflüstern, fragen nicht nach dem Weg, sondern arbeiten im illegalen Einzelhandel. Das wissen auch die Männer und Frauen in der Davidwache, und wer will dort schon – in Hamburgs teuerstem und komfortlosesten Hotel – übernachten? Finger weg.

Fremdgetränke Es mag verlockend sein, sich beim Discounter für den kleinen Durst zu versorgen. Daher der Hinweis: Auf dem Kiez herrscht am Wochenende Flaschenverbot, Türsteher hassen Fremdgetränkeschmuggler (sicher ein Thema bei der „Türsteherlesung“ am Mittwoch in der Alten Liebe), und nicht wenige Clubs überleben nur durch ihren Getränkeumsatz. Trinkt also fair und nicht zu viel, denn wer will schon in Hamburgs teuerstem ...

Essen Die Kiez-Gastronomie hat mehr zu bieten als McDonald’s und Burger King. Rund um den Spielbudenplatz wird für jeden Geschmack aufgefahren. Und bei Grilly Idol, Pizza Bande und acht weiteren Bistros und Cafés gibt es Sonderangebote für Festivalbesucher.

„Hey Süßer“ Auf der Burger-King-Seite der Davidstraße und auf dem Hans-Albers-Platz flattern die Bordsteinschwalben. Die haben gewiss keine Sonderangebote für Festivalbesucher. Man sollte höflich die Avancen ablehnen, aber – um Himmels willen! – nicht beleidigen. Auch nicht, wenn man eine sehr gute Krankenversicherung hat.

Schnorrettis Straßen-Punks und andere auf Mildtätigkeit angewiesene Paulianer sind zahlreich und manchmal anhänglich. Ein Tipp, auch für Nichtraucher: Über ein, zwei Kippchen freut sich eigentlich jeder. Alle glücklich.

Reeperbahn Festiva l Mi 21.9. bis Sa 24.9., diverse Clubs und Bühnen auf St. Pauli,
Tagestickets zu 25,- (Mi), 35,- (Do), 40,- (Fr), 45,- (Sa), 2-Tagestickets zu 72,- (Fr+Sa), 3-Tagestickets zu 82,-(Do-Sa), 4-Tagestickets zu 92,- im Vvk.; www.reeperbahnfestival.com